Montag, 24. Juni 2019

Headhunter Boden-Crew

Headhunter arbeiten am liebsten im verborgenen. mm stellt auf den folgenden Seiten die Stars der verschwiegenen Branche vor.

Die Gegensätze sind groß und ziehen sich auch nicht unbedingt an. Zum Erfolg aber sind sie verdammt, und zwar gemeinsam: Der passionierte Zigarrenraucher und Selfmademan Jürgen B. Mülder (61) und sein designierter Nachfolger, der geschmeidige, in Organisationen groß gewordene Herbert Bechtel (53).

Mülder hat die Firma, die seinen Namen trägt, zur erfolgreichsten deutschen Personalberatung aufgebaut und dann an den amerikanischen Konkurrenten Heidrick & Struggles verkauft. Bechtel war Deutschland-Statthalter der New Yorker Großfirma.

Grube und Gigabytes – die Werdegänge könnten unterschiedlicherl nicht sein: Vor dem Wechsel in die Headhunter-Branche sammelte der Diplom- ingenieur und promovierte Jurist Mülder Managementerfahrung im internationalen Bergbau und in der Mineralölindustrie.

Der knapp zehn Jahre jüngere Bechtel arbeitete sich in der Computerbranche nach oben.

Wie fast alle erfolgreichen europäischen Personalberater lernte auch Mülder das Geschäft bei Spencer Stuart. Zehn Jahre lang, von 1968 bis 1977, heuerte Mülder beim Europa-Pionier unter den angloamerikanischen Executive-Search-Firmen an.

Dann war Deutschland-Manager Mülder die Bevormundung leid. Von 1978 an machte er seiner Lehrfirma so gründlich Konkurrenz, daß Mülder & Partner alle deutschen Wettbewerber, den langjährigen Marktführer Zehnder inklusive, hinter sich ließ.

Mülder, so sagen Mitstreiter, zog eine Geldmaschine der Extraklasse auf. Von Wettbewerbern holte er reihenwei- se Topberater, alle mit der Aussicht auf einen höheren Reibach. Anders als beispielsweise Egon Zehnder hielt Mülder nichts von Gleichmacherei beim Salär. Nur Leistung, also Honorarumsatz, zählte und wurde bezahlt. Vielen Einzelkämpfertypen des Gewerbes kam dieser individuelle Entgeltansatz entgegen.

Erfolg aber hatte Mülder & Partner, weil auch das Investieren nicht zu kurz kam. Als einer der ersten überzog Mülder die Bundesrepublik mit Regionalbüros. Der Eintritt in den weltweiten Amrop-Verbund sicherte den Lokalmatadoren den Zugriff auf ein internationales Netzwerk.

Früher als andere erkannte Mülder, daß mit der Globalisierung die Zeit der losen internationalen Zusammenschlüsse im Dienstleistungsgewerbe zu Ende ging. So versuchte er jahrelang, aus dem lockeren Amrop-Verbund eine straff geführte globale Organisation zu schaffen.

Als dies am Veto der kleineren Amrop-Genossen scheiterte, orientierten sich Mülder und seine Partner neu; sie gingen mit der weltweiten Nummer zwei der Branche zusammen. So entstand 1997 Heidrick & Struggles Mülder & Partner, mit Deutschland-Hauptsitz am Frankfurter Flughafen.

Herbert Bechtel, Heidrick & Struggels’ Mann in Germany, gehört zur neuen Generation von Beratern, die sich im Headhunting vor allem durch hohes Spezialistentum auszeichnen.

Während Generalist Mülder noch alles vermittelt, was Rang und Namen hat, konzentrierte sich Bechtel Zeit seines Beraterlebens auf die sogenannte Practice Group Technology.

Eine Generalistenfunktion hat Bechtel von Mülder bereits übernommen. Die Vereinigung Deutscher Executive-Search-Berater e. V. (VDESB) wählte den künftigen Chef des Branchenprimus zu ihrem Vorsitzenden.

Amtsvorgänger Mülder, der sich vor einigen Jahren einen Altersruhesitz auf Mallorca zugelegt hat, nimmt die Konsequenzen des Besitzerwechsels gelassen. "Mein Name wird wohl früher aus der Firma verschwinden", kokettiert der Senior, "als ich selbst."


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