Bücher Einseitig, aber gut

Zwei Neuerscheinungen, die Sie in diesem Monat beachten sollten - und eine weitere, die Sie getrost vergessen können.

Gerade rechtzeitig
Eine deutsche Neuauflage von Milton Friedmans wichtigstem Werk.

Als der Band "Kapitalismus und Freiheit" 1962 in den USA erschien, befasste sich die westliche Wirtschaftspolitik mit Planung und Intervention. Friedman, der am 31. Juli seinen 90. Geburtstag feiert, kritisierte an dieser Politik frühzeitig "den mangelnden Glauben in die Freiheit". In den 80er Jahren wurden die Ideen des US-Ökonomen populär. Heute, da Reformverhinderer und Regulierer den Ton angeben, erscheint Friedmans Werk nach vielen Jahren endlich wieder auf Deutsch. Ein Glaubensbekenntnis - klug, einseitig, provokant. Ein großes Buch.


Womit alle rechnen

Ein Kompendium über die Geschichte der Informationstechnologie.

Vor Urzeiten rechneten die Menschen, indem sie Striche in den Sand ritzten. 1617 entwickelte der Mathematiker John Napier eine neue Methode. Das Prinzip seiner Rechenstäbchen ("Napiers Bones") hielt sich bis ins Computerzeitalter. Was die Menschheit sonst noch alles angestellt hat, um schneller kalkulieren zu können, beschreibt der Wirtschaftshistoriker Herbert Matis akribisch, bisweilen allerdings etwas trocken. Sein Buch ist eine faszinierende Geschichte jenes Geräts, ohne das der moderne Kapitalismus undenkbar wäre: des Computers.


Der gerechte Verriss
mm-Autor Holger Rust ärgert sich über ein verquastes Erbauungstraktat.

Gertrud Höhler verspürt Hunger nach Sinn. Nicht bei sich. Nein - in deutschen Unternehmen. Und so raunt sie der offensichtlich orientierungslosen Führungselite ein Rezept ins Ohr: Sinn-Management. Wie das geht? Work-Life-Balance; mehr Sport treiben, um Glückshormone zu aktivieren; Vertrauen schenken - die ganze Palette von Schlagwörtern und Nichtigkeiten aus den Guru-Seminaren der letzten Jahre.

Kurz: Nichts Neues auf 367 Seiten voller quälender Spruchweisheiten. Das Fazit ist so verquast wie der ganze Text: "Nicht die Herrscher, sondern die Hirten sind die besseren Leader." Niemand, der bis dahin durchgehalten hat, wundert sich, dass am Ende auch noch Jesus als Vorbild für Manager auftritt. Das Buch mutet an wie ein religiöses Traktat aus den 50er Jahren. Die eingestreuten Bildchen im Stil alter Grundschulfibeln verstärken diesen Eindruck nachhaltig.

Höhler, Gertrud: "Die Sinn-Macher. Wer siegen will, muss führen"; Econ, München 2002, 367 Seiten, 25 Euro.