Bankenhaftung Bankräuber in Nadelstreifen

Crash am Neuen Markt, Immobilienpleite in Ostdeutschland - viele Anleger wollen sich nun ihr Geld vor Gericht zurückholen. Doch die Geldhäuser sind auf die Klagen gut vorbereitet. manager magazin sagt, mit welchen Tricks die Finanzindustrie arbeitet. Und wie Sie sich dagegen wehren können.
Von Jonas Hetzer und Dietmar Palan

Jack White und Holger Marx* sind sich noch nie begegnet. Es gibt einfach zu wenige Anlässe, bei denen Schlagerproduzenten auf Handwerksmeister treffen können. Dabei gäbe es Gesprächsstoff genug: Der Komponist wie der Malermeister fühlen sich von ihren Banken hintergangen und um ihr Vermögen geprellt.

Für Marx begann der Ärger mit dem Verkauf seiner Eigentumswohnung. Die 130.000 Euro Erlös wollte er für die Alterssicherung einsetzen. Seine Bank, ein kleines Privatinstitut in Düsseldorf, empfahl dem Mann, nicht nur den Verkaufserlös zu investieren, sondern zusätzlich geliehenes Geld für sich arbeiten zu lassen; erst das würde sich so richtig lohnen.

Marx nahm, so beraten, einen Kredit über 140.000 Euro auf und steckte das Geld unter anderem in Anleihen kanadischer und neuseeländischer Unternehmen.

Die Spekulation ging gründlich schief. Marx' Papiere verloren über Monate hinweg langsam, aber kontinuierlich an Wert. Und als mit der neuseeländischen DFC Finance Ltd. die größte Depotposition in Schwierigkeiten geriet, war über die Hälfte des ursprünglich eingesetzten Kapitals weg.

Bei Jack White waren die Begleitumstände deutlich glamouröser, die Beratung ein paar Klassen exklusiver, das Ergebnis aber ähnlich katastrophal.

Der Großmeister des schlichten Tralala war im Sommer 1999 mit seiner Produktionsfirma an die Börse gegangen und hatte ordentlich Kasse gemacht. Der Vermögenszuwachs verschaffte dem Musikmenschen Zutritt zum Freundeskreis des Kurt Ochner. Der arbeitete damals als Fondsmanager für die Schweizer Privatbank Julius Bär und galt als Star des Neuen Marktes.

Für Jack White war Ochner so etwas wie ein persönlicher Bankier. Über 3,5 Millionen Euro vertraute er dem Mann an, der sich gern "Mr. Neuer Markt" nennen ließ.

Der allerdings hatte in puncto Vermögensverwaltung recht eigenwillige Vorstellungen. Eines seiner Renommierobjekte beispielsweise, der Julius Bär Creativ Fonds, in dem auch die Millionen des Komponisten landeten, sollte laut Prospekt in "erfolgreiche Unternehmen" investieren. Tatsächlich aber kaufte Ochner keine Bluechips, sondern Start-ups, bei denen vielfach noch nicht einmal das Geschäftsmodell funktionierte.

* Name von der Redaktion geändert.

Als der Neue Markt einbrach

Als der Neue Markt einbrach, stürzte auch Ochners Fonds ab. Jack White verlor drei Millionen Euro.

Der Handwerker und der Schlagerkomponist wollen sich nun ihr Geld vor Gericht zurückholen. Marx klagt wegen Falschberatung. White wegen Ochners saloppem Umgang mit den strengen Anlagerichtlinien, die der Gesetzgeber Fondsgesellschaften auferlegt.

Die beiden sind bei weitem nicht die einzigen Kläger. "Die Zahl der Anleger, die sich ihr Vermögen vor Gericht zurückholen wollen, nimmt rapide zu", sagt Klaus Nieding, Präsident des Deutschen Anlegerschutzbundes und Jack-White-Anwalt: "Viele fühlen sich betrogen, glauben, dass ihre Bank die Gewinne macht und sie auf den Verlusten sitzen bleiben."

