Hoteltest Bussi statt Business

Hotels in München - Die Luxushäuser der Weltstadt mit Herz verwöhnen ihre Gäste gern mit Glamour. Wer genau hinschaut, bekommt mitunter das Fürchten gelehrt.
Von Klaus Ahrens und Hanno Pittner

München leuchtet, werfen sich Stadtwerber der Bayernmetropole gern in die Brust. Und verdrängen, wie es weithin in der Tophotellerie der stolzen Residenzstadt aussieht: eher düster.

Gerade die oftmals hoch gerühmten Traditionshäuser rings um die Frauenkirche bieten bei Ausstattung (verwohnte Zimmer, verlotterte Schwimmbäder) und Service (ruppiger Ton, unbeholfene Bedienung) mitunter ein Bild des Jammers.

Dies ist das Ergebnis einer Recherche vor Ort. Sechs Fünf-Sterne-Hotels unterzogen die Autoren einer strengen, wiewohl subjektiven Prüfung; von Mobiliar und Business-Ausstattung der Zimmer bis hin zum Ausführen kleiner Serviceleistungen. Wie dem Bügeln einer Hose, dem Verleihen von Manschettenknöpfen oder der Übermittlung einer Nachricht.

Zu diesem Zweck wurde in den Luxusherbergen je ein Zimmer gebucht und genutzt, wie es auch Manager auf Reisen bevorzugen. Und nicht etwa eine Suite vom Zuschnitt der Lustkemenate "Paris", die der "Bayerische Hof" anbietet - ein Amüsierareal zwischen lauter Plüsch und Spiegeln.

Dennoch - der Spaß beginnt am bevorzugten Treffpunkt der Münchener Society gleich beim Empfang. Obwohl es an diesem Vormittag heftig regnet, muss der Gast sein Gepäck selbst ins Hotel tragen - kein Portier weit und breit, der mit Hand oder zumindest Schirm zu Hilfe eilen könnte. Währenddessen tollt - es ist der 6. Dezember -als Nikolaus verkleidetes Personal durch die Halle. Erster Eindruck: Bussi statt Business.

An der Rezeption wird der Ankömmling vom altgedienten Concierge eher frostig in Empfang genommen und an die Kolleginnen nebenan weiterempfohlen. Wo er erst einmal warten darf, weil die Damen ins Gespräch vertieft sind. Um dann behandelt zu werden wie ein Bittsteller auf der Behörde. Von der Nachricht allerdings, die für ihn hier vorliegt, erfährt er kein Wort.

Sicher, das Zimmer in der zweiten Etage ist geräumig, ansprechend möbliert und gepflegt, das Housekeeping funktioniert exzellent, und der Roomservice hält eigens ein ausgesuchtes Mitternachtsangebot samt Weinkarte bereit - in einer Mappe, von einem Vormieter als Getränkeuntersetzer missbraucht und entsprechend verschmutzt und klebrig.

Unappetitliches begegnet dem Gast auch, wenn er sich entspannen möchte. Die ehemals weißen Kacheln der Duschen im engen, einigermaßen verwahrlosten Saunabereich schimmern schwärzlich, an Wänden und Heizkörpern blättert Farbe ab.

Nicht viel besser sieht es im Fitnessbereich eines anderen Traditionshauses aus - des "Vier Jahreszeiten" an der Maximilianstraße, Münchens Prachtmeile. Bad und Sauna atmen die Atmosphäre eines öffentlichen Hallenbads der 70er Jahre. Die lieblos hinter einem Paravent neben dem Pool abgestellten Trimmgeräte erzeugen vor allem Lärm. Eine Zumutung - für die der Hotelgast 17,90 Euro zahlt.

Auch das Bad im Zimmer ist nicht zur Erbauung angetan. Obwohl gut mit Accessoires versehen, kann sich der Gast in dem engen Raum kaum wenden. Und der Schlafraum glänzt - abgesehen vom bereitgestellten frischen Obst - nicht eben vor Großzügigkeit. Die wenigen Quadratmeter wirken angestaubt und verwohnt, die Anschlüsse für IT-Geräte sind unter dem Nachttisch versteckt, beim Bett fehlt die Tagesdecke.

