Forum Leserbriefe

Starker Anreiz


Corporate Governance:Unternehmenskontrolle in deutschen Aktiengesellschaften (mm 8/2001) 

Die besten Corporate-Governance-Richtlinien bringen den Stakeholdern nichts, wenn das Gremium, das für die Einhaltung verantwortlich zeichnet, schwach ist. Wie unsere jährliche Studie zu den Verwaltungsräten börsennotierter Unternehmen in der Schweiz zeigt, ist der zentrale Schwachpunkt der Corporate Governance das Führungsgremium selbst. Unfähigkeit, Abhängigkeit, Arroganz, Maßlosigkeit und Überkreuzmandate sind Stichwörter dazu.

Ein unschönes Beispiel aus jüngster Zeit ist die Swissair Group: Da konnte ein von einem weitgehend politisch zusammengesetzten Aufsichtsgremium offenbar schlecht kontrollierter CEO das Unternehmen in kurzer Zeit an die Wand fahren.

Die neue Oxford-Studie von Stiles und Taylor kommt zum Schluss, dass ein gut zusammengesetztes Aufsichtsgremium ein starker Anreiz für das Management ist, bestmögliche Resultate zu erwirtschaften. Wer die Ergebnisse studiert, dürfte zu dem Schluss kommen, dass sich in vielen Unternehmen im obersten Führungsgremium ein Erneuerungsprozess aufdrängt.

Sandro V. Gianella,
Knight Gianella & Partner AG, Zürich

Unbekümmert und rücksichtslos

Gehälter: Deutschlands Topmanager haben das rechte Augenmaß für eine angemessene Bezahlung verloren (mm 8/2001)

Als sich 1966 die erste Nachkriegsrezession ankündigte, hat ein gewisser Herr Beitz (wie die gesamte Belegschaft) auf 5 Prozent seines Jahresgehalts verzichtet und damit dem von ihm geleiteten Krupp-Konzern immerhin 50 000 Mark Personalaufwand erspart, um zur Sicherung der Arbeitsplätze beizutragen.

Daran sollten sich nicht allein die Gewerkschaften ein Beispiel nehmen, sondern in erster Linie die Vorstände der deutschen Aktiengesellschaften.

Stefan Riedl,
per E-Mail

Man kann die wirtschaftlichen Aktivitäten in unserem Land nur mit großer Sorge betrachten, wenn sich Konzernlenker wie Jürgen Schrempp unbekümmert und ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage ihrer Unternehmen Vergütungen genehmigen, die in keinem Verhältnis zu ihren Leistungen stehen.

Wer hält solche "Manager" in Schranken? Obszön ist noch eine milde Beurteilung dieses Verhaltens.

Otto Kremer,
Limburg

Selektive Wahrnehmung

Gründer: mm-Redakteur Christian Rickens über die gescheiterten New-Economy-Pioniere (mm 8/2001) 

Die Gründer sind nun die einzigen Buhmänner, und es wird schnell vergessen, wie sie in der heißen Phase zum Teil von Banken, Beratern und Anwälten vorwärts gepeitscht wurden.

Zum anderen legt insbesondere ein Großteil der Medien eine dergestalt selektive Wahrnehmung an den Tag, dass nur noch solche Neuigkeiten registriert und kommuniziert werden, die die derzeitige Talfahrt zu bestätigen scheinen. Insofern freut es mich immer sehr, wenn jemand gegen den allgemeinen Trend die Stimme erhebt.

Kaspar Pflüger,
per E-Mail

Eine Anmerkung zu Ihrem Artikel habe ich : Durch die großzügige staatliche Förderung wurde der VC-Boom in gewisser Weise erst ermöglicht und auf jeden Fall zusätzlich angeheizt. Es wird in der Presse selten darüber berichtet, dass die Co-Investmentprogramme und Ausfallbürgschaften das Entstehen der Spekulationsblase wesentlich gefördert haben.

Patrick Hager,
per E-Mail

Beispielhaftes Portal

E-Business: Die sieben Todsünden beim Aufbruch ins elektronische Geschäft (mm 8/2001)

Die Zahl und Auswirkung der themenübergreifenden Fragestellungen wird unterschätzt. Gehören rechtliche Fragestellungen, die zum Beispiel die Anzeige bestimmter Daten erforderlich machen in einer je nach Land und/oder Zielgruppe unterschiedlichen Menge und variierenden Reihenfolge, in den Bereich Strategie, Technologie oder Gestaltung? Und die (optimale) Visualisierung von Informationen kann eine Reihe von technischen Anforderungen nach sich ziehen, die zum Beispiel auf die Auswahl eines Technologiepartners und das technische Konzept erheblichen Einfluss haben kann.

Aus diesem Grund ist mein Rat, auf jeden Fall alle drei beteiligten Parteien gleichzeitig an einem Tisch zu haben und auch alle gleichberechtigt zu Wort kommen zu lassen ­ aus Ihrer Erklärung von B2C (Back to Consulting) ist ja bereits ableitbar, dass die Höhe des Tagessatzes eines Dienstleisters kein Kriterium für seine Internet-Expertise (beziehungsweise seinen Erfolg) ist.

