Bayer Pillenknick

Wieder einmal musste ein deutsches Unternehmen schmerzvoll erfahren, was es bedeuten kann, in Amerika Geschäfte zu machen.

Die Welt kann bekanntlich außerordentlich schlecht sein. Und ganz schlecht ist, dass man es ihr nur unterstellen, aber nicht beweisen kann. Ein Sachverhalt, der zurzeit besonders die Bayer AG bekümmert, eine Firma, die hinlänglich bekannt ist und zwar für gute, ehrliche, anständige Chemie- und Pharmaprodukte.

Anfang August zog der Konzern seinen erfolgreichen, aber offenkundig nicht nebenwirkungsfreien Cholesterinsenker Lipobay aus dem Verkehr: ein betriebswirtschaftliches Desaster, das da angerichtet wurde.

Schlimm für Bayer, das auf diesen Umsatzrenner gesetzt hatte. Und schlimm für dessen Chef Manfred Schneider (62), der in sieben Monaten aus dem Management ausscheiden wird und der seine bislang so makellose Karriere nun nicht unbeträchtlich beschädigt sieht. Bayer hat bei der Produkteinführung womöglich Fehler gemacht. Aber ist das die ganze Wahrheit über die Lipobay-Pleite? Oder steht hinter diesem Reinfall nicht noch mehr - eine Intrige von Wettbewerbern, genauer: von Konkurrenten aus den USA?

Bayer ließ zu diesem Verdacht nichts Offizielles verlauten. Doch umso deutlicher meldeten sich andere, die mutmaßten, amerikanische Unternehmen hätten die US-Aufsichtsbehörde FDA (Food and Drug Administration) mit Material gegen Bayer versorgt.

Vornweg marschierte mit einer langen Story die "FAZ"; sie stellte fest, dass Bayers Probleme "Konkurrenzunternehmen zugute kommen". Genauer: dem US-Riesen Pfizer, der mit Lipitor den Marktführer unter den Cholesterinsenkern vertreibt.

Die "Welt" zog sogleich nach und vermerkte: "Zeitpunkt und Härte des Angriffs gegen Bayer sind auffällig." Und die "Zeit" fragte, ob "etwa Wettbewerber die Leverkusener bei den Aufsehern angeschwärzt haben".

Belege für diese Mutmaßung gibt es bis heute nicht, allenfalls Indizien. Und so ist der Fall Bayer beim derzeitigen Stand der Dinge weniger ein Beispiel für die brutalen Attacken von US-Konzernen gegen fremdländische Eindringlinge. Sondern eher ein nachhaltiger Beleg für die These, dass die Stimmung zwischen den Wirtschaftsführern diesseits und jenseits des Atlantiks zunehmend aggressiver wird.

Heide Neukirchen

Weiter zu Teil 2: Es rumort hinter den Kulissen


Bayer

Warum der Konzern in den USA unter Druck geriet

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.