Roche Kunstfehler

Warum sich der Pharmariese von seiner Vitamin-Sparte trennen will

Freunden und Geschäftspartnern schickt Roche-Majordomus Fritz Gerber in regelmäßigen Abständen seine Vitamin-Privatmischung zum täglichen Verbrauch. Der Ehrenpräsident des Roche-Verwaltungsrats schwört auf die positive Wirkung seiner ausgeklügelten Kombination. Doch das Deputat wird wohl bald auslaufen.

Verkauf: Roche will die Sparte Vitamine und Feinchemikalien verkaufen oder an die Börse bringen. Der Bereich passe nicht mehr zur angepeilten Fokussierung auf den Gesundheitsmarkt. Zu sehr unterschieden sich die Vitaminkunden - Nahrungs- und Futtermittelkonzerne - und ihre Massenorders von denen der beiden anderen Divisionen Pharma und Diagnostics.

Stagnation: Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Aggressive und sehr effiziente chinesische Wettbewerber setzten dem Weltmarktführer (50 Prozent Marktanteil) bei den Preisen zu. Die Nachfrage wächst nur langsam. Zwei Drittel der Weltproduktion von 250.000 Tonnen gehen in die äußerst preisbewusste Tierernährung.

Sündenfall: Vor allem aber steht das Vitamingeschäft für den größten Sündenfall in der 106-jährigen Unternehmensgeschichte. Die Anstifter von Preiskartellen in den entscheidenden Märkten kamen von Roche. Sie legten in den 90er Jahren gemeinsam mit dem zweitstärksten Anbieter, BASF, und anderen Herstellern Länderquoten und Preise fest.

Strafe: Dabei war die Firma schon vorbelastet. Die Schweizer hatten bereits 1997 in den Vereinigten Staaten für Preisabsprachen bei Zitronensäure 14 Millionen Dollar zahlen müssen. Diese Strafe war ein Taschengeld, verglichen mit den Milliardenaufwendungen für die Vitamin-Geheimbündelei. Die Affäre kostete Roche insgesamt 3,6 Milliarden Schweizer Franken.

Wunde Punkte: Die Stärken und die Schwächen der Roche Holding


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