Aston Martin Vanquish Style-Vorlage

Der Aston Martin Vanquish setzt Maßstäbe im Sportwagenbau: ein Bolide im Designerdress. mm-Testerin Camilla Rhodes war in jeder Hinsicht entzückt.

Das nenne ich Karosseriedesign!" Die Frau im schwarzen Top umrundet bewundernd den großen Sportwagen in ihrer Einfahrt: "Rasant, kraftvoll, stilbewusst".

Camilla Rhodes kommt gleich zur Sache: "Wie viel läuft der?" Im Kopf rechnet sie die 306 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit des Aston Martin Vanquish um. "190 Meilen pro Stunde. Das sollte genügen."

In ihrem Dienstwagen, einem Porsche 911 Coupé, fährt die Verlagsgeschäftsführerin der Londoner "Times" und der "Sunday Times" gern schnell. "So oft sich Gelegenheit bietet - und so oft ich sicher sein kann, nicht erwischt zu werden." In Großbritannien herrscht ein generelles Tempolimit von 70 mph, umgerechnet knapp 115 Stundenkilometer. "Viel zu wenig", seufzt die temperamentvolle Managerin. "Und viel zu viele Radarfallen ..."

Für den Medienmogul Rupert Murdoch, über eine Holding Besitzer der "Times", hat sie vor einigen Jahren den heftigsten Preiskampf des britischen Zeitungsmarktes mit ausgefochten: Das honorige Blatt, damals nur Nummer vier im Auflagen-Wettbewerb, senkte den Preis schlagartig um ein Drittel - auf Billigklassen-Niveau. "Was dann kam", sagt Rhodes, "war nichts für schwache Herzen."

Doch der befürchtete Imageverlust blieb aus. Das Marketingkonzept von Rhodes' Team ging auf, heute ist die "Times" die zweitgrößte englische Qualitätszeitung. Camilla Rhodes ist also Anspannung gewöhnt.

Nervös macht sie nur der chronische Verkehrsstau der Londoner City, der das 460-PS-Gefährt fesselt. "Seit einer Stunde kommt die Automatik nicht über die erste Stufe hinaus", schimpft die dynamische Geschäftsfrau im Stadtteil Knightsbridge. "Was nützen mir da sechs Gänge und eine Tiptronic?"

Wenigstens, räumt sie ein, könne sie so die Aufmerksamkeit der Passanten genießen, die das auffällige Äußere des vollkommen neu entworfenen Sportwagens auf sich zieht.

Wenn zwölf Zylinder losbrüllen

Wenn zwölf Zylinder losbrüllen

Auch im Innenraum findet sie viele bewundernswerte Ausstattungsdetails: etwa die markanten, übersichtlichen Rundinstrumente, das perfekte Soundsystem ("Der Klang ist so überwältigend, als wäre das Auto um die Lautsprecher herumgebaut") und das elegante Design mit Leder- und Aluminiumoberflächen.

Der Dachhimmel ist verkleidet mit abgestepptem Wildleder - in derselben Note wie das noble Glattleder des übrigen Interieurs. "Ein wunderbares Rot", schwärmt Camilla Rhodes. "Ich besitze ein paar Schuhe in exakt diesem Farbton." Sie lacht.

Nach dem Fototermin kann sie gar nicht schnell genug auf den Motorway kommen. Beim Ampelstart - Englands Stadtautobahnen sind nicht kreuzungsfrei - schießt der Vanquish los wie ein Bolide. "Sagenhaft", entfährt es der Fahrerin jedes Mal. Spaßeshalber tritt sie auch mal kräftig auf die Bremse: "Maximal sicher", so ihr knappes Urteil.

Auf dem Nachhauseweg durchquert Camilla Rhodes den Richmond Park, der an ihr nobles Wohnviertel im Londoner Südwesten angrenzt. "König Heinrich VIII. hat den Park im 16. Jahrhundert als sein privates Jagdrevier angelegt", erklärt sie.