Kai Petersen,
per E-Mail

Die Darstellung unseres E-Business-Projekts hat uns etwas überrascht. Unsere B2B-Plattform bietet in-zwischen unseren Handelspartnern direkte Zugriffsmöglichkeiten auf Produktdaten, Lieferverfügbarkeiten, kundenspezifische Preise, Auftragsannahme und zahlreiche weitere relevante Funktionen. Das komplette System ging zehn Tage nach dem Gespräch mit Ihrem Redakteur online. Binnen fünf Wochen haben rund 10 Prozent der angeschriebenen 6000 Händler die Freischaltung beantragt. Wir haben sehr positive Rückmeldungen von unseren Handelspartnern, und der Branchendienst "Markt Intern" legte seinen Lesern im Handel in der jüngsten Ausgabe nahe, die durch das System angebotenen "Erleichterungen sollten auch für Sie daher eigentlich Grund genug sein, sich bei den Nürnbergern als Nutzer registrieren zu lassen".

Der Zeitplan wurde im Übrigen nicht um die von Ihnen behaupteten neun Monate überschritten, und alle wesentlichen Funktionen sind in der Anfangsversion verfügbar, ergänzende Funktionalitäten werden in das nächste Release eingebunden.

Also, das AEG-Projekt als ein "Beispiel, wie es um die E-Business- Bemühungen in Deutschlands Unternehmen bestellt ist"? Ja, das B2B-Portal ist beispielhaft. Fragen Sie unsere Kunden.

Ulrich Gartner,
Electrolux, Nürnberg

In Ihrem Beitrag wird behauptet, dass beim Internet-Auftritt von Neckermann Reisen, einer Marke der Thomas Cook AG, die Anbindung des Buchungsmoduls an das zentrale Reservierungssystem vergessen wurde: "Dummerweise überlegte sich niemand, wie die Seiten mit dem zentralen Reservierungssystem verbunden werden sollten." Diese Aussage trifft nicht zu.

Neckermann Reisen ist seit 1998 im Internet mit einer Web-Seite vertreten. Online-Buchungen von Ferienreisen sind dort seit Anfang 1999 möglich.

Dagmar Rotter,
Leiterin Pressestelle Thomas Cook AG, Oberursel

Freies Lachen

Kommentar: mm-Autor Holger Rust über die neue Spezies der Humorberater (mm 8/2001) 

Nicht schieres Lachen ist angesagt, wohl aber eine Wertediskussion über die Gesellschaft, in der wir zukünftig leben wollen. Da geht es nicht um Humorräume, sondern um politische Steuerung in einer zunehmend global organisierten Wirtschaft. Da geht es um Wohlstand, um Sicherheit, Gesundheit, um Chancen (auch die künftiger Generationen). Wenn wir diesbezüglich zu tragfähigen Lösungen gelangen, brauchen wir keinen gekünstelten Witz, sondern können von innen heraus wieder frei lachen.

Karin Fontaine,
IKOM-Seminare, Hamburg

Keineswegs enterbt

Erben: Die Folgen eines schlechten Testaments (mm 2/2001)

In Ihrem Artikel beschreiben Sie meine angebliche Rolle beim Verkauf des Gewürzherstellers Ostmann im Jahre 1994.

Die gesamte Darstellung beruht jedoch offensichtlich auf einer Verwechslung. So wurde weder meine Ehe mit Andrea Breuer geb. Steinborn, der Tochter der vormaligen Eigentümerfamilie Steinborn, aufgelöst, noch sind meine Frau und meine Tochter bei einem Autounfall ums Leben gekommen und die Unternehmensgruppe Ostmann dadurch auf mich übergegangen.

Schließlich trifft es keineswegs zu, ich hätte anschließend die Ostmann-Gruppe gegen den vermeintlichen Willen der Familie Steinborn an einen australischen Konzern veräußert. Dies war schon deshalb nicht möglich, weil ich gar nicht als Gesellschafter oder Geschäftsführer tätig war.

Richtig ist vielmehr, dass sich sowohl meine Frau als auch unsere drei Söhne bester Gesundheit erfreuen, unsere Ehe nicht geschieden ist und ich mit dem seinerzeitigen Verkauf der Ostmann-Gruppe nichts zu tun hatte. Seit dem 01.04.1996 sind meine Ehefrau Andrea und ich geschäftsführende Gesellschafter der AHB-Formdesign GmbH, eine Luxusmanufaktur im Fernsehbereich, welche seit Jahren zweistellige Zuwachsraten erzielt und welche in Europa im Holzdesign von Fernsehgeräten eine Monopolstellung hält. Dieses Unternehmen stand und steht in keinerlei Beziehung zur Ostmann-Gruppe.

Anm. d. Red.: Herr Breuer hat Recht. Wir bedauern die Verwechslung.

Hubertus Breuer,
Saerbeck

Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften zu kürzen.

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