Die Frühstücksvarianten

Zur unschönen Überraschung gerät auch das Frühstück. Im Bistro-Restaurant gibt es ein opulentes Büfett - zudem werden lobenswerte drei Varianten angeboten, bei Preisen zwischen 13 und 23 Euro. Allerdings: Die Bedienung am Platz wirkt höchst unbeholfen, und obendrein wird ein höherer Preis abgerechnet, als die gewählte Variante kosten sollte.

Ärger am Morgen ebenfalls im Traditionshaus am Stachus, dem "Königshof". Um 10.05 Uhr, 25 Minuten vor dem Ende der Frühstückszeit, herrscht Mangel bei Säften, Wurst und Käse, die Reste vom Rührei sehen aus wie ausgedörrt.

Auch sonst erstrahlt das außen über und über mit Leuchtreklame zugepflasterte Haus nicht gerade in luzidem Luxus. Das gebuchte Einzelzimmer ist klein, Tagesdecke nicht vorhanden, Stuhl dem Schreibtisch nicht angepasst, das Badezimmer winzig und nur mit einer Dusche ausgestattet.

So fängt der Tag schlecht an, erst recht, wenn der Gast schon unsanft geweckt wurde. Einem Musikschwall aus dem Fernseher folgte die Mitteilung, dass ein Fax angekommen sei. Eine Nachricht, so stellte sich heraus, vom vorherigen Abend. Und längst von einem Boten ausgehändigt.

Bei der Befriedigung von Business-Bedürfnissen sind gerade die Traditionshotels etwas schwach. Das "Vier Jahreszeiten" verfügt lediglich über ein Kabinett hinter der Rezeption, in dem rings um einen runden Tisch mit PC-Equipment nervöse Hektik herrscht. Grabesruhe dagegen im "Bayerischen Hof". Der versteckt sein offenbar kaum genutztes Business-Center, einen ungastlichen Arbeitsraum mit vier Plätzen und einem Konferenzgelass, in einem abgelegenen Winkel neben dem Friseursalon. Im "Königshof" stößt der geschäftige Gast ins Leere: Business-Center - Fehlanzeige.

Er findet es hingegen vorzüglich ausgestattet, dazu eigens eingerichtete Executive-Floors und All-inclusive-Lounges, in den etwas abseits gelegenen Häusern internationalen Zuschnitts. Wie dem "ArabellaSheraton Grand Hotel" im Stadtteil Bogenhausen oder dem "Hilton München Park" hinter dem Englischen Garten. Beide verfügen ebenfalls über moderne und angenehme Fitnessanlagen.

Doch auch in diesen Häusern gibt es Mängel. Im (gepflegten und geräumigen) "Hilton"- Zimmer fehlt der Bademantel, Manschettenknöpfe sind nicht zu leihen, und eine Faxnachricht wird mit mehr als zweistündiger Verzögerung weitergereicht. Im "Arabella- Sheraton" fehlt ebenfalls die Hemdenzier. Und mitunter entgleitet der Ton dem Gast gegenüber ins Rüpelhafte.

Auf die Frage nach der Funktionsweise eines Mobiltelefons im Zimmer antwortet der Rezeptionist barsch: "Stellen Sie sich nicht an, das weiß doch jedes Kind!"

Bleibt ein kleines, äußerst feines Haus im Herzen der Stadt: Das "Mandarin Oriental", einst als "Rafael" berühmt. Ausstattung und Service im einzigen deutschen Ableger der weltweit anspruchsvollsten Hotelkette?

Einsame Spitze der Preis: Das Luxushaus verlangt 414,15 Euro für die Nacht, plus 22 Euro für das Frühstück. Ohne irgendeinen Nachlass zu gewähren. Dafür wird dem Gast allerhand geboten: keine Manschettenknöpfe, keine Hilfe beim Gepäck, keine Sauna, kein Fitnessraum, um diese Jahreszeit auch kein Pool. Der taugt - weil auf dem Dach gelegen - nur für den Sommer.

Testergebnisse: Was Fünf-Sterne-Herbergen in München alles bieten


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