Entrepreneure des Jahres Die Unbeirrbaren

Eine unabhängige Jury kürte Deutschlands beste Entrepreneure aus kleinen und mittleren Unternehmen. Die fünf Preisträger sind ungewöhnlicheTypen, die ihre ganz eigenen Wege gehen. Sie schaffen Arbeitsplätze und setzen sich auch auf schwierigen Märkten durch. manager magazin stellt die Sieger vor.

Die Bayern waren mal wieder schneller. Im Juli des vergangenen Jahres verliehen sie Stefan Vilsmeier den Bayerischen Verdienstorden. Der 33-jährige Gründer des Medizintechnikunternehmens Brainlab aus Heimstetten bei München ist nun der jüngste Träger dieser Auszeichnung.

Am 11. September wurde Vilsmeier erneut gelobt. Eine unabhängige Jury kürte ihn im Rahmen einer feierlichen Gala in der Frankfurter Alten Oper zum "Entrepreneur des Jahres 2001" in der Kategorie Informationstechnologie.

Vilsmeier wird mit dem Preis für seine herausragende unternehmerische Leistung gewürdigt, ebenso wie die vier weiteren Preisträger in den Kategorien Handel, Dienstleistungen, Industrie und Start-up (siehe "Die fünf Sieger im Überblick").

Bereits zum fünften Mal stellen mm, die Deutsche Bank, SAP, die Deutsche Börse, die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und Cap Gemini Ernst & Young mit diesem Wettbewerb erfolgreiche Unternehmer ins Rampenlicht. Wichtigstes Auswahlkriterium ist das Beschäftigungswachstum (siehe "Methode - So werden Sieger gemacht").

Die rege Beteiligung am Wettbewerb ist erneut ein Indiz dafür, dass es in Deutschland viele kleine und mittlere Unternehmen gibt, die ihre Karten offen legen, die sich mit anderen messen lassen; ganz im Gegensatz zum Klischee vom typischen Mittelständler, der seine Millionen im Verborgenen verdient und froh ist, wenn es keiner merkt.

Rund 300 Unternehmen reichten ihre Unterlagen ein, 79 kamen in den Kreis der Finalisten (siehe "Die 79 Finalisten im Überblick").

Basierend auf den Daten der Teilnehmer, erstellten die Experten von Cap Gemini Ernst & Young eine Studie, die Aufschluss gibt über die Strategien und Erfolgsgeheimnisse der Entrepreneure, die aber auch ihre Befürchtungen bezüglich der künftigen Entwicklung benennt. Ein Stimmungsbild des deutschen Mittelstandes.

Brainlab, das Unternehmen des Siegers in der Kategorie Informationstechnologie, steht stellvertretend für das raue Klima, das derzeit am Kapitalmarkt herrscht. Nach zwölf Jahren stetigen Wachstums im In- und Ausland wollte Gründer Vilsmeier im Juli an den Neuen Markt gehen, um die weitere Expansion des 375-Mitarbeiter-Unternehmens zu finanzieren. Am letzten Tag der Präsentation des Unternehmens vor potenziellen Investoren sagte Vilsmeier den Börsengang ab. Begründung: allgemeiner Käuferstreik der Investoren.

Die schlechte Stimmung an der Börse vergällt vielen Mittelständlern die Lust auf ein Going Public. Die Finalisten-Studie belegt, dass nur noch knapp ein Drittel der untersuchten Unternehmen derzeit einen Börsengang plant, im Jahr 2000 war es noch fast die Hälfte.

Angesichts der vielen Misserfolge hegen nur noch wenige Entrepreneure den Wunsch, das Wachstum durch Akquisitionen oder Fusionen zu beschleunigen. Beim letztjährigen Wettbewerb plante fast die Hälfte der befragten Unternehmer einen Zusammenschluss oder eine Übernahme. Jetzt will nur noch ein Viertel der Befragten den Umsatz auf diesem Wege ausweiten. Zurück zu den Kernkompetenzen, Konzentration auf das interne Wachstum, lautet nun die Devise.

Damit jedoch kein falsches Bild entsteht: Die Mehrzahl der 79 Finalisten agiert seit Jahren sehr erfolgreich und blickt trotz der augenblicklichen Flaute frohgemut in die Zukunft. Die meisten Unternehmen verzeichnen seit ihrer Gründung ein überproportionales Wachstum. Im Durchschnitt steigerten sie ihre Umsätze im Jahr 2000 um satte 38 Prozent gegenüber 1999. Die Belegschaften wuchsen im gleichen Zeitraum um 31 Prozent.

Auffallend ist das Alter der Firmen. Über zwei Drittel sind jünger als zehn Jahre.

Die Unternehmer haben neue Produkte auf den Markt gebracht und fordern frech und selbstbewusst große Unternehmen heraus. Fast ein Drittel der Finalisten bezeichnet sich als Marktführer.

Da ist ganz offensichtlich eine Generation selbstsicherer Entrepreneure herangewachsen, die mutig ihre Chancen ergreift, so ganz nach dem Motto: keine Angst vor großen Tieren.

Brainlab-Gründer Vilsmeier spricht wohl stellvertretend für viele andere Firmengründer, wenn er als einen Grund für seinen Erfolg "Furchtlosigkeit" nennt. Eine der wichtigsten Erfahrungen, die Vilsmeier beim Aufbau seines Unternehmens machte, lautet schlicht und einfach: "Die anderen kochen auch nur mit Wasser."

Claus G. Schmalholz

Einzel-Porträts: Die fünf Sieger

Überblick: Die 79 Finalisten

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