Wirtschaftsanwälte Platz in der Spitzengruppe

Was Skadden-Partner Michael Schell in Deutschland plant

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Anfang der 90er Jahre hat Skadden Arps versucht, in Deutschland Fuß zu fassen. Doch Ihre Frankfurter Dependance blieb relativ unbedeutend. Jetzt unternehmen Sie einen zweiten Anlauf. Ergebnis siehe Versuch Nummer eins?

Schell: Das glaube ich nicht. Wir sind damals zurückhaltender aufgetreten als unsere Wettbewerber und bewusst nicht in die deutsche Beratung eingestiegen. Rückblickend gesehen, wäre es vielleicht kein Fehler gewesen, wenn wir aggressiver vorgegangen wären. Doch die Marktbedingungen waren damals andere.

mm: Warum?

Schell: Das heutige Umfeld ist offener und ermöglicht es uns, deutsche Klienten zum Beispiel bei inländischen Transaktionen zu beraten.

mm: Ist es jetzt nicht schon zu spät? Einige der besten Kanzleien und Anwälte arbeiten inzwischen für Ihre amerikanischen und britischen Konkurrenten. Wer noch zu haben ist, für den müssen Sie viel Geld bezahlen.

Schell: Wir konnten bereits eine Reihe von hoch qualifizierten deutschen Anwälten gewinnen. Weitere werden folgen. Außerdem: Es geht nicht allein ums Geld, sondern in erster Linie um die Qualität, die Ethik, den Stil einer Kanzlei und die Anziehungskraft, die sie auf Mandanten ausübt.

mm: Skadden Arps ist eine der mächtigsten Rechtsfirmen der Welt. Warum übernehmen Sie nicht eine deutsche Kanzlei und lösen damit alle Probleme im Handstreich?

Schell: Wenn wir wachsen und gleichzeitig unsere Kultur und Qualität bewahren wollen, müssen wir sicherstellen, dass die neuen Kollegen Teil der Kultur von Skadden Arps werden. Ein solcher Integrationsprozess ist schwierig, wenn man 50 Leute auf einmal holt.

mm: Einige Ihrer Konkurrenten gehen diesen Weg.

Schell: Das mag sein. Aber Akquisitionen sind kein wesentlicher Teil unserer Strategie. Wir haben so etwas noch nie gemacht, nirgendwo, nicht einmal in den Vereinigten Staaten.

mm: Sie schließen eine Akquisition kategorisch aus?

Schell: Man soll niemals nie sagen.

mm: Hengeler Mueller, eine der renommiertesten deutschen Wirtschaftskanzleien, wäre doch ein interessanter Partner für Sie.

Schell: Hengeler ist eine hervorragende Kanzlei. Aber sie kooperiert bereits mit der britischen Sozietät Slaughter & May und mit Davis Polk in New York.

mm: In einer eher lockeren Allianz.

Schell: Ich weiß, dass im Moment viel über Hengeler spekuliert wird. Aber sie sind ziemlich erfolgreich und gesund als unabhängige Firma.

mm: Sie sind entschlossen, Ihren Frankfurter Ableger, in dem derzeit etwa 20 Anwälte arbeiten, ohne Zukäufe auszubauen?

Schell: Ja. Wir werden mittelfristig auf 50 bis 60 Anwälte aufstocken, alle in Frankfurt.

mm: Eine Kanzlei mit fünf Dutzend Advokaten an nur einem Standort zählt selbst in Deutschland kaum zu den Großen.

Schell: Auf den für uns vorrangigen Feldern der Beratung bei Mergers & Acquisitions und Kapitalmarkttransaktionen ist man damit in der deutschen Spitzengruppe durchaus konkurrenzfähig. Wir wollen das in den nächsten zwei bis drei Jahren schaffen. Das ist schon ziemlich ehrgeizig - aber auch realistisch.

* Das Interview führte Korrespondent Klaus Boldt.


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