Essay Zählebige Unternehmenskulturen

Unternehmenskulturen sind zählebig und ändern sich nur langsam, selbst wenn ein neues System oder eine neue Organisationsstruktur übergestülpt wird.

Somit empfiehlt es sich auch hier, auf die Revolutionsrhetorik zu verzichten und den evolutionären Ansatz vorzuziehen. Selbst Jack Welch hat evolutionär gemanagt, trotz anders gearteter Verlautbarungen.

Beim 150-jährigen Jubiläum der Siemens AG 1997 fragte mich ein Vorstand, wie lange ich Siemens kenne und was sich in dieser Zeit verändert habe. Seiner Meinung nach seien die Änderungen revolutionär. Meine Antwort fiel anders aus: "Ich kenne die Firma seit rund 20 Jahren, meinem Gefühl nach hat sich nichts geändert. Ich vermute, dass sich auch seit 150 Jahren wenig geändert hat." Vielleicht ein bisschen übertrieben, aber nicht allzu sehr.

Was sind die Lehren aus diesen Überlegungen?

  1. Falls Sie scheitern wollen, versuchen Sie es mit der Revolution. Ansonsten empfehle ich die Evolution.
  2. Entwickeln Sie eine gehörige Portion Skepsis gegenüber allem Revolutionsgetöse, selbst wenn dieses mit scheinbar überzeugenden Beispielen unterlegt wird. Versuchen Sie stattdessen zu verstehen, was wirklich vorgeht.
  3. Lassen Sie sich nicht von kurzfristigen Erfolgsstorys blenden, die angeblich auf revolutionärem Wege erreicht wurden. Warten Sie ab, ob der Erfolg auch langfristig anhält.
  4. Verstehen Sie gutes Management primär als volutionär, als Politik der kontinuierlichen kleinen Verbesserungen.
Wenn Sie viele kleine Dinge etwas besser machen als Ihre Konkurrenten, dann wird Ihr Erfolg in der Tat revolutionär sein.

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