Online-Reports Schwacher Auftritt

Nur wenige Unternehmen nutzen die Möglichkeiten, die das Internet bietet, um ihren Investoren Zusatzinformationen zu liefern.
Von Patricia Döhle und Ulric Papendick

Sie gelten als Experten für Internet-Dienstleistungen unterschiedlichster Art: Consors, einer der führenden Online-Broker hier zu Lande; Intershop, einst hoch gelobter Anbieter von E-Business-Software; und T-Online, von Lesern der Fachzeitschrift "Connect" unlängst zum "Online-Dienst des Jahres 2001" gekürt.

Wenn es um die internetgerechte Aufbereitung ihres Geschäftsberichts geht, sind es aber ausgerechnet diese Online-Anbieter, die am schlechtesten von allen Unternehmen abschneiden.

Erstmals unterzog manager magazin in diesem Jahr nicht allein die gedruckten Reports, sondern auch deren Online-Versionen einer ausführlichen Prüfung. Bewertet wurden unter anderem Navigation und Nutzerführung sowie die mediumspezifische Aufarbeitung des Geschäftsberichts (siehe "Kriterienkatalog 'Online-Geschäftsberichte'"). Ein Team aus Online-Experten der Fachhochschule Mainz untersuchte detailliert die Internet-Geschäftsberichte von 125 Unternehmen aus den Kategorien Dax 30, Stoxx 50, M-Dax, S-Dax, Nemax 50 und Börsenneulinge. Dabei handelte es sich um die Firmen, die inhaltliche Mindeststandards erfüllt hatten.

Erstaunlichste Erkenntnis der Untersuchung: Nahezu alle Vertreter der neuen Wirtschaft lieferten miserable Ergebnisse ab, obwohl die Geschäftsmodelle vieler dieser Firmen ohne das Internet gar nicht denkbar wären.

Die Unternehmen des Nemax 50, in dem die New Economy vorwiegend vertreten ist, kamen im Schnitt auf 12,6 Prozent der zu erreichenden Höchstpunktzahl. Schulnote: "mangelhaft".

Noch schlechter schnitten die Börsenneulinge ab, von denen der Großteil ebenfalls am Neuen Markt notiert ist. Sie erreichten durchschnittlich nur 11,06 Prozent der Gesamtpunktzahl.

Kein einziges der New-Economy-Unternehmen lieferte eine für Aktionäre und andere interessierte Anleger praktikable Online-Version des Geschäftsberichts ab. "Was dem Nutzer dort geboten wird", so Julian Weiss, Mitglied des Prüfungsteams, "ist schlicht unzumutbar."

Beispiel T-Online: Der Internet-Provider begnügt sich damit, den gedruckten Geschäftsbericht als so genanntes PDF-File, als Dokument zum Herunterladen also, ins Internet zu stellen.

Wer sich online über die Telekom-Tochter informieren will, kann keinen Blick in den Report werfen; er kann auch nicht bestimmte Abschnitte auswählen, die ihn besonders interessieren. Er muss erst das gesamte Dokument auf seinen Computer laden, was bei Standard-PC gut und gern zehn Minuten dauern kann - umfangreicheren Reports als dem relativ kurzen T-Online-Bericht sogar noch länger.

Blamabel für ein Internet-Haus wie T-Online. Allerdings lieferten auch Traditionsunternehmen wie die Allianz oder Volkswagen kein besseres Angebot ab. Insgesamt erwiesen sich 46 Prozent aller von der mm-Jury getesteten Internet-Reports als simple PDF-Files.

Nur wenige Unternehmen nutzen für die Online-Aufarbeitung ihres Geschäftsberichts internetspezifische Möglichkeiten wie Bewegtbilder oder animierte Texte (6 Prozent aller Unternehmen). Auch Hörelemente (2 Prozent) oder eine Vernetzung des Berichts durch Links, die dem Nutzer weiterführende Informationsangebote erschließen (32 Prozent), sind selten.

Top im Internet
Die besten Online-Geschäftsberichte

Rang Unternehmen Urteil
1 Celanese gut
2 Ericsson gut
3 Siemens gut
4 Lufthansa befriedigend
5 Preussag befriedigend
6 Alcatel befriedigend
7 Aegon befriedigend
8 Credit Suisse First Boston befriedigend
9 BMW befriedigend
10 Jungheinrich befriedigend

Insgesamt schnitten die Bluechips aus dem Dax 30 und dem Europa-Index Stoxx 50 zwar noch am besten ab. Mit im Schnitt 32,4 Prozent (Stoxx) und 28,1 Prozent (Dax) waren die Resultate aber auch bei diesen etablierten Standardwerten eher dürftig.

Bei den meisten Unternehmen hat sich offenbar noch nicht herumgesprochen, dass eine internetgerechte Aufarbeitung des Geschäftsberichts zum Standard guter Investor Rela-tions gehören sollte. An Kostenüberlegungen kann es nicht liegen. Jens Kurth, beim Online-Sieger Celanese für die Internet-Version verantwortlich: "Der Online-Auftritt macht nur einen Bruchteil der Gesamtkosten des Geschäftsberichts aus."

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