SAP II Rückrufaktion

Trotz Dementi - der USA-Chef muss gehen.

Wütend ließ SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann im Januar 2002 dementieren, was in manager magazin (1/2002) zu lesen war, nämlich dass Amerika-Chef Wolfgang Kemna (44) seinen Posten verlieren werde (siehe: "Großbaustelle in Walldorf").

Fünf Monate später erwies sich, dass die Nachricht stimmte. Das US-Geschäft übernimmt kommissarisch der bisherige Europa-Verantwortliche Leo Apotheker (49). Der avancierte zum weltweiten Vertriebschef und darf nun für die USA einen neuen Mann einstellen. Bis Apotheker den gefunden hat, führt er selbst das US-Geschäft.

Kemna war es in seinen zwei Jahren in den USA nicht gelungen, den Verkauf von SAP-Lizenzen dauerhaft zu steigern. Nach einem Zwischenerfolg 2001 stürzte der Absatz im ersten Quartal dieses Jahres um 28 Prozent ab.

Jetzt soll Kemna "strategische Projekte" betreuen. Dummerweise verlieren die Erzeugnisse, für die Kemna zuständig ist - etwa Software für das Management von Kundenbeziehungen - an Bedeutung. Die Spezialprogramme werden bald zu normalen Bestandteilen der SAP-Standardprodukte. Auch wenn die Konzernführung über attraktive Zusatzaufgaben orakelt: Kemna wird sich wohl über kurz oder lang einen neuen Job suchen müssen.

Den Abstieg des Vertriebsmanagers verursachte allerdings nicht nur die Krise des US-Geschäfts. Kemna ist auch Opfer einer anderen Personalie: Im April rückte Shai Agassi (34), neuer Günstling von SAP-Gründer Hasso Plattner (58), in den Vorstand auf - obwohl der Leiter der Tochter SAP-Portals kaum Umsätze vorweisen kann.

Klar, dass Agassis Beförderung den erfolgreichen Europa-Chef Apotheker düpieren musste. Der hat noch keinen Vorstandsposten und musste deshalb mit einem Aufstieg belohnt werden. Ergebnis: siehe oben.

Im mm-Archiv: SAP - Großbaustelle in Walldorf


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