Spaß-Trip Residenzen für Ruhepausen

Wohin, wenn ein langes Wochenende zu Naturerlebnis, Gesundheitspflege und Gaumenfreuden lockt? manager magazin hat sich umgesehen und stellt fünf Resorts zum Ausspannen jenseits der Großstadt vor.
Von Horst-Dieter Ebert

Sommerfrische war gestern, heute ist Wochenende: Der Urlauber von einst fuhr zur Kur, mit großen Koffern und für etliche Wochen; heute verreist er eher über das verlängerte Wochenende.

Die Kurzreise ist derzeit die einzige Urlaubsform mit Steigerungsraten - der aktuelle Reisetrend heißt, so hat die jüngste Tourismusanalyse ermittelt, "näher, weniger und kürzer".

Die Deutschen, jahrelang als Reiseweltmeister auf allen Langstrecken zu Hause, entdecken ihr eigenes Land wieder; fast zwei Millionen mehr wollen in diesem Jahr zwischen Nordsee und Alpen urlauben. Der auch in Krisenzeiten stets unverdrossen optimistische Freizeitforscher Horst Opaschowski ("Die Reiselust wurde weder gestoppt noch dauerhaft gebremst") hat der neuen Struktur des Reisemarktes denn auch gleich einen Namen verpasst: "vom Wohlstands- zum Wohlfühltourismus".

Zum Wohlfühlen gehören für ihn vage Kriterien wie "Gemütlichkeit und Geborgenheit", doch auch messbare Hotelqualitäten wie Service, Kulinarik und - "Gebot der Stunde" - Wellness: "Das Wohlfühlen, das von innen kommt, wird als gangbarer Weg zum Wohlbefinden gewählt."

"Natur, Landschaft, Aussicht"

Deutschlands schönste Wohlfühlhotels liegen in der Provinz, nicht in den Metropolen. "Kein Wunder", kommentiert der Wiener Christian Werner, der sie in einem ersten "Relax-Guide" für Deutschland aufgelistet hat, "die Urlauber wollen auch Natur, Landschaft, Aussicht." Mithin das Hotel-Gesamtkunstwerk: köstliche Gastronomie und alle Gesundheits- und Schönheitsbenefits sowieso.

Auch wer sich ohne Arbeit nicht erholen kann, wer also nach der probaten Managerformel "Business and Pleasure" lebt, ist nicht verloren: Längst hat moderne Technik den Weg in die modernen Rekreationsstätten gefunden - vom Fax bis zum Internet-Zugang wird alles geboten, was kreativem Schaffen helfen kann.

Allerbeste Erholungsbedingungen finden sich etwa im Schwarzwald, in Baiersbronn, im "Hotel Bareiss". Die Stuben und Restaurants reflektieren jenes anheimelnde Kuckucksuhrdesign, das die regionale Folklore unerbittlich erheischt. Eigner und Namensgeber Hermann Bareiss nennt das Landhausstil, und der reicht bei ihm von bayerischem Barock bis zum Biedermeier, alles dekoriert mit einem verschwenderischen textilen Faltenwurf, der Laura Ashley neidgelb gemacht hätte.

Raffinierte Wohlfühl-Angebote

Rekreaktionswelt auf 2400 Quadratmeter

Das "Bareiss" ist 50 Jahre alt und hat entsprechende Jahresringe angesetzt. Der Pool wurde zu einer Zeit gebaut, als für solche Einrichtungen noch öffentliche Badeanstalten als Vorbild galten. Doch wer sich durch den so genannten Strömungskanal des dampfenden Meerwasser-Erlebnisbades ins Freie strudeln lässt, vorbei an den Bäumen im Park, dem geht spätestens jetzt auf, was Wohlfühlglück bedeutet.

Die ganze Rekreationswelt erstreckt sich über 2400 Quadratmeter. Das ist dreimal so viel wie beim als höchst luxuriös geltenden "Adlon Spa" in Berlin und könnte Rekord sein, wäre da nicht, sechs Kilometer weiter im Ortsteil Tonbach, der Hotelier Heiner Finkbeiner, der sich zu Bareiss verhält wie Castor zu Pollux, eine Art Zwilling, seelenverwandt, doch in stetiger Konkurrenz.

Seit 20 Jahren wetteifern das "Bareiss" und Finkbeiners "Traube Tonbach", ebenfalls ein Familienbetrieb mit Anfängen im Jahr 1789, um die Gunst der Gäste im schwarzen Wald. Beide gehören zur Spitzenklasse der deutschen Kurhotellerie, mit hochkarätiger Gastronomie (drei und zwei Michelin-Sterne), opulenten Suiten und allen raffinierten Angeboten für Sport, Spiel, Schönheit. Mit Wasserspielen und Gesundbrunnen, mit dem ganzen Wellness-Repertoire eben.

Fast 300 Jahre alter Prachtbau

Kurhotel wollen beide schon lange nicht mehr genannt werden, das klingt ihnen zu altmodisch. Das Ex-"Kurhotel Mitteltal" heißt schon lange nur noch "Bareiss", in Tonbach propagiert man gern den Begriff "Lebensfreude- und Genusshotel".

