Bücher Fordern und Fördern

Vorgesetzte müssen ihren Mitarbeitern Mentoren sein.

Was machen die erfolgreichsten Manager der Welt richtig? Die beiden Autoren, Forscher beim Gallup- Institut, bieten auf der Grundlage einer Querschnittsanalyse der Unternehmensstudien der vergangenen 20 Jahre eine klare Antwort: Nicht aufwändige Entwicklungsprogramme für das eigene Management bringen ein Unternehmen nach vorn.

Der wahre Weg zum Erfolg ist simpler: Die besten Chefs entwickeln die Stärken ihrer Mitarbeiter. Dieser Strategie sind dann wiederum auch die Mitarbeiter verpflichtet: Sie fördern ihrerseits die Stärken ihrer Untergebenen. Die fühlen sich ernst genommen, bringen ihr Talent auf den Boden ­ und bleiben.

Höhepunkt des Buches ist eine simple Methode, mit der Vorgesetzte die Zufriedenheit ihrer Toptalente testen können.

Marcus Buckingham & Curt Coffman: "First, Break All the Rules. What the World's Greatest Managers Do Differently." Simon & Schuster, New York 1999, 271 Seiten, 26 Dollar.

Im Westen nichts Neues

Irgendwo auf dem weiten Weg über den Atlantik ist diesem Buch die Aktualität abhanden gekommen. Der amerikanische Jurist und Managementtrainer Bruce Tulgan berichtet, wie konventionelle Unternehmensberatungen und Großkanzleien Unsummen ausgeben, um ihre Mitarbeiter vom Wechsel zu Internet-Start-ups oder in die Selbstständigkeit abzuhalten. Inzwischen stellen die Dotcoms keine ernst zu nehmende Konkurrenz mehr dar. Viele US-Konzerne haben längst in den "Entlassen"-Modus umgeschaltet.

Tulgans Schlussfolgerungen sind dennoch richtig: Ja, gute Mitarbeiter sind wichtig. Ja, die Aussicht auf eine Ochsentour im Konzern lockt immer weniger Talente. Ja, Arbeitgeber müssen flexibler auf ihre Mit-arbeiter eingehen.

Ach, das wussten Sie alles schon? Wir auch!

Bruce Tulgan: "Wettlauf um die Besten. Talente finden, fördern und ans Unternehmen binden"; Econ, München 2001, 300 Seiten, 58,67 Mark.

Die zarteste Versuchung

Thomas Sattelberger kennt den Kampf um Talente aus zwei Perspektiven. Fünf Jahre lang war er Leiter der Abteilung Konzernführungskräfte und Personalentwicklung bei der Lufthansa. Heute führt er den Bereich Produkt und Service im LH-Passagiergeschäft. Aus der Arbeit in beiden Verantwortungsbereichen entwickelte Sattelberger die Kernthese seines Buches: Nur Unternehmen, die auf dem Markt der Bewerber als attraktive Unter-nehmensmarken wahrgenommen werden, haben eine Chance, die besten Talente anzulocken und zu halten.

Es lohnt die Mühe, sich auf den wissenschaftlich durchwirkten Schreibstil Sattelbergers einzulassen; ein wegweisendes Werk für das Personalmanagement in modernen Konzernen.

Thomas Sattelberger: "Wissenskapitalisten oder Söldner? Personalarbeit in Unternehmensnetzwerken des 21. Jahrhunderts"; Gaber, Wiesbaden 1999; 359 Seiten, 94 Mark.

Antwort auf die Frage aller Fragen

Das schmale Büchlein beschreibt übersichtlich und praxisnah, wie man eine Position mit dem richtigen Bewerber besetzt. Es enthält alle Fragen, die es bei der Personalauswahl zu klären gilt, angefangen mit der grundlegendsten: Warum hat der bisherige Mitarbeiter eigentlich gekündigt?

Kein visionäres Werk über das Personalwesen als solches; eher ein hilfreicher Leitfaden für den gestressten Abteilungsleiter, der sich nebenbei auch noch ums Recruiting kümmern muss.

Carol A. Hacker: "How to Compete in the War for Talent"; DC Press, Sanford (Florida) 2001; 180 Seiten, 16,95 Dollar.

Binden reimt sich auf Finden

Die sehr persönlich gefärbte Bilanz eines Personalberaters und Trainers; bisweilen schweift Lütgenbruch allzu sehr ins Anekdotische ab. Zwischen seinen Geschichtchen aus dem wilden Kopfjägerleben liefert der Autor jedoch immer wieder richtige Einsichten. Warum zum Beispiel scheitern so viele Führungskräfte während der ersten Monate in einer neuen Position? Unter anderem, weil sie den Gestaltungsspielraum, der ihnen im Einstellungsgespräch genannt wurde, allzu wörtlich genommen haben. Mit ihren Aktivitäten stören die Neulinge den Status quo im Unternehmen und fordern Widerstände heraus.

Als systematisches Strategiehandbuch im Talentekrieg taugt Lütgenbruchs Werk nicht; die flott aufgeschriebenen Beobachtungen eignen sich eher als vergnüglichnachdenkliche Bettkantenlektüre für Personalmanager.

Udo Lütgenbruch: "Kampf um Talente. Führungskräfte finden, fördern, binden"; Gerling Akademie, München 2001. 130 Seiten, 32 Mark.

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