Sonntag, 16. Juni 2019

Headhunter Der Pate

Vom Einzelkämpfer zum Prinzenerzieher

Nein, sie mögen ihn einfach nicht so recht, den Altstar der Headhunter-Branche: Dieter Rickert (59), der vom Münchner Vorort Grünwald aus Kontakt zu den Größen der Deutschland AG hält, ist seinen Kollegen zu großspurig, zu laut, zu hochnäsig, einfach zu anders. Und oft schlicht auch zu erfolgreich.

In dem Grauzonengewerbe, das sich nach dem gediegenen Nimbus der Notare sehnt und unermüdlich Comments und Standards formuliert, ist Rickert ein Reizwort. Der Mann aus München lebt vom Regelbruch.

Er nimmt, horribile dictu, für etwa die Hälfte seiner Vermittlungsaufträge Erfolgsprämien statt der üblichen Festpreise und verdirbt damit, so seine Wettbewerber, nicht nur die guten Sitten, sondern vor allem die Zahlungsmoral.

Wenn es sich vermeiden läßt, umgeht Rickert die lästige Kandidatenkür. Er präsentiert dem Auftraggeber lieber gleich den Bewerber, den er selbst für den Besten hält.

Gelegentlich schaltet er sich auch ungefragt in die Suche nach passenden Vorständen oder Geschäftsführern ein. Wie im Fall der RWE-Enkelin Heidelberger Druckmaschinen, für die eigentlich Konkurrent Egon Zehnder einen neuen Vorsitzenden suchen sollte.

Rickert schob sich mit seinem Spitzenmann Hartmut Mehdorn dazwischen; der damalige Dasa-Luftfahrtvorstand (Airbus) bekam prompt den Zuschlag und macht seither bei der RWE große Karriere.

Solche Erfolge schaffen eine Aura, die lange hält – Rickert, der Hausarzt der Hochgestellten. Gerhard Cromme, der Krupp-Thyssen-Chef, steht genauso in seiner Schuld wie Jürgen Richter, der ehemalige Springer-Vorsitzende.

Den Ruf des souveränen Sparringspartners für die oberen 200 hat Rickert freilich schon mehrfach arg strapaziert. Nicht nur Wettbewerber halten ihm die schwachen Besetzungen bei der Treuhandanstalt und der Expo 2000 vor.

Für diese Jobs auf Zeit, rechtfertigt sich der Edelrecruiter trotzig, waren eben keine "45jährigen Kracher" zu gewinnen.

Zum High-End-Image haben solche Vermittlungsaufträge jedenfalls genausowenig beigetragen wie die öffentlichen Kabalen zwischen Rickert und seinem im vergangenen Jahr von ihm geschiedenen Kompagnon Hubert Johannsmann (54).

Johannsmann ("Ein Sparbrötchen mit der Aura eines Sparkassendirektors", sagt Rickert) übernahm 1998 die gemeinsame Düsseldorfer Firma Interconsilium; Rickert ("Seine Performance ist viel mieser, als er vorgibt", sagt Johannsmann) ist in München in die Rolle des Prinzenerziehers geschlüpft.

Peter Bachsleitner (36) und B. Partrick "Rick" Fulghum (35), der Sohn von Rickerts Lehrmeister Jim Fulghum (früher Tasa), sollen das Geschäft mit wechselwilligen Topexecutives peu à peu von ihrem Mentor übernehmen.

Die Frage ist, ob sich der Erfolg des Paten der Deutschland AG in einer anderen, globaleren Wirtschaftswelt reproduzieren läßt.


© manager magazin 5/1999
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