Montag, 19. August 2019

Neuheiten Edles und Teures

Die Uhren werden immer größer im Format und immer kleiner in der Auflage - Trends und Innovationen der Uhrenmessen in Basel und Genf.

Basel hat sich fein gemacht. Die Straßenränder und Rheinbrücken mit Fahnen und Wimpeln geschmückt. Die Sitzbänke an den Trambahn-Haltestellen mit dunkelblauen Überziehern versehen; auf denen steht: "Welcome".

Hugenotten-Zeitmesser: Die schlichte "Villeret 4040" von Blancpain trägt den Namen des Ortes, an dem einst aus Frankreich vertriebene Protestanten das Uhrmacherhandwerk der Schweiz begründeten.
Und erst die Messehallen. Die Säle, groß wie Flugzeughangars, sind in vornehmes Dämmerlicht getaucht. Wundersame Pavillons wachsen empor, mal in Gestalt eines ägyptischen Tempels, mal wie ein Schiffsleib des Segelzeitalters geformt, mal wie ein Ufo auf Besuch von irgendeinem fernen Planeten.

Dazwischen Areale mit frisch geharktem Wüstensand, aber auch kleine Teiche, an denen weiße Calla-Blüten leuchten. Nicht von ungefähr werden Vergangenheit und Zukunft beschworen: In Basel präsentiert sich die Zeit, dieses flatterhafte Luxusweib, höchstpersönlich, und zwar in ihrer besten Form. Zum dreißigsten Mal findet im April 2002 die Basel-Show statt, die Weltmesse für Uhren und Schmuck.

Die Haute Horlogerie präsentiert sich

Auf mehr als 90.000 Quadratmetern präsentieren sich 2300 Aussteller aus etwa 40 Ländern. Sie zeigen vor versammelten Händlern, Handwerkern und Hostessen, was die Laboratorien der Haute Horlogerie (wie sich die besseren Uhrmacher gern nennen) an Neuem hervorgebracht haben und was im kommenden Herbst in den samtenen Vitrinen der Juweliere liegen wird.

Entsprechend tönt die Begleitmusik: "In dem Maße wie sich die Weltwirtschaft von materiellen zu immateriellen Anlagewerten hinbewegt", philosophiert der Messeführer, "könnten Luxusgüter mit ihrem emotionalen Wert am Ende eine der stabilsten Währungen der Zukunft sein." Tusch.

 Chronograf mit Spitzentechnik: Die "De Ville Co-Axial" von Omega besitzt eine Hemmung, die ihr außergewöhnliche Präzision und Robustheit verleiht - ein Säulenrad-Mechanismus steuert die Genauigkeit der verschiedenen Zeitmesshebel.  Uhrzeit im Bildschirm: Im Stil des Medienzeitalters kommt die "Hampton Spirit" aus der Genfer Manufaktur Baume & Mercier daher - das Zifferblatt gibt sich rechteckig wie ein Monitor.  Zeit im Doppelpack: Die "Tank à Vis" von Cartier, gestaltet nach dem Muster des Klassikers von 1917, verfügt auf einem gemeinsamen Zifferblatt über zwei Zeitanzeigen, ideal für Wanderer zwischen den Welten.  Globalisierungshelfer: Das Automatikmodell "L.U.C GMT" aus dem Schweizer Traditionshaus Chopard besitzt eine zweite Zeitzonenangabe, die dem Unsteten Auskunft über Tag und Nacht in der zweiten Heimat gibt.  Kleine Stunde, große Minute: Nach dem Prinzip des klassischen Regulators, der die Minutenanzeige hervorhebt, hat Gerd-Rüdiger Lang, Inhaber des Münchener Uhrenwerks Chronoswiss, den "Régulateur à Tourbillon" gestaltet.
 Starkes Herz, verrückte Konstruktion: Der Schweizer Uhrmacher Beat Haldimann stellt eine Uhr mit Zentraltourbillon vor, die mit allen Traditionen bricht. Wo sonst die Minutenradwelle das Zifferblatt durchstößt, dreht bei der "H 1" der "Wirbelwind" seine Kreise.  Magisches Quadrat: Die "Collection Golden Square" des Genfer Uhrmachers Roger Dubuis glänzt durch Exklusivität. Von den zehn Varianten der Baureihe gibt es jeweils nur 28 Exemplare.  Mond in Bewegung: Die "Lange 1", Vorzeigemodell aus dem sächsischen Glashütte, hat jetzt eine Anzeige für die Phasen des Erdtrabanten bekommen, die dessen Lauf kontinuierlich aufzeichnet.  Wirbelwind im Goldgehäuse: Die "Classique Grande Complication" aus der Schweizer Manufaktur Breguet hat neben dem kleinen Zifferblatt viel Platz für das Tourbillon.  Nacktmodell: Ohne Hüllen zeigt die "247 Rétrograde" von Vacheron Constantin ihr Inneres - auch den Mechanismus für die Datumsanzeige in der oberen Skala.

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Die Fanfare wird gleichzeitig auch in Genf geblasen. Dort präsentiert der Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH), die Konkurrenzveranstaltung zu Basel, angeführt vom Luxuskonzern Richemont, ebenfalls neue Gehäuse, Zifferblätter und Komplikationen. Erstmals sind hier die Marken Lange & Söhne, IWC und Jaeger-LeCoultre vertreten, vereinigt in dem Nibelungenhort, den Richemont-Chef Johann Rupert für sagenhafte 3,1 Milliarden Schweizer Franken aus dem Rhein gefischt hat - Hinterlassenschaft aus der Vodafone-Mannesmann-Übernahme.

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