Mittwoch, 18. September 2019

Hall of Fame 2002 - Laudatio Heinrich von Pierer über Ferdinand Piëch

2. Teil: Die Fähigkeit zum großen Wurf

Dahinter stand ein unbändiger Wille, um nicht zu sagen Besessenheit. In einem Porträt über Ferdinand Piëch habe ich den Satz gefunden: "Piëch ist ein Extremist der besonderen Art."

Laudator Heinrich von Pierer, Vorstandschef bei Siemens und Mitglied im VW-Ausichtsrat
In der Tat hat er gearbeitet wie ein Berserker, und er hat VW aufgemischt.

Für das, was zu tun war, war Ferdinand Piëchs persönliche Unabhängigkeit eine gute Basis. Er selbst hat dazu einmal in einem Interview gesagt: "Ich fühle mich frei, so zu handeln, dass es dem Unternehmen gut geht."

Das ist erreicht. Aber zurück liegt harte Arbeit. Und so unumstritten wie heute war damals nicht jeder Schritt. Es gab auch heikle Phasen, wie zum Beispiel die Auseinandersetzung mit General Motors nach der Verpflichtung von Herrn López.

Und es gab das Erfordernis, immer wieder Einsicht und konstruktives Mitwirken der Betriebsräte und Gewerkschaften zu gewinnen, vor allem bei der Suche nach Lösungsmodellen für mehr Flexibilität. Jüngstes Beispiel das Modell "5000 mal 5000" für Wolfsburg.

Everybody's Darling zu sein ist allerdings nie etwas gewesen, auf das Herr Piëch für sich Wert gelegt hätte. Er ist angetrieben davon, Leistung zu bringen, Höchstleistung als Ingenieur und Unternehmer, auch unter Inkaufnahme von Konflikten.

Man sagt ja, Leute wie Ferdinand Piëch hätten Benzin im Blut. Ich finde die Vorstellung, Benzin im Blut zu haben, eher schrecklich, und das Klischee, ehrlich gesagt, etwas flach. Trotzdem wird es bestimmt weiterleben.

Was einen wie ihn auszeichnet, sind Kompetenz, Genius, Hingabe, Hartnäckigkeit und Leidenschaft. Die Fähigkeit zur Vision und zum großen Wurf, aber auch das Interesse am Detail und die Abneigung gegen alles Halbgare und gegen Kompromisse auf halber Strecke.

Beispiele für Ferdinand Piëchs energischen Willen und seine Kraft, ihn durchzusetzen, sind aus der jüngsten Zeit das DreiLiter-Serienauto, die weltweit anerkannten hochinnovativen Diesel- und Benzindirekteinspritzer-Motoren, die Höherpositionierung der gesamten Marke VW und natürlich das technische und ökologische Glanzstück: das Ein-Liter-Auto. Den Phaeton darf ich auf keinen Fall auslassen. Ob nun eher der Phaeton oder eher das Ein-Liter-Auto die Krönung der Ingenieurskunst ist, das überlasse ich dem Urteil der Fachleute.

VW, Familie, Sport, das seien seine Leidenschaften, hat Ferdinand Piëch einmal gesagt. Wahrscheinlich war die Reihenfolge nicht zufällig, sondern bewusst gewählt.

Es zeichnet die Jury aus, Herrn Piëch für die Aufnahme in die Hall of Fame nominiert zu haben. Er ist dort in hochrangiger Gesellschaft und bereichert sie durch seine Person und sein Lebenswerk."

Heinrich von Pierer *

* Heinrich von Pierer ist Vorstandsvorsitzender der Siemens AG in München. Seine Laudatio auf Ferdinand Piëch ist hier in Auszügen wiedergegeben.

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