Versuche, die Geldmanager für Verluste an der Börse oder bei Immobiliendeals haftbar zu machen, hat es in der Vergangenheit schon häufig gegeben. Doch erst mit dem Einbruch des Neuen Marktes und dem Kurssturz der T-Aktie kam die Prozesswelle so richtig ins Rollen.

Gegen die Banken, aber auch gegen die Unternehmen selbst wird geklagt. Etwa gegen die Neue-Markt-Firmen Metabox und Infomatec wegen womöglich falscher Ad-hoc-Meldungen oder gegen die Telekom wegen der gewagten Bewertung ihrer Immobilien anlässlich der Kapitalerhöhung im Sommer 2000.

Aussichtsreich sind solche Klagen selten; sie wirken eher wie Verzweiflungstaten schlechter Verlierer. Direkte Ansprüche gegen Vorstände oder Aufsichtsräte sieht der Gesetzgeber nicht vor. Selbst wegen falscher Ad-hoc-Mitteilungen oder Kursmanipulation musste bislang kein Verantwortlicher Schadenersatz mit eigenem Geld leisten.

Ansprüche gegen das Unternehmen lassen sich nur durchsetzen, wenn der geschädigte Anleger dem Vorstand Vorsatz nachweist - meist ist das schlicht unmöglich.

Anleger, die ihre Bank verklagen wollen, sollten zusätzlich einkalkulieren, dass die Geldhäuser einen hohen juristischen Schutzwall zur Abwehr von Ansprüchen aufgebaut haben.

Zwar bieten Gesetze und Rechtsprechung den Bankkunden zahlreiche Möglichkeiten, ihre Ansprüche durchzusetzen. Vieles davon erweist sich in der Praxis aber als unbrauchbare Theorie.

manager magazin hat die Strategien der Geldhäuser zusammen mit führenden Kapitalmarktexperten und Anlegeranwälten analysiert. Lesen Sie, wie die Banken

  • Fehlberatungen kaschieren;
  • sich gegen Klagen absichern;
  • das Vertrauen ihrer Kunden missbrauchen;
  • Gerichtsurteile vermeiden und Richtersprüche ignorieren.
Ganz ohne Chance ist der leidgeprüfte Anleger dennoch nicht. Wir zeigen Ihnen, welche Möglichkeiten Sie als Anleger haben, wenn Ihre bank zu unfairen Tricks greift.

Fehlberatung kaschieren

Fehlberatung kaschieren

"Also, ich mach das jetzt mit der T-Aktie. Und Sie?" Als Manfred Krug im Herbst 1996 für den Börsengang der Telekom trommelte, witterten die Banken ein Riesengeschäft. 1,9 Millionen deutsche Privataktionäre zeichneten das Papier. Für viele war es der erste Kontakt mit Dividendentiteln - hohes Potenzial für künftige Geschäfte und für manche Banken Anlass, beim Vertrieb das moralische Niederstwertprinzip einzusetzen.

So empfahl die Dresdner Bank ihren Anlageberatern in einem internen Papier, die T-Aktie auch Studenten und verschuldeten Ehepaaren anzudrehen - zur Not eben auf Kredit.

Mit den Regeln des Wertpapierhandelsgesetzes lassen sich derlei Leitlinien schwerlich vereinbaren.

Die Paragrafen verpflichten die Banken zu umfassender Risikoaufklärung. Sie müssen zudem darauf achten, dass die Anleger sich nicht übernehmen, und die Ratschläge müssen zu Wünschen, Kapitalmarkterfahrung und Risikoprofil der Kundschaft passen.

Dieses Gebot blendeten die Geldprofis nicht erst im Börsenboom aus.

Mitte der 90er Jahre verkauften Dresdner Bank und Commerzbank Anlegern, die sichere Papiere ordern wollten, Anleihen des maroden Flugzeugbauers Fokker. Als sich 1996 der Konkurs abzeichnete, verloren die Fokker-Gläubiger über 90 Prozent ihres Kapitals. Die Fälle landeten vor Gericht, und die Geldriesen mussten Schadenersatz leisten.

