Dienstag, 18. Juni 2019

Headhunter Play Boss

Der Solist von Frankfurts Alter Oper

Chef wollte er werden, ganz jung, ganz schnell, ganz groß. Das sagen die, die ihn gut kennen, zum Beispiel seine alten Kollegen bei Egon Zehnder International; und das sagt er auch selbst.

Mit 30 Jahren, so steht es im offiziellen Lebenslauf von Heiner Thorborg (54), sei er bereits Managing Director gewesen, am Kap der Guten Hoffnung.

Später kam er zum Doyen der europäischen Headhunter, zu Egon Zehnder. Auch dort wollte er ganz schnell nach ganz oben.

Managing Partner war ihm zuwenig, auch finanziell; er wollte Chef werden in Deutschland. Als das nicht oder nicht rasch genug klappte, machte er sich selbständig, "aus Überzeugung", wie er heute sagt.

Wenn in Deutschland von erfolgreichen Headhunting-Boutiquen die Rede ist, dann fällt meistens nur sein Name und der seines Münchner Konkurrenten Dieter Rickert.

Die beiden Starsolisten unter den Headhuntern sind die einzigen, die es im Executive Search wirklich mit den professionellen Großfirmen aufnehmen können.

So gelang es der Frankfurter Einmannfirma Heiner Thorborg GmbH & Co. KG, bei der Bundesbahn immerhin rund 100 Managementpositionen zu besetzen, bevor es zwischen Thorborg und Bahn-Chef Johannes Ludewig zum Bruch kam.

Die Referenzliste erster Adressen, bei denen Thorborg ein und aus geht, erlaubt es dem selbstbewußten Self- mademan, den Verlust der Eisenbahner regelrecht zu zelebrieren.

Auf seinem jährlichen Empfang in der Alten Oper in Frankfurt, zu dem jeweils rund 200 Freunde des Hauses geladen werden, machte Thorborg in diesem Februar keinen Hehl daraus, daß er jetzt wieder freie Bahn für andere Aufträge hat.

Seine Domäne sind nicht allein Großunternehmen wie der Schienenbetrieb, sondern auch bedeutende Mittelständler, die sich bei einem wie Thorborg besser aufgehoben fühlen als in einem globalen Konzern.

Und es sind Vorstände oder Aufsichtsräte, die sich von einer kleinen Firma ein Höchstmaß an Diskretion versprechen.

Andererseits gehört der Harvard-erfahrene Headhunter zu den wenigen seiner Branche, die sich auch für junge Talente interessieren.

Eine Woche im Jahr durchforstet Thorborg die besten amerikanischen Business Schools nach vielversprechenden deutschen und europäischen Absolventen.

© manager magazin 5/1999
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung