ACG Drangvolle Enge

Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat die AG ihre Prognosen für 2001 gesenkt. Der Chiphändler steckt in der Krise. Der Vorstand wurde halbiert, nun lenken fünf Manager das Unternehmen. Anleger hoffen auf eine Fusion mit CE Consumer Electronic.

Wer kann schon wissen, was genau in einem Mittvierziger vorgeht? Manchen packt die Midlife-Crisis, sodass er plötzlich am Strand von Gomera sitzen will, sinnschürfend aufs wogende Meer hinausblickend. Die Seele eines Mannes kann manchmal ein tiefes, schwarzes Loch sein.

Peter Bohn ist 44. Bis vor kurzem war er Vorstandsvorsitzender der Wiesbadener ACG , die mit Computerchips und Chipkarten handelt. Im Juni überraschte er seine Vorstandskollegen mit einer einsam und offenkundig schnell getroffenen Entscheidung: Bohn wollte weg. Niemand wusste, warum. Spekuliert wurde freilich reichlich über seine Zukunft.

Nun, inzwischen ist die Richtung bekannt, in die sich Bohn verabschiedet hat. Spätestens am 1. Januar fängt er in München als neues Vorstandsmitglied von CE Consumer Electronic an. Er gilt als designierter Nachfolger von Erich J. Lejeune (57), dem Gründer und amtierenden Chef.

Die Personalie gilt Marktbeobachtern als ein deutliches Zeichen für einen baldigen Zusammenschluss der beiden Chiphändler. Durch eine Fusion entstünde der weltweit größte Chipbroker mit einem Umsatz von rund 750 Millionen Euro.

Bis es so weit ist, muss ACG erst einmal die Folgen einer länger anhaltenden Misswirtschaft verkraften. Der einstige Highflyer, mit dreistelligen prozentualen Wachstumsraten, wies im ersten Halbjahr 2001 einen Verlust von 45 Millionen Euro aus.

Die Gründe lagen vor allem in außerplanmäßigen Abschreibungen auf Firmenwerte von zugekauften Unternehmen. Der britische Chiphändler Freeway ging zum 30. Juni mit einem Abschreibungsbedarf von 22 Millionen Euro in die Bücher ein, das US-Unternehmen MGI mit acht Millionen Euro, die Semiconsult mit sechs Millionen Euro. Im Juli verbreitete ACG eine Gewinnwarnung.

Claus G. Schmalholz

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