Interview "Wir brauchen die Kontrolle"

Die Buy-out-Legenden Henry Kravis und George Roberts über Preise, Prozente und Pläne für Deals in Deutschland

mm:

Mister Kravis, Mister Roberts, den Gipfel ihres Ruhmes erreichte Ihre Private-Equity-Firma vor 13 Jahren, als Sie für die Rekordsumme von 31 Milliarden Dollar den US-Lebensmittel- und Tabakkonzern RJR Nabisco übernahmen. Seither ist wenig von Ihnen zu hören. Woran liegt das?

Roberts: Vermutlich an Ihrer Wahrnehmung. Wir waren, mit Verlaub, in den vergangenen Jahren genauso aktiv wie früher.

mm: Ihre Firma war immer spezialisiert auf die großen Deals. Doch selbst KKR hat in letzter Zeit nur wenige dieser so genannten Large-Cap-Buy-outs gemacht.

Kravis: Im vergangenen Jahr haben wir uns bei einigen Unternehmen gegen ein Investment entschieden, weil die Preise einfach keinen Sinn machten. Sie waren viel zu hoch.

mm: Die Rendite bei KKR war geradezu legendär: Sie würde niemals auch nur in die Nähe der 20 Prozent fallen, hieß es.

Roberts: Wir operieren vor allem langfristig. 20 Prozent in acht Jahren bringen mehr Dollar als 30 Prozent in zwei Jahren.

mm: Anders als früher strebt KKR jetzt nicht mehr die hundertprozentige Übernahme von Firmen an. Warum nicht?

Roberts: Wir brauchen die Kontrolle, um unseren Investoren gute Renditen zu sichern. Aber da wir nur freundliche Transaktionen vornehmen, bei denen wir auch im Aufsichtsrat vertreten sind, kann dies schon bei weniger als 100 Prozent der Fall sein. Das reicht, um das operative Geschäft zu verbessern: Umsatz, Absatz, Produkte, Gewinn. Wir sind Partner der Unternehmensführung.

mm: In Deutschland ist das Image der Buy-out-Branche mäßig. KKR tritt hier zu Lande kaum in Erscheinung.

Kravis: Wir etablieren uns. Wir haben von Siemens Siemens Nixdorf Retail and Banking Systems, heute Wincor Nixdorf, gekauft und von Bosch den Telekom-Equipment-Bereich, der heute Tenovis heißt. Wir suchen weiter. Ob wir zum Zuge kommen, hängt in erster Linie davon ab, ob uns die Leute glauben, was wir sagen.

mm: Kann man sich denn auf Ihre Ankündigungen verlassen? Tenovis etwa wollen Sie 2003 an die Börse bringen.

Kravis: Wir halten Wort. Bei Tenovis zum Beispiel kommen wir gut voran. Wir haben die Produktionsanlagen verkauft, die Firma zum Lösungsanbieter umgebaut. Aber wir müssen sicherstellen, dass unsere Investoren Geld bei einem Börsengang machen. Einen präzisen Zeitplan für ein Going Public haben wir daher nie diskutiert.

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