Wirtschaftspolitik Die deutsche Krankheit

Deutschland wächst kaum noch, die Arbeitslosenzahlen steigen, der Osten fällt zurück. Und die Politiker verharren wie gelähmt. Was bringt das Land aus der Krise? Acht Therapievorschläge.

Nein, mit Ratschlägen von außen braucht man dem Kanzler nicht zu kommen.

Die Arbeitsmärkte soll er liberalisieren, empfiehlt die OECD? Na, sagt Gerhard Schröder dann etwas gereizt, "auch in der OECD wird nur mit Wasser gekocht". Also bitte!

Deutschland wächst dieses Jahr wieder mal so langsam wie kein anderes EU-Land, bemängelt die Europäische Kommission? "Jetzt muss man doch mal die Kirche im Dorf lassen." Deutschland sei schließlich nicht Portugal oder Irland oder die Niederlande. Da gebe es doch "einen Unterschied". In der Tat. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass diese Länder mehr Wachstum, mehr Wohlstand, mehr Jobs schaffen. Schon seit Jahren.

Es ist noch nicht lange her, da war die Situation umgekehrt: Bis in die 80er Jahre galt Deutschland international als Vorbild, als Modellstaat. Wachstum, sozialer Ausgleich, solide öffentliche Finanzen, relativ geringe Arbeitslosigkeit - der "rheinische Kapitalismus" war der europäische Gegenentwurf zum US-Modell.

Hätte vor zehn Jahren jemand vorhergesagt, dass sich die Arbeitslosigkeit und die Staatsverschuldung drastisch erhöhen würden, dass Deutschland in Europa am langsamsten wachsen würde, dass die neuen Länder nach anfänglichem Aufschwung wieder zurückfallen würden und dass, schlimmer noch, aus all diesen Krisensymptomen kaum politische Schlussfolgerungen gezogen würden - niemand hätte es geglaubt.

Wie konnte es so weit kommen?


Gefährlicher Reformstau

Eine Anamnese des deutschen Patienten von Henrik Müller

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