Coaching Hilfreiche Geister

Jeder braucht gelegentlich professionelle Unterstützung im Beruf. Lesen Sie, wie ein guter Coach arbeitet. Und wie Sie vermeiden, auf Scharlatane hereinzufallen.

Wenn wir lernen wollen, kleine weiße Bälle auf möglichst elegante Weise in ferne grüne Löcher zu versenken, geben wir einen Haufen Geld für einen professionellen Trainer aus. Und wenn der sich für einen kurzen Moment an der Bar zu einem Glas Champagner einstellt und gnädig in die Runde grüßt, heißt es stolz: "Mein Coach".

Wenn aber nahe liegende berufliche Weichenstellungen zu bewältigen sind, wälzen wir uns nächtelang rat- und schlaflos hin und her und treffen dann eine vielleicht gar nicht so elegante, auf jeden Fall aber einsame Entscheidung. Natürlich blitzt der Gedanke auf, auch hier einen Spezialisten zu engagieren und das Problem einmal durchzusprechen: einen Karriere-Coach. Doch sofort quält die Frage, was die anderen zu solcherart Hilfestellung sagen werden.

Viele werden gar nichts sagen. Sie tun es längst.

Setzen Sie sich also über Ihre Vorurteile hinweg. Coaching ist eine moderne Wissensdienstleistung.

Zugegeben: Es ist nicht leicht, einen guten persönlichen Coach zu finden. Doch manager magazin hilft Ihnen. Wir präsentieren Ihnen Methoden und formulieren einige Fragen, mit denen Sie die wenigen Profis aus der Schar der Dilettanten herausfiltern können.

Wenn das noch nicht reichen sollte, schauen Sie mit uns mal kurz durchs Schlüsselloch. Sie werden sehen: Coaching kann sogar Spaß machen - und es ist nicht viel teurer als ein aufwändiger Kurs im Bälleversenken.

Was Ihnen ein Coach bringt

Was Ihnen ein Coach bringt

Vor kurzem hat die Frankfurter Beratungsfirma Böning Consult die Szene in Augenschein genommen und Personalverantwortliche in 109 Unternehmen aus elf Branchen befragt, ob sie Coaching nutzen. Das Ergebnis war überraschend: In 85 Prozent der befragten Unternehmen gehört Coaching mittlerweile zu den selbstverständlichen Karrieredienstleistungen. Und das nicht nur bei zittrigen Nachwuchskräften, die mal anonym ein Händchen halten wollen, bevor es richtig losgeht mit der Karriere. Fast 90 Prozent aller Coachinganfragen stammen von Führungskräften.

Der immer häufiger geäußerte Wunsch nach einem Coach hat mit der zunehmenden Leistungsverdichtung und der unablässigen Veränderung der Arbeitsbedingungen zu tun. In diesem hektischen Umfeld ist es vielen Managern ein Anliegen, die eigene Perspektive mit der Sicht von Menschen zu konfrontieren, die außerhalb des Geschäfts stehen, aber die Zusammenhänge trotzdem beurteilen können.

Coaching, sagt Peter Hartz, Personalvorstand des Wolfsburger Volkswagen-Konzerns, basiere auf der Überzeugung, dass jeder der gut sei, noch besser werden könne.

Wie Sie Dilettanten umgehen

Wie Sie Dilettanten umgehen

Die Suche nach guten Anbietern gestaltet sich oftmals schwierig. Da Coaching ein Kommunikationsprozess ist, der keiner starren Regel folgt, entfaltet sich ein wunderbares Biotop für unprofessionelle Sumpfblüten mit allerlei dubiosen Psychorezepturen.

Christine Kaul, die bei VW das Geschäftsfeld Coaching leitet, hat mit ihrem fünfköpfigen Team in den vergangenen vier Jahren etwa tausend Bewerber auf ihre Eignung geprüft. Nur 120 empfahlen sich für die harten Anforderungen des Autokonzerns.

So kann von Glück reden, wer in einem Unternehmen wie VW arbeitet, wo fachkundige Kollegen die Vorauswahl der Coaches übernehmen. Genießen Sie diesen Vorzug nicht, müssen Sie sich also selbst auf die Suche begeben, dann sollten Sie Ihre Anfrage zuerst an die entsprechenden Verbände richten - oder an eines der wirklich guten kommerziellen Institute (siehe: "Wo Sie einen guten Coach finden").

