Brokat Schnäppchenpreis

Garen Staglin, CEO von EOne Global, über den Kauf des Stuttgarter Softwarehauses und seine Pläne.

mm*:

Herr Staglin, die Brokat AG wurde von Stefan Röver fast in die Pleite geführt. Sie kaufen von Brokat die wichtigste Sparte für mobile Zahlungssysteme - und machen ausgerechnet Röver zum Chef dieser Abteilung. Eigenartig.

Staglin: Überhaupt nicht. Röver gehört zu den kreativsten Köpfen im Bereich Mobile Commerce ...

mm: ... der Abwicklung von Geschäften über das mobile Internet ...

Staglin: ... und verfügt über exzellente Kontakte in der europäischen Mobilfunkszene. Stefan Röver bekommt bei uns ein herausragendes Team an die Seite gestellt, das ihn bei der Kontrolle des operativen Geschäfts und der Finanzen unterstützt.

mm: Mit anderen Worten: Genau in diesen Punkten hakte es bislang bei Brokat.

Staglin: Noch mal: Stefan bringt ein außerordentliches Maß an Erfahrung und Ideenreichtum im mobilen Zahlungsverkehr mit. Wir machen daraus ein profitables Geschäft.

mm: Wann haben Sie zum ersten Mal mit Röver über den Kauf der Mobilsparte gesprochen?

Staglin: Meine Firma EOne Global wollte sich seit längerem im Bereich Mobile Commerce verstärken. Wir haben uns mehrere Firmen angeschaut. An Brokat erschien uns besonders interessant, dass das Unternehmen mit T-Mobil und Vodafone bereits zwei namhafte Kunden vorweisen konnte. Mitte Juni habe ich mich das erste Mal mit Stefan Röver getroffen. Heute, zweieinhalb Monate später, gehört uns die Sparte. Alles ging fix.

mm: Kein Wunder, Brokat stand finanziell mit dem Rücken zur Wand. Röver war nicht in der Position, allzu lange über den Kaufpreis zu feilschen.

Staglin: Lassen Sie es mich so sagen: Ich bin froh, dass wir dieses Geschäft im Sommer 2001 abgeschlossen haben und nicht im Sommer 2000. Die Unternehmensbewertungen sind heute wesentlich realistischer.

mm: Wie viel Geld hat Brokat bislang in die Entwicklung der mobilen Zahlungssysteme investiert?

Staglin: Das lässt sich kaum beziffern. Ein großer Teil der Entwicklungsarbeit kam sowohl der stationären wie auch der mobilen Internet-Zahlungsplattform zugute. Jedenfalls lagen die Kosten deutlich höher als unser Kaufpreis von 42 Millionen Euro.

mm: Brokat ist mit dem Versuch gescheitert, ins Mobilgeschäft einzusteigen. Warum glauben Sie, dass Sie Erfolg haben werden?

Staglin: Dem Unternehmen fehlte lediglich das Geld, um die Investitionsphase bis zum Ende durchzustehen. Die von Brokat entwickelte Technologie steht kurz vor dem Roll-out. In diesem Jahr erwarten wir Umsätze von einigen Millionen Dollar. 2002 sollten es bereits einige dutzend Millionen sein, in einigen Jahren hoffentlich einige hundert Millionen.

mm: Was macht Sie da so sicher? Bislang zeigen weder Händler noch Kunden viel Interesse am Bezahlen per Handy.

Staglin: Für den Erfolg eines mobilen Zahlungssystems ist entscheidend, dass es von möglichst vielen Händlern akzeptiert wird. Unsere Muttergesellschaft First Data ist der Weltmarktführer im bargeldlosen Zahlungsverkehr. First Data pflegt bereits heute Geschäftsbeziehungen mit zwei Millionen Händlern weltweit. Das erleichtert es uns natürlich, ein neues Zahlungssystem auf dem Markt zu etablieren.

mm: Wird die Zentrale des von Brokat übernommenen Mobilgeschäfts in Stuttgart bleiben, oder müssen sich die Mitarbeiter auf einen Umzug einstellen?

Staglin: Die Zentrale unserer Mobil-Sparte erhält ihren Sitz auf jeden Fall in Europa, denn hier fällt derzeit ein Großteil des Geschäfts an. Es könnte sich allerdings als sinnvoll erweisen, das Geschäft mit dem mobilen Zahlungsverkehr näher an eines der europäischen Bankenzentren zu verlegen - nach London zum Beispiel.

* Das Gespräch führte Redakteur Christian Rickens.

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