Steueroasen Scharfe Kontrolle

Mit mobilen Kommandos und rüden Methoden machen Zollfahnder und Finanzbeamte Jagd auf Steuerflüchtlinge. manager magazin sagt, womit Sie rechnen müssen - und wie Sie Schwarzgeldfallen meiden.
Von Jonas Hetzer und Dietmar Palan

Eingebettet in ein pittoreskes Alpenpanorama, führt die Walserstraße von Oberstdorf im Allgäu ins österreichische Riezlern. Etwa zehn Autominuten dauert die Fahrt durch urbayerische Dörfer, in denen die Zeit seit Jahren stillzustehen scheint.

Vom Ortseingang Riezlern sind es nur noch wenige hundert Meter bis zum Stern-Einkaufszentrum. Über die Tiefgarage des Neubaus gelangt man durch einen Drogeriemarkt in wenigen Schritten zum Fahrstuhl. Ein unauffälliger Hinweis neben dem Knopf für die erste Etage weist den Weg: Raiffeisenbank Kleinwalsertal.

Die Tür zum Lift öffnet sich geräuschlos. Die freundliche Dame am Empfang reicht ein Stück Papier und einen Stift: "Bitte schreiben Sie mir Ihr Kennwort auf."

Der Grund für den Besuch des diskreten Geldinstituts ist eine Kontoeröffnung. Eine Summe von 300.000 Euro in bar steht zur Einzahlung bereit. Kapital, das die Banker möglichst sicher anlegen sollen. Sicher vor allem vor den deutschen Finanzbehörden. Hans Eichels Steuermaschinerie darf von dem Geld nichts erfahren.

Nach der Identifizierung geht es vorbei an der Espressobar und der Ruhezone in einen der 20 Beratungsräume. Aus versteckten Lautsprechern plätschert entspannende Musik. Die Ausstattung wirkt dezent ­- streng an den Regeln der fernöstlichen Feng-Shui-Lehre ausgerichtet.

"Sie genießen bei uns absolute Diskretion und Vertraulichkeit", versichert der Kundenbetreuer. Eine elegante Umschreibung für die speziellen Vorzüge einer Geldanlage im Alpenstaat. Fragen zur Herkunft des Geldes stellt er nicht. Keine Behörde -­ weder in Österreich noch in Deutschland ­- wird, so die verklausulierte Botschaft, jemals von dem Konto erfahren.

Andere Banken in der Steueroase Kleinwalsertal gehen noch weiter. Sie helfen ihrer wohlhabenden ausländischen Klientel gern auch mit praktischen Tipps. Eine Mitarbeiterin rät: "Lassen Sie den Pkw in Oberstdorf stehen, und nehmen Sie den Bus, der direkt vor unserem Haus hält. Den hat der Zoll noch nie kontrolliert."

Ein Service, wie ihn viele deutsche Anleger schätzen ­nicht nur im Kleinwalsertal. Ihr Kapital liegt in Liechtenstein, in der Schweiz oder an anderen verschwiegenen Bankplätzen wie den britischen Kanalinseln oder Andorra.

Gut 300 Milliarden Euro, so schätzt die Deutsche Steuergewerkschaft, haben Deutsche illegal in Steuer-oasen rund um den Erdball gebunkert. Mindestens sechs Milliarden Euro entgehen Finanzminister Hans Eichel jährlich durch die verborgenen Auslandskonten.

Die Versuchung, Geld ins Ausland zu schaffen, ist nach wie vor riesig. Doch das Risiko ist nicht zu unterschätzen. Wer dem deutschen Fiskus sein Auslandskapital verschweigt, muss mit hohen Nachforderungen und drastischen Strafen rechnen.

Vorsicht, Steuerfahnder

Die Gefahr, erwischt zu werden, ist seit Anfang der 90er Jahre dramatisch gestiegen. Vor allem die Großfahndungen gegen die Luxemburg-Connection der deutschen Banken haben dazu geführt, dass Zollbehörden, Grenzschützer und Steuerfahnder zu einer schlagkräftigen Einheit zusammenwachsen.

Verstärkte Bargeldkontrollen an den Grenzen geben zwar das Ziel vor, Schwarzgeld von Drogenbanden und Zuhälterringen aufzuspüren. Ins Netz gehen den Fahndern aber vor allem Zahnärzte, Handwerker oder Unternehmensberater, die unversteuerte Einkünfte ins Ausland bringen.

Die gesetzlichen Grundlagen stammen teilweise aus den 70er Jahren damals entwickelt zur Abwehr terroristischer Organisationen wie der Roten Armee Fraktion.

Dass mit diesen Paragrafen heute nach Steuerflüchtlingen gefahndet wird, passt ins Bild. Mit enormem Druck versuchen Europäische Union und OECD derzeit die kleinen Offshore-Staaten dazu zu bringen, ihr Bankgeheimnis zu lockern.

Auf diese Weise sollen die Geldströme von Terrororganisationen wie Osama Bin Ladens al-Qaida nachvollziehbar werden. Die Antiterror-Allianz ist für die Regierungen der Hochsteuerländer allerdings auch ein hochwillkommener Vorwand.

Langfristig wollen sie die Zugeständnisse der Steueroasen bei der Verbrechensbekämpfung dazu nutzen, den eigenen Steuerbehörden den Zugriff auf die diskreten Konten der Zufluchtsländer zu ermöglichen.

Schwierige Zeiten für Anleger, die bei ausländischen Banken vor allem Schutz vor den Finanzbehörden suchen. manager magazin zeigt:

Drakonische Strafen drohen

  • wie der Gesetzgeber schon heute den Weg in die Steueroasen verbaut;


  • mit welchen Tricks die Steuerfahnder arbeiten;


  • wie Anleger aus der Schwarzgeldfalle herauskommen.

Drakonische Strafen drohen

Die Summe von 300.000 Euro macht Herrn Eisenring stutzig. "Sie müssen uns schon Belege zeigen, woher das Geld stammt", ziert sich der Berater der Credit Suisse in Zürich.

Noch vor ein paar Jahren wäre kein Schweizer Bankier auf die Idee gekommen, derart absurde Nachforschungen anzustellen. Aber die Zeiten, als eidgenössische Geldleute kofferweise Bares ohne Nachfragen auf Nummernkonten und in geheime Depots umleiteten, sind passé.

Der Druck von OECD und EU ist auch in der Züricher Bahnhofstraße, dem verschwiegenen Zentrum der Schweizer Finanzindustrie, zu spüren. Eifrig sind die Geldhäuser darum bemüht, den Schein zu wahren. Mit Schmiergeld oder dem Gewinn aus Drogengeschäften will hier keiner etwas zu tun haben.

Mehr als eine Fassade scheinen die besorgten Nachfragen allerdings noch nicht zu sein. Eine plausible Geschichte genügt, und schon steht der diskreten Geschäftsbeziehung nichts mehr im Wege.

Ob das deutsche Finanzamt von der Existenz des Geldes weiß, interessiert in Zürich ohnehin niemanden. "Liegt keine Straftat vor, verbietet es uns das schweizerische Bankgeheimnis, den Steuerbehörden Auskunft zu geben", beruhigt Bankier Eisenring eilfertig.

Diese Versicherung genügt den meisten Anlegern schon, um Bedenken und Gewissensbisse wegzuwischen. "Dabei dürfte klar sein, dass sie mit dem Schweizer Schlagbaum auch den Bereich der Legalität hinter sich lassen", sagt Sven Riemenschneider, Hamburger Partner der Rechtsanwaltskanzlei Harrman Hemmelrath.

Neu ist das nicht. Seit der Verabschiedung des Außensteuerrechts Anfang der 70er Jahre wurde systematisch nahezu jede Möglichkeit abgeschafft, legal von den Niedrigsteuern jenseits der deutschen Grenzen zu profitieren.

Anlegern, die dennoch der Versuchung nachgeben, drohen drakonische Strafen. Ganz gleich, ob Bundesbürger Stiftungen in Österreich errichten, einen Trust auf den britischen Kanalinseln gründen oder ihr Vermögen von einer Firma auf den niederländischen Antillen verwalten lassen ­ sobald die deutschen Steuerbehörden von der Flucht erfahren, ist das Geld weg.

Die Blockade der Oasen

Die Blockade der Oasen

Wer etwa eine Million Euro in einer Liechtensteiner Stiftung unterbringt und sich dabei erwischen lässt, muss schnell 1,2 Millionen Euro an Steuern und Strafgeldern zahlen.

Bis auf wenige Ausnahmen (siehe: "Fluchtwege") gibt es deshalb nur einen legalen Ausweg: die Emigration.

Doch selbst Steuerexilanten sind vor dem deutschen Fiskus nicht sicher. Jeder, der hier zu Lande eine Zweitwohnung besitzt, sonstiges Immobilienvermögen behält oder in der alten Heimat arbeitet, muss in Deutschland Steuern zahlen. Den Einwand, dass man den Großteil seiner Zeit doch in Monaco oder auf den Bahamas verbringe, lassen deutsche Finanzbeamte nicht gelten (siehe: "Der Weg ins Steuerexil".

Für Unternehmer sind die Grenzen besonders undurchlässig ­zumindest wenn sie abwandern, aber gleichzeitig ihre Firma behalten wollen. In solchen Fällen schlagen die Finanzämter besonders gnadenlos zu: Sie nehmen einfach an, dass die Firmeninhaber ihre Aktien oder GmbH-Anteile vor dem Umzug verkaufen, und stellen für den Verkaufserlös, den der Unternehmer tatsächlich nie gesehen hat, einen drastischen Steuerbescheid aus.

Auswandern lohnt sich de facto nur für zwei Bevölkerungsgruppen: wohlhabende Pensionäre und international erfolgreiche Sportstars.

Einer wie Michael Schumacher bleibt in seinem Schweizer Exil Wolfhalden im Appenzeller Land trotz eines geschätzten Einkommens von jährlich 50 Millionen Euro nur aus zwei Gründen vom deutschen Fiskus verschont: Der Formel-1-Weltmeister lässt sich erstens in seiner alten Heimat nur sehr spärlich blicken und hat zweitens hier zu Lande keinerlei Einkommensquellen.

Geschätzter Steuervorteil: rund 25 Millionen Euro jährlich.

Im Netz der Steuerfahndung

Im Netz der Steuerfahndung

Seine Pferde lenkte Paul Schockemöhle stets sicher über jedes Hindernis. Mit seinen Finanzen dagegen hatte der dreimalige Europameister eine weniger glückliche Hand ­ Steuernachzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe zehrten einen beträchtlichen Teil seines stattlichen Vermögens auf.

Die finanzielle Malaise des Pferdezüchters begann Anfang der 90er Jahre mit einer scheinbar brillanten Idee. Zusammen mit dem Liechtensteiner Treuhänder Herbert Batliner gründete Schockemöhle 1991 eine Stiftung mit dem Codenamen "Satyr Foundation". Geschützt durch das Bankgeheimnis des Fürstentums, nutzte Schockemöhle die Stiftung als Briefkastenfirma, über die er jahrelang hohe Summen aus seinem Zuchtbetrieb am deutschen Fiskus vorbeischleuste.

Ein simpler Kündigungsbrief Batliners an einen seiner Mitarbeiter bereitete dem einträglichen Geschäft ein jähes Ende. Mitte 1997 spielte der Geschasste der deutschen Presse die Daten von über 8000 Stiftungen zu. Schockemöhle wurde zu elf Monaten auf Bewährung verurteilt und versucht seither, wenigstens einen Teil seines Geldes auf dem Gerichtsweg von Batliner zurückzubekommen.

Fälle wie der von Paul Schockemöhle häufen sich. Weit reichende Befugnisse der Steuerfahnder und zahlreiche Informationsquellen machen die Flucht vor dem Fiskus zum Abenteuer.

Selbst Banken und Sparkassen zählen zu den Spitzeln der Finanzämter. Seit zehntausende mit Unterstützung ihrer Hausbank immense Summen nach Luxemburg schafften, stehen die Geldhäuser unter Druck. Kooperieren sie und ihre Mitarbeiter nicht mit den Behörden, können sie leicht selbst wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zur Rechenschaft gezogen werden.

Zudem weiten die jüngsten Urteile deutscher Finanzgerichte sowie die Verschärfung des Geldwäschegesetzes die Befugnisse der Finanzbeamten stark aus.

An Hinweisen auf Steuersünder mangelt es nicht. Seit der Zoll die Bargeldkontrollen an den Grenzen und mit mobilen Einsatzkräften verstärkt hat, bekommen die Finanz-ämter kartonweise Material. Einzahlungsbelege schweizerischer Banken, Kontoauszüge österreichischer Geldhäuser, Schecks, Sparbücher und nicht deklariertes Bargeld.

Offiziell treten die Zöllner zwar den Kampf gegen Drogen- oder Schmiergelder an. Tatsächlich aber gewinnen sie bei den Kontrollen überwiegend Erkenntnisse über Steuerhinterzieher.

Der Druck wird weiter wachsen

Der Druck wird weiter wachsen

Fast 40.000 Bargeldkontrollen der Zöllner in Baden-Württemberg, die nahezu die gesamte deutsch-schweizerische Grenze überwachen, führten zu nur sechs Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche. Gleichzeitig fanden die Beamten aber im vergangenen Jahr bei über 600 der durchsuchten Grenzgänger Hinweise auf Steuerhinterziehung.

Und diese Erkenntnisse werden postwendend an die zuständigen Finanzämter weitergeleitet. Seit 1998 dürfen die Fahnder alle Aufzeichnungen und Verdachtsanzeigen des Zolls auch dann verwerten, wenn es keinen Verdacht auf Geldwäsche gibt.

Die Aufrüstung der inländischen Steuerfahndung geht einher mit einer stark wachsenden Bereitschaft zur internationalen Amtshilfe. Länder wie Frankreich, Italien und Spanien erteilen bereits heute unaufgefordert Auskunft über Konten, Kapitaleinkünfte und Immobilienbesitz von Deutschen. Eine mit Schwarzgeld bezahlte Finca auf Mallorca gerät so unversehens in den Fokus der deutschen Finanzbeamten.

Und der Druck wird weiter wachsen. Schon heute haben sich einstmals sichere Länder wie San Marino oder die Cayman Islands zu mehr Offenheit gegenüber ausländischen Ermittlern entschlossen, um nicht auf den schwarzen Listen der OECD zu erscheinen. Diese Kooperation bezieht sich zwar noch nicht auf Steuerdelikte, schwächt aber die Geschäftsgrundlage der Oasen: das undurchdringliche Bankgeheimnis.

Spätestens ab 2010, wenn die Europäische Union, wie im Sommer 2000 beim Gipfel im portugiesischen Feira beschlossen, ein engmaschiges System von europaweiten Kontrollmitteilungen über Konten und Kapitalerträge eingeführt hat, könnte es für die Masse der Steuerflüchtlinge eng werden.

Wie eng das Netz tatsächlich ausfallen wird, ist derzeit noch offen. In Brüssel glaubt niemand daran, dass die Beschlüsse von Feira wortwörtlich umgesetzt werden.

Das wird schon ein diplomatischer Schachzug von Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker verhindern, dem sich auch der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel anschloss. Beide Länder wollen den Versand von Kontrollmitteilungen an die Steuerbehörden anderer Staaten nur dann zulassen, wenn sich auch Länder wie die Schweiz oder Liechtenstein zu ähnlichen Maßnahmen durchringen.

Das ist fraglos eine geschickte Blockadestrategie der beiden Niedrigsteuerländer. Sie setzen wohl nicht zu Unrecht darauf, dass eine Mehrheit, die zur Abschaffung des Bankgeheimnisses nötig wäre, in beiden Ländern durch Volksabstimmung nicht zu gewinnen ist.

Andererseits: Der Druck der EU, über Amtshilfeabkommen und geänderte Doppelbesteuerungsabkommen eine weit reichende Kooperation zu erzwingen, wird in den kommenden Jahren fraglos zunehmen.

"Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich Länder wie die Schweiz auf eine Zusammenarbeit einlassen werden", glaubt Mark Pieth, Vorsitzender des Anti-Korruptionsausschusses der OECD, der sich auch mit Geldwäsche befasst. Der Baseler Professor für Strafrecht weiß, warum: "Für diese Länder ist die Gefahr einfach zu groß, sich politisch und wirtschaftlich zu isolieren."

Wege aus der Schwarzgeldfalle

Wege aus der Schwarzgeldfalle

In den Amtsstuben der Steuerbehörden lagern sie in harmlosen Kartons: Unterlagen aus den Bankendurchsuchungen Ende der 90er Jahre. Beinahe täglich liefert der Zoll waschkörbeweise neues Material. Hinzu kommen noch die zahlreichen Mitteilungen ausländischer Behörden.

