Arbeitsrecht Fiese Tricks

Mit welchen Kniffen manche Manager versuchen, ihre Abfindung in die Höhe zu treiben. Fünf Fälle aus der Praxis.
Von Stefan Röhrborn

1. Kunden vor den Kadi

Vertriebschef Reiner Kurz* erfuhr, dass ihn sein Unternehmen, ein großer Konsumgüterhersteller, wegen angeblich unzureichender Leistungen loswerden wollte.

Kurz teilte seinem Arbeitgeber daraufhin mit, dass er jederzeit in der Lage sei, die Güte seiner Leistungen durch Aussagen von Kunden zu untermauern. Im Falle eines Gerichtsverfahrens würden diese Kunden als Zeugen auftreten. Um einen Imageschaden abzuwenden, verzichtete der Konzern auf einen Prozess und gewährte dem Vertriebsmann eine satte Abfindung.

2. Spesenbetrug nachweisen

Unkorrekte Spesenabrechnungen können zur fristlosen Entlassung führen. Die Kündigung lässt sich vermeiden, wenn der Manager seinem Vorgesetzten ebenfalls Spesenunregelmäßigkeiten nachweisen kann.

So ging Claudia Vollmer* vor, Prokuristin in einem Großhandelsunternehmen. Vollmer sollte wegen Spesenbetrugs gefeuert werden. Die Prokuristin konterte, sie habe nach Dienstreisen mit ihrem Chef den Eindruck gewonnen, dass dieser unsauber abrechne. Dies werde sicherlich die Wirtschaftsprüfer interessieren.

Das Handelsunternehmen stimmte einer Vertragsauflösung zu und zahlte die Managerin aus.

3. Flucht in die Hauptversammlung

Georg Sander*, Personalmanager eines am Neuen Markt notierten Unternehmens, geriet kurz vor der Hauptversammlung unter Druck. Der Vorstand wollte ihn wegen angeblich schlechter Arbeit loswerden und durch den Bruder des Vorstandsvorsitzenden ersetzen.

Sander kündigte an, er werde beim Aktionärstreffen öffentlich machen, dass der Vorstand diesen Bruder bei der Zuteilung von Firmenanteilen im Friends-and-Family-Programm rechtswidrig begünstigt habe.

Sanders Vorwürfe wären in der Kürze der Zeit kaum zu widerlegen gewesen. Die Entlastung des Vorstands schien gefährdet. Sander kassierte eine erhöhte Abfindung.

4. Rettung auf die Teilzeitstelle

Das Teilzeit- und Befristungsgesetz gilt auch für leitende Angestellte. Diese Regelung nutzte der bei einer deutschen Großbank beschäftigte Controller Claus Thieme*.

Als Thieme von seiner bevorstehenden Entlassung erfuhr, beantragte er eine Arbeitszeitverkürzung auf 32 Stunden. Eine Kündigung mit der Begründung, der Arbeitnehmer wolle seine Arbeitszeit verringern, ist nach dem neuen Gesetz nichtig.

Da die Bank andere Kündigungsgründe nur mit viel Aufwand hätte nachweisen können, bestand das Risiko, dass sie in einem Rechtsstreit unterliegen würde. Folge: Das Geldinstitut zahlte eine gute Abfindung.

5. Amt für Arbeitsschutz informieren

Marketingmanagerin Andrea Fritz* arbeitete in einem Dienstleistungsunternehmen der IT-Branche. In der Firma fielen regelmäßig massiv Überstunden an.

Als Fritz gekündigt werden sollte, drohte sie damit, das Amt für Arbeitsschutz zu benachrichtigen. Das Amt kann einschreiten, wenn in einem Unternehmen regelmäßig mehr als 48 Wochenstunden gearbeitet und damit gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen wird. Die Behörde ahndet angezeigte Verletzungen mit Bußgeldern, im Wiederholungsfall sogar mit Geld- oder Freiheitsstrafen. Fritz' Drohung bescherte ihr eine nennenswerte Summe - zusätzlich zur angebotenen Abfindung.

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