Forum Leserbriefe

Erdrückende Marktmacht


Microsoft:Angriff auf den Markt für Unternehmenssoftware (mm 12/2001)

Die beiden Artikel über Microsoft haben mir gut gefallen, weil beleuchtet wurde, wie die Hauptkonkurrenten arbeiten und wie Microsoft diese aus dem Weg räumen will. Unheimlich und der Öffentlichkeit nicht bewusst ist, dass Microsoft mittlerweile nicht mehr nach größeren Marktanteilen und besseren Verdienstmöglichkeiten strebt, sondern nach der Beherrschung von ganzen Wirtschaftsbereichen und Institutionen. Geld spielt dabei für Microsoft gar keine Rolle mehr ­ darüber ist der Gigant längst hinaus.

Ich geben Ihnen Recht mit der Aussage "Kein Mensch braucht proprietäre Systeme"; ich glaube aber, dass der Zug für die Widersacher Microsofts wie Linux oder das Apple-Betriebssystem Mac OS X zumindest im Business-Bereich schon abgefahren ist. Das liegt nicht an mangelnder Qualität der Konkurrenz, sondern ausschließlich an mangelndem Wissen der Entscheidungsträger, die die Systeme anschaffen. Kaum jemand weiß, dass es sinnvolle Alternativen zu Windows gibt.

Microsoft ist dabei das einzige auf dem Markt befindliche Betriebssystem, das nicht auf offene Standards und auch nicht auf Unix setzt, ist also eigentlich isoliert. Eine Chance haben die Konkurrenten dennoch nicht ­ schon wegen der erdrückenden propagandistischen und finanziellen Marktmacht Microsofts.

Martin Strathemann,
per E-Mail


Ich bin sicher kein Verfechter unkontrollierter Monopole. Ohne Zweifel sind der Marketingerfolg, die Produktionsstrategie und der daraus entstehende Einfluss von Microsoft bedenklich und sollten überaus kritisch behandelt werden.

Gerade deswegen und insbesondere im Hinblick auf die schier endlose Vielfalt vorhandenen Researchmaterials war ich sehr enttäuscht, in Ihrem Artikel Agitation, emotionale Bewertung und die Selbstbemitleidung auf Grund "frustrierter Machtlosigkeit gegenüber dem typisch amerikanischen Wirtschaftkolonialismus" herauszulesen, statt eine hilfreiche und faktisch objektive Analyse des "Phänomens Microsoft" zu liefern.

Hans J. Wagner,
Springfield, USA


Bill Gates hat die IT-Welt revolutioniert. In einer Zeit, in der man neben einem akademischen Titel Anzug und Krawatte tragen musste, um in die Nähe eines der damals monströsen, aber leistungsschwachen Rechner zu kommen, hatte er den Mut zu der Vision: "Jeder wird eines Tages einen Rechner besitzen. Und der wird preiswert und kinderleicht zu bedienen sein." Er behielt Recht.

In den letzten Jahren gab es zahlreiche Versuche, Kommunikationsstandards für webbasierte Komponenten zu setzen. Die Versuche von HP und IBM wurden mit aller Macht in den Markt getrieben. Das Ergebnis war, dass viele tausend Unternehmen auf den Zug aufsprangen und ihre Investitionen wenig später im Sand verliefen, weil die Standards nicht stabil einsetzbar waren.

Ich frage mich, warum der Hass auf Microsoft in Deutschland besonders groß ist.

Michael Fieg, Diplom-Informatiker,
Stuttgart


Strategische Visionen

Editorial: Führung in Krisenzeiten (mm 12/2001)

Ob gute, schlechte oder depressive Zeiten ­ die Führungsfrage lautet stets: Was kommt nach Kostensenkung und Rationalisierung? Um dauerhaft Wert zu schöpfen und wieder auf Wachstum umzuschalten, braucht jedes Unternehmen eine strategische Vision, eine konzeptionelle Markt- und Geschäftsidee für sein grundsätzliches langfristiges Handeln.

