Kündigung Rauf und raus

Es trifft auch die Promis. Wie bekannte Unternehmen Knall auf Fall ihre Topmanager gefeuert haben.

Bosch

Bosch-Manager Stephan Rojahn (53) stand kurz vor dem letzten großen Karrieresprung, als er Ende vergangenen Jahres jäh über ein Lieferproblem der Bosch-Tochter Blaupunkt stolperte.

Bosch-Chef Hermann Scholl (66) hatte Rojahn 1999 selbst in die Geschäftsführung des Unternehmens geholt und ihn auserkoren, seine Nachfolge anzutreten. Rojahn, ein Vertreter der "jungen Wilden", wie die jüngeren Topmanager bei Bosch tituliert werden, hatte sich durch erfolgreiche Arbeit auf anderen Posten empfohlen. Auch menschlich harmonierten die Herren prima. Bisweilen wurden sie auf gemeinsamen Inline-Skate-Touren gesehen.

Zum Verhängnis wurde dem Hoffnungsträger, dass Blaupunkt im Sommer 2001 einen imageträchtigen Großauftrag von DaimlerChrysler verlor.

Die Bosch-Tochter sollte die Mercedes-Modelle der E- und S-Klasse mit einer neuen Generation von Navigationssystemen ausrüsten. Doch Blaupunkt konnte die zugesagten Termine nicht einhalten. Ein äußerst peinlicher Vorfall für den Bosch-Konzern, der sich seiner technischen Innovationskraft rühmt. DaimlerChrysler vergab den Auftrag kurzerhand an einen Konkurrenten.

Dieses Missgeschick verzieh Bosch-Chef Scholl seinem Nachfolger in spe nicht. Er feuerte Rojahn.


Clearstream

Ein besonders bizarres Beispiel für einen unrühmlichen Abgang liefert das Luxemburger Unternehmen Clearstream, das Anfang 2000 aus der Fusion von Cedel und Deutsche Börse Clearing entstand. Clearstream wickelt über mehr als 15.000 Verrechnungskonten grenzüberschreitende Wertpapiergeschäfte für Großkunden ab.

Der ehemalige Clearstream-Chef André Lussi (51) geriet im Mai 2001 just zu jenem Zeitpunkt in die Schlagzeilen, als die Deutsche Börse AG Clearstream übernehmen wollte.

Lussi, der 13 Jahre für Clearstream gearbeitet hatte und als Kritiker eines Zusammenschlusses mit der Deutschen Börse galt, sah sich plötzlich mit dem Vorwurf der Geldwäsche konfrontiert. Die Anschuldigungen beruhten auf einem in Finanzkreisen umstrittenen Buch des Ex-Clearstream-Managers Ernest Backes.

Gleichwohl fand die Luxemburger Staatsanwaltschaft genug Anhaltspunkte, um gegen den Clearstream-Chef zu ermitteln. Auf Grund dieser Ermittlungen wurde Lussi seines Amtes enthoben.

Einige Monate später erklärten die Justizbehörden, dass sich keine Beweise für eine systematische Geldwäsche ergeben hätten. Lussi und Clearstream lösten das Vertragsverhältnis dennoch "in beiderseitigem Einverständnis". Lussi soll eine Abfindung in Höhe von mehreren Millionen Euro erhalten haben.

Profitiert hat von den Vorgängen die Deutsche Börse. Sie steht inzwischen kurz davor, Clearstream vollständig zu übernehmen. Gelingt dies, ist sie die weltweit einzige Börse, die einen Komplettservice inklusive der Abwicklung von Wertpapiergeschäften anbietet.


BMW

Nach dem Desaster mit der Rover-Übernahme wurde Joachim Milberg (59) überraschend neuer BMW-Chef. Seine Vorstandskollegen Carl-Peter Forster (48, Produktion), Wolfgang Ziebart (52, Entwicklung) und Henrich Heitmann (60, Vertrieb) waren jedoch in vielen Dingen anderer Meinung. Weil Milberg ohnehin seine eigenen Leute installieren wollte, stellte er die Vertrauensfrage: die oder ich. Aufsichtsratschef Volker Doppelfeld schmiss kurzerhand alle drei Vorstände raus. Im Abstand von 15 Minuten ließ er sie in sein Büro kommen und teilte ihnen mit, dass sie mit sofortiger Wirkung entlassen seien.

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