In Bergisch-Gladbach, nur ein paar Autominuten von Köln, stehen ebenfalls zwei attraktive Spitzenhotels: Der vor fast 300 Jahren begonnene Prachtbau des "Schlosshotels Bensberg" hält festliche Säle für Bälle und Bankette bereit und beherbergt einen 1000 Quadratmeter großen Wellnessbereich der Extraklasse.

Zu Bensberg gehört auch das benachbarte "Schlosshotel Lerbach", seit zehn Jahren fast ein Hideaway in einem kleinen verwunschenen Park. Sein "Restaurant Dieter Müller" ist einer der fünf deutschen Drei-Sterne-Tempel. Beide Hotel-Schlösser zählen zu der kleinen, feinen Luxushotel-Kollektion des Kölners Thomas Althoff (auch Stuttgart, Düsseldorf, Monaco, St. Tropez) - einer der letzten Hotelbetreiber in Deutschland, der auf höchstem Niveau internationalen Multis wie Ritz-Carlton oder Four Seasons Paroli bietet.

Die neue Wellness-Kathedrale

Die neue Wellness-Kathedrale

Althoff bietet eine gelungene Mischung aus Privatheit (nur drei seiner acht Häuser haben mehr als hundert Zimmer), Individualität (alle Hotels sind historische oder architektonisch besondere Bauwerke), anspruchsvoller Gastronomie und Wellness.

Der wohl aufsehenerregendste Neubau wurde in Rottach-Egern am Tegernsee errichtet: Auf den Fundamenten des historischen "Gasthofs zur Überfahrt" von 1873 entstand eine verhalten moderne Kathedrale für Wellness und Wohlleben; immerhin modern genug, um konservative Anrainer zu verschrecken.

Die alte "Überfahrt" zählte unter ihre Hausgötter die Heimatschriftsteller Ludwig Ganghofer und Ludwig Thoma, später verkehrten immerhin noch Franz-Josef Strauß, Wienerwald-Jahn und ihre Entourage im oberbayerischen Traditionshaus am pittoresken See.

Rekordaufwändige Luxusherberge

1991 wurde die Herberge geschlossen, im vergangenen Jahr öffnete das neue "Seehotel Überfahrt" als stolzes "Grandhotel für das 21. Jahrhundert" und ganz im Stil der neuen Prächtigkeit: viel Marmor, Glas und Messing, Spiegel und schwere Textilien; die Farben satt, die Proportionen großzügig; es ist jenes erkennbar teure und internationale Design, das heutzutage zwischen Singapur und San Francisco überall erfolgreich ist; nur die folkloristisch dekorierte "Bayernstube" mit anspruchsvoller regionaler Küche beweist Bodenhaftung.

Das "Überfahrt" hat seine Erbauer rund 165 Millionen Euro gekostet. Bei 189 Zimmern sind das rund 900.000 Euro pro Raum; damit avancierte es zum teuersten Hotel Deutschlands, das "Adlon" in Berlin hatte rund 600.000 Euro pro Zimmer aufgewendet.

Die Dorint-Gruppe ist guten Mutes, die rekordaufwändige Luxusherberge irgendwann profitabel zu machen - dank der Wohlfühlangebote. "Für die meisten Gäste ist das Spa schon heute die größte Attraktion", sagt Hoteldirektor Henry Hunold. Den schönen Blick auf See und Berge gibt es gratis dazu.

Adressen und Kontakte

Adressen und Kontakte

"Hotel Bareiss"
Gärtenbühlweg 14
72270 Baiersbronn-Mitteltal
Tel.: 0 74 42/4 70
Fax: 0 74 42/4 73 20
Ab 122 Euro pro Person im Doppelzimmer.
www.bareiss.com 

"Traube Tonbach"
Tonbachstraße 237
72270 Baiersbronn-Tonbach
Tel.: 0 74 42/49 20
Fax: 0 74 42/49 26 92
Ab 96 Euro pro Person im Doppelzimmer.
www.traubetonbach.de 

"Grandhotel Schloss Bensberg"
Kadettenstraße 2
51429 Bergisch-Gladbach
Tel.: 0 22 04/42 19 70
Fax: 0 22 04/42 19 73
Doppelzimmer ab 209 Euro.
www.schlossbensberg.de 

"Schlosshotel Lerbach"
Lerbacher Weg
51465 Bergisch Gladbach
Tel.: 0 22 02/20 40
Fax: 0 22 02/20 49 40
Doppelzimmer ab 201 Euro.
www.schlosshotel-lerbach.de 

"Dorint Seehotel Überfahrt"
Überfahrtstraße 10
83700 Rottach-Egern
Tel.: 0 80 22/66 90
Fax: 0 80 22/6 69 10 00
Doppelzimmer ab 230 Euro.
www.dorint.de/tegernsee 


Baden-Baden: Die Suche nach ewiger Jugend Interview: Sportmediziner Hollmann über Wellness Lektüre: Buchtipps zu Bädern und Wellness

Verwandte Artikel