Die strategische Vision ist der stärkste verborgene Wert, das größte Potenzial zukünftiger Erträge. Visionen machen Organisationen einzigartig, schaffen Faszination beim Kunden und Motivation bei den Mitarbeitern. Als vierter Produktionsfaktor erhöhen sie die Wertschöpfung der anderen Produktionsfaktoren. Von der Führung entwickelt, kommuniziert und umgesetzt, bringen sie Unternehmen in eine zweite, dritte oder höhere Lebenszykluskurve.

Dr. Dieter Heinrich,
Düsseldorf


Wunschdenken

Euro: Interview mit Nobelpreisträger Mundell über die neue Währung (mm 12/2001)

Robert Mundell meint, dass die bei der Euro-Einführung fixierten Wechselkurse die Regierungen in ihrem Finanzgebaren disziplinieren. Aber warum sollten die für die öffentlichen Haushalte Verantwortlichen jetzt ein anderes Verhalten an den Tag legen als in der Vergangenheit?

Finanzminister sind Politiker; ihr Handeln ist vorgegeben. Wenn bei nachlassender Konjunktur die Steuereinnahmen wegbrechen und gleichzeitig der Finanzbedarf wegen zunehmender Arbeitslosigkeit steigt, greifen sie verstärkt auf das Mittel der Kreditaufnahme zurück, von vereinzelten Sparmaßnahmen abgesehen.

Den angestrebten Verzicht auf neue Schulden kann man immer hinausschieben, ohne gleich Konsequenzen befürchten zu müssen. Im Gegenteil, der Wähler honoriert es, wenn er von harten Einschränkungen der öffentlichen Leistungen verschont bleibt. Dass er die Rechnung später dennoch bezahlen muss, kümmert zunächst niemanden. Von der politischen Klasse Finanzdisziplin zu erwarten, weil es eine gemeinsame Währung und einen - von einzelnen Regierungen bereits wieder in Frage gestellten - Stabilitätspakt gibt, ist reines Wunschdenken.

Dr. Walter Roth,
Erkrath


Einfältige Theorien

Essay: Hermann Simon über die naive Implementierung neuer Managementtheorien (mm 11/2001)

Sie beschreiben im Artikel, wie einfältige Theorien eifrig von Unternehmenslenkern verwendet werden. Ich glaube, dies ist ein Problem hauptsächlich für die Amerikaner.

In der Tat hat die amerikanische Industrie dadurch einen Wettbewerbsnachteil, dass viele Unternehmen anscheinend von Leuten gesteuert werden, die selbst wenig oder nichts von den naturwissenschaftlichen Grundlagen der wirtschaftlichen Aktivitäten im Unternehmen begreifen - das erklärt wohl, warum man nach einfachen konzeptionellen Lösungen sucht.

Ist jemand zum Beispiel ohne Kenntnisse der Chemie im Chemiegeschäft gelandet, wird er natürlich von einem Verständnis der Unternehmensführung ausgehen, das die wichtigen Managementthemen abkoppelt von den zu Grunde liegenden chemischen Prozessen - wobei idealerweise die Produkte und deren Produktion überhaupt nicht auftauchen. Daraus folgt auch das Management durch Kennzahlen.

Per Adrian Dahl, Diplomingenieur,
Igersheim


Verwalter ohne Vision

Führung: Junge Chefs und ältere Mitarbeiter (mm 12/2001) 

Welcher von den jungen Chefs hat denn Selbstzweifel? Doch nur diejenigen, die keine Vision haben. Wenn Chefs keine Vision haben, dann verwalten sie eine Position. Aber sie bringen keine Kompetenz ein. Die Nieten in Nadelstreifen sind ja bekannt.

Wahrscheinlich kann man einigen jungen Chefs noch nicht einmal einen Vorwurf machen. Denn wie sollen sie Visionen haben, wenn ihre bisherigen Vorturner keine hatten und daher auch als Vorbild ungeeignet sind?

Visionen zu haben, zu formulieren und sie durchzusetzen ist - nicht nur für junge Chefs - zwingend notwendig.

Dr. Fred N. Bohlen,
Fellbach

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