Nichts hat sich seither geändert. Heute werden den Anlegern von vielen Banken so genannte Aktienanleihen angedreht. Das sind hochriskante Zinstitel, bei deren Fälligkeit im Zweifel statt des Kapitals Aktien zurückgezahlt werden - was wegen der Börsenbaisse vielfach zu herben Verlusten führte.

Erst im Frühjahr 2001 verurteilte das Berliner Kammergericht in der zweiten Instanz die Landesbank Berlin (LBB) zur Schadenersatzzahlung an einen Rentner. Dem hatte die LBB statt der gewünschten sicheren Titel eine VW-Aktienanleihe aufgeschwatzt. Die Bank löste ihre Verpflichtungen mit den inzwischen stark gefallenen Aktien des Wolfsburger Autokonzerns ab. Verlust: knapp 9000 Euro.

Der Rentner kann sich glücklich schätzen. Sein vorläufiger Sieg ist eher die Ausnahme, denn der klagende Anleger muss der Bank die fehlerhafte Beratung nachweisen. Das aber ist aus zwei Gründen schwierig:

Erstens behaupten die Geldhäuser fast immer, dass der Kunde das Verlust bringende Papier selbst vorgeschlagen habe und es deshalb gar nicht zu einer Beratung kam.

Zweitens ist die Bank beinahe immer in der Lage, eine korrekte Beratung nachzuweisen. Um noch nach Jahren den Inhalt eines Kundengesprächs dokumentieren zu können, schreiben Anlageberater regelmäßig ausführliche Aktenvermerke.

Die Banken lassen sich die korrekte Wiedergabe in den Aktennotizen aber nur selten durch ihre Kunden bestätigen. "Dennoch werten viele Richter die Beraterkarten der Banken als Beweismittel", sagt der Münchener Anlegeranwalt Klaus Rotter.

Dann steht Aussage gegen Aussage, und die Entscheidung der Richter fällt im Zweifel zu Gunsten der verklagten Bank.

Klagen blockieren

Klagen blockieren

Die Zeiten, in denen EMTV das Musterunternehmen des Neuen Markts war, gehören schon lange der Vergangenheit an. Nach dem Kursrutsch von über 98 Prozent seit Mitte Februar 2000 taugt die Medienklitsche aus Unterföhring allenfalls noch für Musterprozesse.

Ansatzpunkt für die Klägeranwälte ist dabei vor allem die rund 500 Millionen Euro schwere Kapitalerhöhung, die EMTV im November 1999 durchzog.

Damals hatte das Unternehmen die Übernahme des Muppet-Produzenten Jim Henson Company wohl beinahe abgeschlossen, die Verhandlungen über den Kauf der Formel-1-Rechte waren offenkundig im fortgeschrittenen Stadium. Dennoch vermied es die WestLB, die bei der Kapitalbeschaffung die Federführung hatte, im Emissionsprospekt auf die Risiken dieser Großprojekte hinzuweisen.

Für die Anwaltskanzlei Tilp & Kälberer aus dem schwäbischen Kirchentellinsfurt sind das klare Hinweise auf einen mangelhaft ausgearbeiteten Prospekt.

Die Erfolgsaussichten einer Klage, die auf dieser Argumentation gründet, sind allerdings ähnlich fragil, wie es die geschäftliche Basis des einstigen Highflyers wohl schon immer gewesen ist - und das gilt für nahezu alle Prozesse dieser Art.

Die Anleger müssen beweisen, dass die verschwiegenen Risiken den Kursrutsch auslösten. Eine extrem hohe Hürde des Gesetzgebers, die von den Juristen der Banken geschickt genutzt wird. "Wer einen solchen Prospekt formuliert, will seine Risiken so weit wie möglich auf die Anleger abwälzen", sagt Anwalt Andreas W. Tilp.

