Montag, 19. August 2019

Hall of Fame 2002 - Laudatio Ulrich Hartmann über Günter Vogelsang

2. Teil: "Das Modell Günter Vogelsang"

Sie selbst lehnen die Bezeichnung "Berufsaufsichtsrat" strikt ab. "Von Beruf kann man Klempner werden, aber nicht Aufsichtsrat", haben Sie einmal gesagt. Und dennoch: Der Aufsichtsrat war für Sie nie nur Mandat, sondern eine Profession und ein Full-Time-Job. Das manager magazin hat Ihnen attestiert, dass Sie "der Prototyp des professionellen Kontrolleurs" seien, eben "das Modell Günter Vogelsang".

Laudator Ulrich Hartmann, Vorstandschef von Eon
Bereits als Corporate Governance noch kein Begriff in Deutschland war, haben Sie funktionierende Kontrolle der Unternehmensführung nicht nur gefordert, sondern gelebt. Ihr Credo lautete: "Die Übernahme einer Führungsaufgabe ist nicht Anspruch auf mehr Macht, sondern Verpflichtung zu mehr Verantwortung."

Sie haben Vorstände durch schwierige Zeiten geleitet, sei es bei Daimler-Benz, bei der Deutschen Bank, im Gerling-Konzern, bei der Ruhrkohle, bei Blohm + Voss, ThyssenKrupp, Dornier oder Diehl. Die Reihe lässt sich weiter fortsetzen.

"Der Karajan der Aufsichtsräte", so hat Sie ein Thyssen-Aktionär einmal genannt. Und auch bei der Veba haben Sie über viele Jahre den Ton angegeben. Sie haben das Unternehmen gemeinsam mit Rudolf von Bennigsen-Foerder erfolgreich durch seine schwierige Lage in den 70er Jahren geführt und grundlegende Weichen für die Veba und den späteren Eon-Konzern gestellt.

Nicht nur in der Industrie war Ihr Rat gefragt, sondern auch in der Politik: In den 80er Jahren berief Sie der damalige Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg in seinen Beraterstab. Die erfolgreiche Privatisierung von Bundesbeteiligungen in dieser Zeit ist sicher auch mit Ihr Verdienst.

Der frühere Bundespräsident Walter Scheel rühmte Ihre Toleranz und Geduld bei Hauptversammlungen, die Sie seiner Ansicht nach zu "vorbildlichen demokratischen Veranstaltungen" gemacht haben.

Im Alter von 72 Jahren haben Sie noch einmal etwas Neues angefangen. Und, wie nicht anders zu erwarten, mit magna cum laude abgeschlossen. Sie haben Ihren Doktor nicht am Anfang der Karriere gemacht, wie es der übliche Weg ist. Manche Doktoranden mögen sich einen beschleunigten Aufstieg versprechen. Ihnen ging es nicht um einen auf diese Weise viel versprechenden Titel. Sie interessierte die reine Wissenschaft - und zwar so sehr, dass Sie der Promotion nach einigen Jahren Ihre Habilitation folgen ließen.

Über der Hall of Fame prangt die Losung: "Gegen Mutlosigkeit und Mittelmaß". Günter Vogelsang zeigt, was damit gemeint ist. Er hat Mut zu außergewöhnlichen Entscheidungen gezeigt. Er ist ein ebenso unkonventioneller wie erfolgreicher Wirtschaftslenker. Und in allem, was er tut, ist es sein Anspruch, der Beste zu sein. Mit ihm wird ein Mann in die Ruhmeshalle der deutschen Wirtschaft aufgenommen, der die Nachkriegsgeschichte mitgeprägt und Maßstäbe gesetzt hat."

Ulrich Hartmann *

* Ulrich Hartmann ist Vorstandsvorsitzender der Eon AG in Düsseldorf. Seine Laudatio auf Günter Vogelsang ist hier in Auszügen wiedergegeben.

Seite 2 von 2

© manager magazin 7/2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung