Wirtschaftsprüfer Erst sechs, dann fünf, jetzt vier

Nach dem Andersen-Debakel konzentriert sich die WP-Branche - auch aufs Geschäft?

Rainer Feuerhake ist ein Freund der großen Zahl. "Sechs sind besser als vier", sagt der Preussag-Finanzvorstand. Das stimmt natürlich und in diesem Fall erst recht.

Vor zehn Jahren konnten Unternehmen ihren Wirtschaftsprüfer noch aus sechs internationalen Anbietern wählen; bald sind es nur noch vier. Arthur Andersen, Nummer fünf in der Welt, hat sich selbst aus dem Markt testiert. In den USA wurde der Enron-Prüfer wegen Behinderung der Justiz angeklagt. Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe droht, die Pleite naht.

Das Enron-Debakel illustriert den Grundkonflikt, in dem die WP-Firmen stecken: die extreme Abhängigkeit von Großkunden. Die Prüfer unterschreiben nicht nur deren Bilanzen; sie bieten oft noch eine Fülle von Beraterleistungen an und kassieren auf diese Weise ein Vielfaches an Honoraren ­ der Job des unvoreingenommenen Zahlenkontrolleurs wird so immer schwieriger.

An diesem Dilemma ist letztlich auch Andersen zerbrochen. Nun suchen die mehr als 80 Landesgesellschaften ihr Glück in den Armen der Konkurrenz. Die Spanier sind sich mit Deloitte & Touche einig; die Russen präferieren Ernst & Young; die Chinesen wollen als PricewaterhouseCoopers (PwC) ihre Haken setzen; und die Deutschen zog es erst zu KPMG, bevor sie sich quasi über Nacht für Ernst & Young entschieden.

PwC wird sich über das Abblitzen von KPMG ins Fäustchen gelacht haben: Nur zu gern deckt der eine Stümpereien des anderen auf; jeder neidet dem Konkurrenten den Erfolg. So grämte sich PwC, dass KPMG im vergangenen Jahr trotz etlicher Prüf-Flops neue Großkunden gewinnen konnte, wie zum Beispiel den Industriekonzern ThyssenKrupp.

Wo soll das alles enden?

Falls Andersen vom Markt verschwindet, dann, glaubt ein Wettbewerber, sei "endgültig Schluss"; eine weitere Fusion werde es nicht geben. WP-Kunde Feuerhake hört solche Worte gern ­ vier sind schließlich besser als drei.

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