Investor Treuhand Sauber, Mann

Mario Ohovens Fondsvertrieb hat Ärger mit der Justiz - schlecht für das Geschäft.
Von Jonas Hetzer

Gern gibt Mario Ohoven (55) den gepflegten, wohl erzogenen Unternehmer: feinster Zwirn, der Scheitel wie mit dem Lineal gezogen, fester Händedruck, unterstrichen von der Andeutung eines Dieners - einfach formvollendet. Wie es sich für den Präsidenten des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft gehört.

Im Hauptberuf arbeitet der Geschäftsmann als Chef des Düsseldorfer Fondsvertriebs Investor- und Treuhand Beratung (IT).

In dieser Funktion scheinen Ohoven gute Manieren weniger wichtig zu sein. Harsch, geradezu cholerisch reagiert der bullige Mann auf Kritik. Mit hochrotem Kopf teilt er dann Frechheiten aus. Weniger emotional, aber nicht minder selbstherrlich kontert "Super-Mario" ("Tageszeitung") Beschwerden seiner Kunden, der Zeichner von Immobilien- und Medienfonds. Zur Not mit Unterstützung von Spitzenanwälten. Lange Zeit konnte Ohoven die Justiz auf seiner Seite wähnen. Ende Dezember freilich verurteilte erstmals ein Gericht seine Firma dazu, einem Anleger Schadenersatz zu zahlen. Mit Drückermethoden, so hatte ein 77-jähriger pensionierter Ingenieur aus Mülheim/Ruhr geklagt, soll ihm ein Steuersparmodell verkauft worden sein.

Das Saubermann-Image des Fondsvertreibers, Ehemann der Unesco-Botschafterin Ute Ohoven (55), droht schweren Schaden zu nehmen.

Das wäre schlecht für das Geschäft. Brachte doch der seriöse Eindruck, den Ohoven bei öffentlichen Auftritten mit Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Showgeschäft hinterließ, ihm viele gut betuchte Kunden.

So auch jenen Rentner aus Mülheim, der Ohoven 1997 im Düsseldorfer Hilton in lockerem Gespräch mit dem heutigen Bundeskanzler erlebte.

Einige Monate später beteiligte sich der Pensionär mit gut 125.000 Euro am Cinerenta I, einem von IT vertriebenen Filmfonds. Auf das Geschäft ließ sich der Mülheimer nach eigenem Bekunden nur ein, weil Ohovens Verkäufer ihm versichert hätten, er ginge kaum ein Risiko ein. Sogar der Vertriebsleiter der IT habe ihm erklärt, dass er binnen 18 Monaten knapp 80 Prozent seines Einsatzes durch Ausschüttungen des Fonds zurückbekäme. Garantiert.

Versprechungen ohne Halt

Versprechungen ohne Halt

Im Prospekt war von diesem Knüller nichts zu lesen. Für das Versäumnis, so erinnert sich der Anleger, bekam er eine einfache Erklärung. Das Wettbewerbsrecht untersage es der Cinerenta, mit solchen Leistungen zu werben. Der Mülheimer war überzeugt und unterschrieb.

Die Zahlungen ließen auf sich warten. Nach 21 Monaten überwies die Cinerenta erstmals Geld. Bis heute bekam der Anleger Ausschüttungen in Höhe von insgesamt 50 Prozent seiner Einlage - viel später und vor allem weit weniger als zugesagt.

Der Mann klagte und bekam in der zweiten Instanz nunmehr Recht. Die IT sowie zwei Vertriebsmänner müssen ihm die Differenz zwischen den erhaltenen Ausschüttungen und der Beteiligungssumme erstatten.

Ohoven weist sämtliche Anschuldigungen zurück. Selbst wenn sich alles so abgespielt habe, wie der Kläger behauptet, sei dies ein "Einzelfall".

Seine These untermauert Ohoven weitschweifig - vor allem mit großen Zahlen. Etwa 18.000 Anleger hätten sich seit 1981 über die IT an mehr als 400 Projekten beteiligt und die Firma zu einem der größten Vertriebe für Steuersparmodelle gemacht. Allein mit vier Fonds vom Medienfonds-Initiator Cinerenta habe IT bis heute etwa 200 Millionen Euro von knapp 4000 Kunden eingesammelt. "Keiner von ihnen hat geklagt", versichert Ohoven, "bis auf diesen einen."

Die Einzelfallthese hält der Düsseldorfer Anwalt Jens Graf (45), dessen Kanzlei das Urteil für den allzu gutgläubigen Anleger erstritt, für widerlegt. Grafs Vermutung: "Die Irreführung der Anleger hat Methode." Als Beleg verweist er auf zwei Außendienstmitteilungen der IT.

Die internen Papiere zeigen, mit welchen Tricks die Verkäufer ihre Kunden zur Zeichnung eines Fonds bewegen sollen. Das Patentrezept heißt: "Kein Prospekt, keine Erklärung, keine Berechnung".

Stattdessen viel Wortgedröhne. Beschwerden ernüchterter Anleger scheinen da programmiert. Etwa bei den Cinerenta-Fonds II und III. Beide Filmbeteiligungen brachten bislang nicht die prognostizierten Renditen. Und: "Es ist sehr fraglich, ob die im Prospekt vorgerechneten Ausschüttungen je erreicht werden", meint der Fondsexperte Stefan Loipfinger (33).

Ohoven aber ist weiter überzeugt, dass die Anleger die in Aussicht gestellte Rendite erzielen werden.

Das dachte der Vertriebschef auch einmal bei Immobilienfonds des Pleite-Initiators D.D.C., die er seinen Kunden verkaufte. Doch zwei Einkaufszentren im Raum Berlin brachten den Zeichnern hohe Verluste.

Viermal sprachen Richter Ohoven in dieser Sache bereits von jeder Mitschuld frei. Der selbstgerechte Unternehmer gibt sich optimistisch, auch die fünf noch anhängigen Verfahren zu gewinnen. Im Frühjahr soll Ohoven vor Gericht auftreten.

Dann ist seine gute Kinderstube gefragt. Richter mögen keine verbalen Entgleisungen.

Investor Treuhand: Leitfaden zum Keilen von Kunden


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