Perspektiven Schulden und Sühne

Drei Köpfe, drei Konzerne, drei Konzepte: Strategien und Perspektiven der großen Telekommunikations-Imperien im Überblick.

Vodafone

Konzept: Konsequente Globalisierung

- Vodafone  konzentrierte sich vom Start weg auf das Mobilfunkgeschäft. 1986, zwei Jahre nach der Gründung, war das Unternehmen bereits Marktführer in England. Der damalige Firmenchef Gerald Whent erwarb frühzeitig Funklizenzen und Beteiligungen im Ausland.

Umsetzung: Chris Gent, der 1997 die Leitung des Konzerns übernahm, setzte die Globalisierungsstrategie konsequent fort. Mit der Übernahme des US-Betreibers Airtouch (1999) sowie der Mannesmann AG (2000) formte er den größten Mobilfunkbetreiber der Welt mit derzeit über 103 Millionen Kunden in 28 Ländern.

Erfolgsaussicht: Im letzten Geschäftsjahr (31. 3.) wies Vodafone auf Grund hoher Abschreibungen einen Rekordverlust (vor Steuern) von 21,2 Milliarden Euro aus. Wegen der im Vergleich zu anderen Telekommunikationskonzernen geringen Verschuldung (18 Milliarden Euro) und der großen Präsenz im Markt ist das Unternehmen jedoch gut aufgestellt.

Deutsche Telekom

Deutsche Telekom

Konzept: Halbherzige Strategie - Der frühere Telekom-Vorstandschef Ron Sommer wollte aus dem Ex-Monopolisten einen Global Player formen. Alle vier Geschäftsbereiche des Unternehmens, Festnetz (T-Com), Mobilfunk (T-Mobile), Internet (T-Online) und IT-Lösungen (T-Systems), sollten international Flagge zeigen.

Umsetzung: Die Deutsche Telekom  verzettelte sich mit zahlreichen Minderheitsbeteiligungen. Nur im Mobilfunk gelang es dem Konzern, ein nennenswertes Auslandsgeschäft aufzubauen. Vor allem der überteuerte Kauf der US-Mobilfunkfirma Voicestream verhinderte ein stärkeres Engagement der Telekom in Westeuropa.

Erfolgsaussicht: Die Telekom ist mit 64 Milliarden Euro verschuldet. Interimschef Sihler durchforstet jetzt das Portfolio. Gut möglich, dass T-Mobile in den USA mit einem Konkurrenten fusioniert. Erwogen wird auch der Verkauf von Geschäftsbereichen. Nur wenn es gelingt, die Schulden rasch abzubauen, bleibt die Telekom ein bedeutender Spieler.

AT&T

AT&T

Konzept: Gescheiterte Integration - Nach der Deregulierung des amerikanischen Marktes 1996 sollte AT&T  vom führenden US-Festnetzbetreiber zum integrierten Multimediakonzern umgebaut werden. CEO Armstrong wollte im Ortsnetz und im Mobilfunk, im Kabel-TV und im Internet mitmischen sowie ein globales Netzgeschäft betreiben.

Umsetzung: Armstrong kaufte für rund 100 Milliarden Dollar dutzende von Firmen, insbesondere Kabelgesellschaften. Die Versuche, das Kabel zu einem alternativen Telefonnetz umzurüsten, scheiterten an zu hohen Kosten. Der Versuch, zusammen mit British Telecom das globale Großkundengeschäft auszuweiten, schlug ebenfalls fehl.

Erfolgsaussicht: Im Jahr 2000 hatte AT&T 56 Milliarden Dollar Schulden angehäuft. Um die Last der Verbindlichkeiten zu reduzieren, zerlegte Armstrong den Konzern. Das Mobilfunkgeschäft (AT&T Wireless) wurde an der Börse platziert, die Kabelfernsehsparte an Comcast verkauft. Experten stufen AT&T nun als Übernahmekandidaten ein.

Folgekrise: Die Lage der Telko-Ausrüster


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