Beim Vernebeln der Gefahren zeigen die Geldhäuser ein hohes Maß an Kreativität:

  • Die oft 200 Seiten dicken Broschüren werden mit Belanglosigkeiten derart überfrachtet, dass entscheidende Risikohinweise in der Informationsflut untergehen.


  • Umsatz- und Gewinnprognosen stehen nicht in den Emissionsprospekten, wo diese Informationen eigentlich hingehören. Sie finden sich vielmehr in den Studien wieder, mit denen die Banken Börsengänge und Kapitalerhöhungen anpreisen - für die sie aber niemand haftbar machen kann.


  • Mögliche Gefahrenquellen werden zwar erwähnt, die Größenordnung des daraus resultierenden Risikos wird aber verschwiegen.
Letzteres geschah beim Börsengang des Nürnberger Discountbrokers Consors. Die Konsortialführer Goldman Sachs und die Baden Württembergische Bank hatten zwar darauf hingewiesen, dass Consors für alle bis Ende Juni 1998 aufgelaufenen Schulden der mittlerweile in Bedrängnis geratenen Mutter Schmidt Bank haftet. Wie viel Geld Consors aber aufbringen müsste, blieb Geheimnis der Banker.

Der Erfolg einer Klage ist letztlich aber auch eine Frage der Zeit. Drei Jahre nach der Veröffentlichung sind Forderungen aus fehlerhaften Prospekten verjährt. Im Fall Consors läuft die Frist damit im April 2002 endgültig ab.

Vertrauen missbrauchen

Vertrauen missbrauchen

Diskret geht es im Finanzgewerbe zu. So diskret, dass die Banken den Kunden nur höchst ungern sagen, was mit ihrem Geld geschieht.

So haben manche Geldhäuser über viele Jahre einen Teil ihrer Provisionen an Vermögensverwalter abgegeben, mit denen sie zusammenarbeiten. Eine anrüchige Praxis, weil diese so genannten Kick-back-Vereinbarungen den Vermögensverwalter dazu verleiten können, möglichst viele gebührenträchtige Orders auszuführen - unabhängig davon, ob die Transaktionen wirklich Sinn haben.

Das Schweigen fand erst ein Ende, als der Kölner Vermögensverwalter Ender & Partner Mandanten mit gewagten Termingeschäften um mehrere 100.000 Euro brachte.

Nun gab die Firma gegenüber den Anwälten der Geschädigten zu, dass ihr die WestLB seit Anfang der 90er Jahre Kick-backs zahlt.

Der Bundesgerichtshof (BGH) reagierte harsch. Weil die Düsseldorfer Staatsbank ihren Kunden diese Vereinbarung verschwiegen hatte, droht die WestLB nun auf dem Schaden sitzen zu bleiben, den die Kölner Zocker angerichtet haben.

Es ist gar nicht so selten, dass Banken mit freien Vermögensverwaltern oder Finanzvertrieben auf Kosten der Kunden paktieren. "Die Geldkonzerne ermöglichen es mit ihrem guten Namen vielfach erst, dass Anleger abgezockt werden", urteilt der Düsseldorfer Rechtsanwalt Jens Graf, der Mandanten aus dem Umkreis von Ender & Partner vertritt: "Viele Banken lassen ihre Klientel ins offene Messer laufen."

Gigantische Ausmaße erreichte die Kooperation zwischen Banken und Vertriebsfirmen während des Immobilienbooms in der Zeit nach der Wiedervereinigung.

Rund 300.000 Wohnungen schlugen unseriöse Immobilienverkäufer damals los. Stets lag der Preis über dem Wert der Wohnung. Und fast immer finanzierten seriöse Adressen die Objekte: Deutsche Bank, Commerzbank, Dresdner Bank und in 108.000 Fällen die Hypobank.

Mit dem Schaden wollen die Konzerne nichts zu tun haben. Dass die meisten Wohnungskäufe wegen überzogener Preise und exorbitanter Kosten nur Verluste bringen würden - das wollen sie nicht gewusst haben.

