Sonntag, 20. Oktober 2019

Klassiker Uhr-Geschichten

Ein Utensil war bei den Aufschwüngen und Abstürzen im vergangenen Jahrhundert immer dabei - die Armbanduhr. Einige Modelle brachten es zu mythischem Ruhm. manager magazin zeigt Uhrenstars von gestern, die bis heute überlebt haben.

Marne, Somme, Ypern, Verdun, im vierten Jahr tobt der Kampf, zwischen den Schützengräben strecken sich Leichenfelder, ein Ende des Schlachtens ist nicht absehbar. Da brechen im Morgengrauen des 20. November 1917 eiserne Ungetüme auf Ketten aus den britischen Linien bei Cambrai hervor, 400 Stück. Und walzen die Pickelhauben ihnen gegenüber einfach nieder.

Kriegsgefährt als Uhrenvorbild: Nach dem Grundriss der Panzer, die 1917 in der Cambrai-Schlacht eingesetzt wurden, entwickelte der Uhrmacher Louis Cartier in Paris sein berühmtes Modell "Tank"
Ein Anblick, den die Welt noch nicht gesehen hatte, Hoffnung auf ein schnelles Ende des Mordens. So empfand es der Uhrmacher Louis Cartier, der in seiner Manufaktur in Paris den Weltkrieg vor den Toren der Stadt verfolgte. Und setzte dem vermeintlich segensreichen Kampfgefährt ein eigenwilliges Denkmal: Er baute eine Uhr nach dem Grundriss eines Panzers - rechts und links wie Ketten die Gehäusestege, dazwischen Werk und Zifferblatt als Wanne, benannte sie auch nach dem Siegeswagen: "Tank".

Der Franzose schuf mit seiner Uhr das Urmuster für einen andauernden Welterfolg. Und zugleich das Erfolgsrezept für die Vermarktung von Zeitmessern als Kultobjekte.

Im Kampf der Marken um Marktanteile sind echte Traditionen wie fromme Legenden hochbegehrte Werbemittel. Gerade in Zeiten der Rückwärtsbesinnung im Design - Retro heißt die Zauberformel - macht es sich gut, wenn eine Uhrenmanufaktur auf eine lange Geschichte und unverwechselbare Modelle verweisen kann, die mehr sind als bloß Chronometer. Zeit-Zeichen.

Und so benutzen immer mehr Manufakturen ihre Urmodelle aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts als Vorbilder für modifizierte Neuauflagen.

Wie etwa das Genfer Unternehmen Patek Philippe, das immer noch Varianten der klassischen "Calatrava" im Programm führt. Die geradezu spartanisch anmutende Uhr kam 1932 auf den Markt; damals herrschte tiefste wirtschaftliche Depression, Firmenpleiten häuften sich in nie gekanntem Ausmaß, allein Deutschland zählte sechs Millionen Arbeitslose. Verzicht auf aufwändigen Zierrat brachte ein Modell hervor, das dank seiner Schlichtheit zum Klassiker wurde.

 Große Ziffern für den Flugzeugführer: In den Pionierjahren der Luftfahrt brauchten Piloten, etwa die der Ju 52, zuverlässige, gut ablesbare Zeitmesser. 1936 baute IWC in Schaffhausen für diese Zwecke eine erste Spezialuhr für Flieger, die "Mark IX".  Schlichtes Modell in Zeiten des Darbens: Der Höchststand der Arbeitslosenzahl nach dem Schwarzen Freitag wurde im Jahr 1932 gemessen. In Genf entwarf Patek Philippe das klassisch karge Modell "Calatrava"  Grober Klotz für den Tauchgang im Auftrag der Marine: Als 1938 das italienische U-Boot "Barbarigo" vom Stapel lief, wurden die Unterwasserkämpfer mit der gleichzeitig bei den Florentiner Officine Panerai hergestellten "Radiomir" ausgestattet, später "Luminor" genannt. Ein Modell für die raue See: groß, robust, wasserdicht.
 Mission im Meer der Ruhe: Als im Sommer 1969 erstmals ein Mensch den Mond betrat, hatte er eine fünf Jahre zuvor entwickelte "Speedmaster" von Omega dabei.  Armband mit fünferlei Zeiten vom Pop-Artisten: Aus der Kooperation zwischen Andy Warhol und Movado entstanden seit 1969 Pläne für eine Uhr, die nach dem Tod des Künstlers in 250 Exemplaren realisiert wurde - ein Kultobjekt  Sex und Spiele im Spaßzeitalter: Um an 250 Jahre Geschichte des Hauses Blancpain zu erinnern, legte die Firma 1993, dem Jahr des WM-Sieges von Henry Maske, eine Uhr auf. Mit erotischen Szenen im Stil des galanten Zeitalters, verborgen im Gehäuseboden.

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