Deutschland im Test Wissen, Wissen, Wissen

Was bringt unsere Wirtschaft voran? Das Fazit der mm-Serie zum Standort Deutschland fällt eindeutig aus: Um den Anschluss nicht zu verlieren, muss vor allem in die Köpfe investiert werden.

Die Stärke der deutschen Wirtschaft ist gleichzeitig ihre große Schwäche: Sie brilliert in traditionellen Industrien mit niedrigen Wachstumsraten, spielt aber in Zukunftsbranchen bestenfalls eine Nebenrolle.

Ob in Wirtschaft oder Politik: Wir sind die großen Bewahrer. Die spannenden Entwicklungen der vergangenen Jahre - vom Internet über die Biotechnologie bis zum Investmentbanking - trieben andere voran.

Was tun? Der übliche Kanon an Reformvorschlägen lautet: Arbeitsmarkt liberalisieren, Steuern senken, Sozialsystem kappen. Alles richtig.

Aber alles reichlich defensiv. Wirklich helfen kann der Wirtschaft nur eines: Wissen, Wissen, Wissen. Seit Jahren sparen Staat, Bürger und Unternehmen bei den Investitionen in die Köpfe. Die Bildungsausgaben liegen, gemessen an der Wirtschaftsleistung, deutlich unter dem OECD-Schnitt. Hinter Ländern wie Polen oder Portugal erreicht Deutschland gerade Platz 20. Schulen und Universitäten zählen international zum Mittelmaß. Eine fatale Entwicklung.

Die Erfahrung lehrt: Dynamik entsteht an Kristallisationspunkten der Wissenschaft - im Silicon Valley rund um die Stanford University, in der Region um Boston mit der Harvard University und dem MIT, in der Biotech-Szene um die Universität von Tel Aviv, in Oberbayern rund um die Münchener TU und die Ludwig-Maximilians-Universität.

Bildungsausgaben sind am besten angelegt, wenn sie zuvörderst in solche Hightech-Ballungen fließen. Statt wie bisher die Mittel per Gießkanne zu verteilen, ist Konzentration auf die Stärken angebracht. Mit Geld allein ist es aber nicht getan: Schulen und Unis müssen effizienter arbeiten.

"Deutschland ist gut", behauptet der Kanzler. Damit der Spruch wahr wird, bleibt noch viel zu tun.

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