Vor Gericht kamen die Banken mit diesem Argument bislang fast immer durch. Allein die HypoVereinsbank, Rechtsnachfolgerin der Hypobank, hat über 180 Prozesse - teils vorläufig, teils endgültig - gewonnen.

Zumindest für den Münchener Geldriesen wird das künftig schwieriger. Die Anlegeranwälte haben zwischenzeitlich ordnerweise Material zusammengetragen, das belegt, wie eng die Zusammenarbeit von Hypobank und Vertrieben tatsächlich war.

"Die Bank wusste Bescheid, dass die Immobilien zu teuer waren, und hat dieses Wissen für sich behalten", so der Münchener Kapitalanlagerechtler Wilhelm Lachmair, Anwalt mehrerer Hypobank-Geschädigter.

Mit dieser Erkenntnis stellt sich die Rechtslage ganz anders dar: Sobald eine Bank weiß, dass sich ein Anleger auf ein Verlustgeschäft einlässt, muss sie ihn warnen. Tut sie es nicht, haftet sie für den Schaden.

Urteile missachten

Urteile missachten

Schon die komplizierte Rechtsmaschinerie schreckt die meisten Bankenopfer ab, ihre Ansprüche juristisch durchzufechten. Ein Verfahren über sämtliche Instanzen dauert Jahre, es kostet Geld und Nerven. Wer 100.000 Euro Schadenersatz einklagen will, muss im Verlustfall mit Gerichts- und Anwaltskosten von mehr als 44.000 Euro rechnen.

Höchstens 10 Prozent aller Geschädigten ziehen deshalb überhaupt vor Gericht, schätzen Experten. Die Zahl der Fälle, die vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe landen, ist verschwindend gering. Höchstrichterliche Entscheidungen, die das oft schwammig formulierte Kapitalmarktrecht klären und Anlegeransprüche leichter durchsetzbar machen würden, fehlen deshalb in vielen Fällen.

Und die Finanzindustrie tut alles, damit sich an diesem Zustand nichts ändert. Klagen, die der Bundesgerichtshof zur Revision zulässt und bei denen die Geldhäuser eine Niederlage fürchten müssen, erledigen sie gern damit, dass sie sich mit den Klägern einigen. Weil die Entschädigungszahlung dann nur für den Einzelfall gilt, können die Banker anschließend wieder ungestört ihren Geschäften nachgehen.

Diese Strategie setzte erst jüngst die Allianz ein. Die Gerichte sollten sich mit den hohen Stornogebühren beschäftigen, die Versicherer von ihren Kunden verlangen, wenn sie ihre Lebenspolicen vorzeitig kündigen. Nur fünf Tage nachdem der Allianz die Klageschrift zugestellt worden war, verständigte sich der Konzern mit den Klägern und zahlte Kapital zuzüglich Zinsen zurück.

Aber auch wenn Anleger ihre Ansprüche in Karlsruhe durchsetzen, heißt das noch lange nicht, dass die Banken ihr Geschäftsgebaren ändern.

Vielfach geben die Geldhäuser den vom BGH beanstandeten Gebühren einfach neue Namen und kassieren weiter. Oder sie missachten schlicht den Richterspruch. Das dreiste Vorgehen einiger Banken nennt der ehemalige Vorsitzende des BGH-Bankensenats, Herbert Schimansky, schlicht "rechtswidrig".

Das schönste Beispiel für diese Praxis stammt nicht aus der Geldanlage, sondern aus dem Bereich der Immobilienfinanzierung. Wollen Kunden ihre Hypothekenkredite vorzeitig kündigen, verlangen die Banken hohe Gebühren, so genannte Vorfälligkeitsentschädigungen.

In zwei Urteilen gab der BGH den Banken detaillierte Methoden für die Berechnung dieser Strafzinsen vor. Doch manche Institute tun so, als sei dieses Urteil nie ergangen. "Wir bekommen immer noch genügend Fälle auf den Tisch, bei denen die Kreditabteilungen entweder gänzlich zu Unrecht oder viel zu hohe Entschädigungen berechnen", sagt Angela Wehrt, Rechtsanwältin aus Hamburg-Neugraben, die 1997 das erste BGH-Vorfälligkeitsurteil erstritt.