Die Aktenmassen bergen vermutlich Hinweise auf tausende von Steuervergehen. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis eine Welle von Strafverfahren losbricht.

"Cool bleiben, sich nicht aus der Reserve locken lassen. Warten bis die Finanzbehörden ihr Blatt aufdecken", raten vor diesem Hintergrund die "Fuchsbriefe", ein Fachorgan für empfindliche Steuerfragen.

Die Argumente klingen beruhigend plausibel: Oft reiche das Belastungsmaterial der Behörden gar nicht aus, um eine Straftat zu beweisen. Zudem sei die Auswertung der Unterlagen so personal- und zeitaufwändig, dass es nur in einem Bruchteil der Fälle überhaupt bis zur Eröffnung eines Verfahrens kommen werde.

Das mag möglicherweise für eine Vielzahl der kleineren Fälle gelten. Für Vermögende und Spitzenverdiener bleibt das Risiko allerdings nur schwer kalkulierbar. "Die Finanzämter knöpfen sich gezielt die Topverdiener vor. Je wohlhabender und je prominenter jemand ist, desto größer ist die Gefahr, von den Steuerfahndern aufs Korn genommen zu werden", warnt Steuerstrafrechtler Karsten Randt von der Bonner Kanzlei Flick Gocke Schaumburg (siehe Interview: "Keine Panik").

Haben die Finanzbeamten eine Steuerhinterziehung erst einmal nachgewiesen, drohen drastische Strafen. Wer bis zu 500.000 Euro Steuern hinterzogen hat, muss seine Schulden beim Fiskus nebst 6 Prozent Zinsen begleichen. Obendrein wird noch eine deftige Geldstrafe fällig. Bei Summen oberhalb von einer halben Million Euro müssen Steuerhinterzieher gar mit einer Gefängnisstrafe rechnen.

Zumindest die strafrechtlichen Folgen lassen sich vermeiden - mit einer vorsorglichen Selbstanzeige. Wer bisher unversteuerte Einkünfte aus den vergangenen fünf Jahren nachträglich dem Finanzamt meldet, geht dann straffrei aus (siehe: "Letzte Möglichkeit").

Selbstanzeigen sind vor allem dann angebracht, wenn Anleger sichere Anzeichen haben, dass ihnen die Steuerfahnder auf der Spur sind, aber noch kein konkreter Verdacht vorliegt. Das gilt zum Beispiel dann, wenn die Bankfiliale, die mit den Überweisungen nach Luxemburg betraut war, durchsucht wurde. Wenn erst die Fahnder in der Tür stehen, ist es zu spät.

Anleger, die sich sicher fühlen und Steuernachzahlungen und Strafzinsen vermeiden wollen, können einen anderen Weg gehen. Sie bringen ihre ausländischen Wertpapierdepots in eine luxemburgische oder Liechtensteiner Lebensversicherungspolice ein. Nach zwölf Jahren können sie das gesamte Vermögen und die Erträge nach Deutschland holen ganz legal und steuerfrei (siehe: "Fluchtwege").

So ist das eben mit den Steueroasen: Allzu verlockend erscheint es, die Vermögenserträge ohne Abstriche einzustreichen. Betuchte Zeitgenossen machen es dem gemeinen Anlegervolk vor - Leute wie Michael Schumacher, der sich im Appenzeller Land niederließ; oder Curt G. Engelhorn, der das Geld aus dem Verkauf von Boehringer in einem Trust auf den Bahamas einbrachte.

Doch das wirkliche Leben sieht häufig anders aus. Anleger, die ihr Geld ins Exil schicken, stellen immer wieder fest, dass Aufwand und Risiko einerseits und die gesparte Steuer andererseits in einem eher ungünstigen Verhältnis stehen.

Orte wie Monaco oder Kitzbühel bleiben deshalb, was sie immer waren - ein Refugium für die Schönen und die Super-Reichen.

Steueroasen: Österreich, Liechtenstein, Schweiz Fallbeispiel: Der Weg ins Steuerexil Fluchtwege: Lebensversicherungen aus Steueroasen Selbstanzeige: Die letzte Möglichkeit Interview: Anwalt Randt zum Steuerstrafrecht


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