Wie Sie Ihren Coach auswählen

Wie Sie Ihren Coach auswählen

Egal ob Verbände oder die Coaching-Abteilung von VW - sie alle unterwerfen die Personen, die sie empfehlen, harten Audit-Verfahren. Diese Prüfungen basieren auf vier Kernkriterien, die jeder, der einen Coach sucht, in Fragen zum eigenen Qualitätscheck potenzieller Coaches übersetzen kann:

Persönliche Ausstrahlung: Gefällt mir die Person? Zeigt der Mann oder die Frau Sicherheit im Auftreten, vermitteln sie ein klares Selbstbild? Werden sie einen Konflikt mit mir konstruktiv austragen?

Sozialkompetenz: Berücksichtigt der Coach im Vorgespräch, in welchem Kontext ich arbeite? Bemüht er sich um ein ganzheitliches Verständnis meiner konkreten Situation? Bezieht er eventuelle Kollegen mit ein? Berücksichtigt er die private Situation?

Fachwissen: Welche Ausbildung hat die Person? Besucht mein Coach qualifizierte Weiterbildungsveranstaltungen? Unterwirft er sich regelmäßig einer Supervision, um eventuell eigene Scheuklappen erkennen zu können?

Professionelle Erfahrung: Hat der Coach in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet? Bekomme ich Informationen über die Gesprächsmethoden? Schlägt er ein überschaubares zeitliches Arrangement und eine begründete Prognose der zu erwartenden Kosten vor?

Wie ein Coach arbeitet

Wie ein Coach arbeitet

Odile Marquardt* (38) bereitet eine Präsentation vor, die sie vor einem wichtigen Kunden halten muss. Leider gibt es eine Hürde: Sie kann den Kunden nicht leiden. So engagiert die Vertriebsmanagerin einen Coach. Mit ihm will sie ihren Auftritt einüben.

Nach mehreren Sitzungen stellt der Coach fest: Trotz aller Verstellung sendet Odile Marquardt negative Signale, ohne dass ihr dies auffällt. Kurzerhand ändert der Coach die Linie des Gesprächs. Nicht mehr die Präsentation steht auf der Tagesordnung, sondern ein Wertkonflikt: Die junge Frau will den Kunden als Chance für ihre Karriere nutzen, ist aber nicht bereit, ihre Abneigung zu überdenken.

Dieses Dilemma führt zu fortwährender Verkrampfung, die sich für Odile Marquardt unbemerkbar, aber für Außenstehende irritierend in einer starren Präsentation niederschlägt. Die Starre löst sich erst, als Odile Marquardt den Vorschlag des Coaches aufnimmt, den ungehobelten Kunden als strategischen Partner anzuerkennen und zu behandeln. Gemeinsam werden nun die positiven Seiten der Beziehung herausgearbeitet. Die Präsentation läuft danach fast wie von selbst.

* Name von der Redaktion geändert.

Was ein Coach kostet

Was ein Coach kostet

Ein guter Coach verlangt im Schnitt 250 Euro pro Stunde bei einem Aufwand von 10 bis 15 Stunden. Vorgespräche werden nicht in Rechnung gestellt. Bei längeren Arrangements sind individuelle Vereinbarungen denkbar.

Dreitausend Euro - das ist nicht gerade wenig. Daher drängt sich die Frage nach dem Ertrag auf. Was ist, wenn Sie sich hinterher nicht besser fühlen? Dann haben Sie ein Problem: Ein Coaching-Vertrag beinhaltet nämlich keine Erfolgsklausel.

Es könnte aber auch sein, dass Sie gar kein Problem haben: Wenn Sie kopfschüttelnd zu der Überzeugung kommen, Sie hätten den Coach überhaupt nicht gebraucht, hat offensichtlich ein Profi das getan, was seine Aufgabe ist - die erträgliche Leichtigkeit des Seins zu vermitteln und sich selbst überflüssig zu machen.

Service: Wo Sie einen guten Coach finden Bücher: Was Coaching nützt


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