Fazit

Fazit

Wenn Richter die Klagen geschädigter Anleger abweisen, schreiben sie fast immer den gleichen Passus in ihre Urteile. Sie halten den Kunden vor, dass der Schaden gar nicht erst entstanden wäre, wenn die Anleger sich zuvor ausreichend über das verlustreiche Geschäft informiert hätten.

Sicher, jeder sollte, bevor er seine Investitionsentscheidungen trifft, akribisch recherchieren und analysieren. Viele Anleger sind hier allzu nachlässig und machen anschließend die böse Bank dafür verantwortlich.

Doch was können normale Anleger eigentlich durchschauen? Wie groß ist ihre Mitschuld, wenn sie nach sicheren Zinspapieren fragen und hochriskante Anleihen - wie im Fall Fokker - angedreht bekommen; oder wenn ihnen gar versteckte Optionsgeschäfte - wie im Fall der Aktienanleihen - verkauft werden?

Fest steht, dass die Geldhäuser ihre Kunden beraten, aufklären und warnen müssen. Fest steht aber auch, dass den meisten Kunden der Nachweis schwer fällt, dass die Banken gegen dieses Gebot verstoßen.

Als Bankkunde bleibt Ihnen deshalb nichts anderes übrig, als sich den Geldhäusern anzupassen.

Und das heißt: Werden Sie bei Ihren Geldgeschäften bürokratisch. Bewahren Sie sämtliche Schriftstücke auf. Werden Sie misstrauisch, wenn Ihnen ein Berater eine Unterschrift mit der Bemerkung abverlangt, dass es sich nur um eine Formalität handelt. Unterschreiben Sie erst, wenn Sie verstehen, was Sie da signieren.

Bestehen Sie - vor allem wenn es um langfristige Vorhaben wie Altersvorsorge oder Immobilienfinanzierung geht - auf schriftlichen Empfehlungen und Werteinschätzungen.

Fassen Sie das Gespräch mit Ihrem Wertpapierberater zu Hause noch einmal zusammen, und schicken Sie es ihm per Einschreiben. So machen Sie Ihre Version des Beratungsgesprächs bei der Bank aktenkundig.

Schrecken Sie nicht davor zurück, sich ein Gutachten zu besorgen, wenn Ihnen die Berechnung einer Vorfälligkeitsentschädigung zu hoch erscheint.

Und fragen Sie, wenn ein Wertpapiergeschäft schief gegangen sein sollte, zuerst einen auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Anwalt um Rat, bevor Sie das klärende Gespräch mit Ihrem Bankberater suchen.

Vermutlich werden Sie das nie brauchen - der Großteil der Bankgeschäfte verläuft schließlich zur beiderseitigen Zufriedenheit. Aber sicher ist sicher - das sehen die Banken genauso.

Kundenrechte Bankentricks
Die Banken müssen über Risiken aufklären und Empfehlungen der Finanzkraft ihrer Kunden anpassen. Viele Institute stehlen sich mit der Behauptung davon, der Kunde habe das Verlustgeschäft vorgeschlagen.
Der Emissionsprospekt soll den Anlegern ein Bild vermitteln, wie sich eine Firma mutmaßlich entwickelt. Börsenprospekte liefern kein komplettes Bild, weil die Banken Prognosen in den Broschüren vermeiden.
Die Geldhäuser sind verpflichtet, kundenfreundliche Urteile des Bundesgerichtshofes umzusetzen. Ein Teil der Finanzindustrie ignoriert kundenfreundliche Richtersprüche aus Karlsruhe schlicht und einfach.

Bankenhaftung: Zehn Musterprozesse und ihre Folgen Service: Auf Anlegerrecht spezialisierte Kanzleien


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