Montag, 23. September 2019

Bankengesellschaft Berlin Flowers möchte den Konzern als Ganzes übernehmen

Auch im öffentlich-rechtlichen Lager nimmt man den Außenseiter ernst. Kein Wunder: Flowers möchte den Konzern als Ganzes übernehmen und würde auf diese Weise den Sitz am Bankenplatz Berlin erhalten – ein wesentlicher Wunsch des Landes.

Verbandspräsident Hoppenstedt will Berlin nicht aufgeben.
DPA
Verbandspräsident Hoppenstedt will Berlin nicht aufgeben.
Derartiges hat Hoppenstedt nicht zu bieten. Er tut sich schwer, ein Gesamtangebot seiner Gruppe zu organisieren. Mehrmals verweigerten ihm seine Truppen die Gefolgschaft. Er bringt allenfalls eine Lösung zu Stande, bei der die Bank zerteilt würde und ihre Steuerung nicht in Berlin bliebe.

Der DSGV-Chef verfolgt einen von J. P. Morgan entwickelten Plan: Danach soll die freie Hamburger Sparkasse (Haspa) – ein nicht kommunal getragenes Institut – eine Minderheit von knapp 50 Prozent am breiten Privatkundengeschäft (Retail) erwerben. Die Haspa soll aber die unternehmerische Führung in diesem Bereich übernehmen, zu dem das Geschäft der Berliner Sparkasse zählt.

In eine neue Einheit einbringen könnte sich die Mittelbrandenburgische Sparkasse aus Potsdam. Anteile würden die NordLB, eine DSGV-Gesellschaft und eventuell Berlin halten. Die öffentliche Rechtsform wäre so trotz der dominierenden Rolle der Haspa bewahrt – Hoppenstedts Ziel.

Stünde die von Lehman Brothers beratene Haspa doch nicht zur Verfügung, hätte der DSGV-Chef noch eine Ersatzlösung: Einige andere Großsparkassen würden dann einspringen.

Ergänzt werden müsste das Retail-Angebot dadurch, dass die NordLB das Großkundengeschäft übernimmt. Deren Chef Manfred Bodin (61) will das zwar, verhandelt aber hart: Er möchte möglichst billig zukaufen und möglichst wenige Risiken schultern.

Hoppenstedt weiß, dass er gegenüber Flowers Nachteile hat – nicht nur, weil Bodins Taktieren den Berliner Senat schon bald gewaltig nerven könnte und sein Modell komplizierter klingt als das des US-Investors.

Flowers kann nach Einschätzung von Branchenkennern mobilisieren, woran es bei der Sparkassen-Gruppe hapern dürfte: viel Geld – aus internationalen Private-Equity-Töpfen – und geballte Managementkapazität. Außerdem würde das Land bei dem Amerikaner nicht auf einer Restbank mit den Immobilienrisiken sitzen bleiben.

Hoppenstedt muss deshalb hoffen, dass sich in Berlin die Angst vor dem Unbekannten durchsetzt. Seine Argumente: Verlässlichkeit und langfristige strategische Partnerschaft.

Freilich will auch der Konkurrent Vertrauen schaffen – mit der Einbindung Pöhls. Ginge es nach Flowers, würde der Ex-Währungshüter nach einer Übernahme sogar Aufsichtsratschef der Bank werden.

© manager magazin 10/2001
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