Über die kleinen Sträßchen, die sich durch die offene, kultivierte Landschaft winden, wieselt der Vanquish flink wie ein Porsche. "Aber wesentlich ausgeglichener, komfortabler, souveräner", findet die Testerin.

Sie lobt das Fahrwerk und die optimal abgestimmte Lenkung, die den Fahrer vergessen lässt, dass er 255er Breitreifen steuern muss. Die sorgen dafür, dass der Vanquish immer neutral und solide auf der Straße liegt. Auch wenn die Pilotin wieder das Gaspedal durchtritt und die zwölf Zylinder unter der Haube losbrüllen, als wollten sie den Soundtrack von "Jurassic Park" in König Heinrichs Jagdrevier übertragen. "Wunderbar", sagt die Fahrerin nach jedem Sturm und Drang. Sie lächelt, als schmölze ein Savoy Truffle auf ihrer Zunge.

Auf dem Parkplatz vor ihrem Haus fährt Camilla Rhodes noch einmal mit der Hand die scharfen Konturen der Karosserie nach. "Ich glaube", sagt sie versonnen, "ich sollte den Vanquish auf meine Einkaufsliste setzen."

mm-Fazit - Libido auf Knopfdruck

manager-magazin-Fazit: Vanquish bündelt Superlative

Der Sound, den Aston Martins Vanquish-Maschine beim Betätigen des Starterknopfs von sich gibt, bildet die derzeit wohl kürzeste Verbindung zwischen Ohr und Unterleib: Es ist purer Sex, was da aus Motorhaube und Auspufftopf hervorquillt, gleichermaßen wirksam bei Männern wie bei Frauen. Wer das bezweifelt, dem fehlt nicht nur der Sinn für Motoren. Auch der für Sex.

Der Vanquish (verkürzt für "der Besieger") bündelt Superlative: Das Zwölf-Zylinder-Aggregat beschleunigt den massig wirkenden Zweisitzer auf 306 Stundenkilometer. Schon bei 2000 Umdrehungen liegt ein gewaltiges Drehmoment von 470 Newtonmetern an; kein Serienauto reagiert schneller und zugleich souveräner auf den Gasfuß des Fahrers.

Die Karosserie ist ein Schmuckstück aus Aluminium und Kohlefaser. Das Fahrwerk vermittelt kerniges Sportwagengefühl und erlaubt dennoch müheloses Dahingleiten - stunden-, am liebsten lebenslang.

Kritik macht sich an Kleinigkeiten fest: Der Fußraum ist so eng und tief, dass schon mittelgroße Fahrer beim Einsteigen ihre schmutzigen Schuhsohlen kaum von den Hosenbeinen fern halten können. Das flache Heckfenster engt das Blickfeld nach hinten stark ein, vorn ist die Karosserie sehr unübersichtlich. Einparken wird zum Horrortrip.

Im Stand, etwa an der Ampel, flirren über den Abluftgittern der Motorhaube dicke Säulen heißer Luft - irritierend wie eine Fata Morgana. Aber wer will mit einem Vanquish lange stehen?

Technik: Heckgetriebenes, zweisitziges Sportcoupé mit V12-Zylinder-Motor, 460 PS (338 KW) aus 5935 ccm; Sechs-Gang-Automatik/Tiptronic.

Fahrwerte: Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 5,6 Sekunden; Höchstgeschwindigkeit 306 km/h.

Verbrauch: 11,8 bis 23,8 l/100 km; im mm-Test 17,9 l/100 km.

Preis: 228.036 Euro.

Serienausstattung: Klimaautomatik, Connolly-Leder, elektronische Reifendruckkontrolle, Antriebsschlupfregelung (ASC), Regen- und Lichtsensoren für automatische Scheibenwischer- und Scheinwerferschaltung.

Sonderausstattung: Navigationssystem (2929 Euro), beheizbare Frontscheibe (644 Euro), Regenschirm mit Halterung (153 Euro).