Freitag, 23. August 2019

Bankgesellschaft Berlin Alter Bekannter

US-Investor Flowers findet prominenten Beistand für seinen Übernahmeversuch.

Ex-Bundesbanker Karl Otto Pöhl
AP
Ex-Bundesbanker Karl Otto Pöhl

Karl Otto Pöhl (71) weilte in seinem Haus in Portugal, als den ehemaligen Bundesbankpräsidenten der Anruf eines guten alten Freundes erreichte. Paul Volcker (74), Exchef der US-Notenbank, hatte ihm ein reizvolles Angebot zu übermitteln: Der New Yorker Investor J. Christopher Flowers (44) brauche Unterstützung bei dem Versuch, die Bankgesellschaft Berlin zu übernehmen. Ob er, Pöhl, nicht Lust habe, dem früheren Goldman-Sachs-Banker zu helfen.

Volcker wusste nur Gutes über Flowers zu berichten, mit dem er bei der Übernahme der Bank LTCB in Japan zusammengearbeitet hatte. Pöhl ließ sich nicht lange bitten: Seit einigen Wochen gehört der angesehene Finanzmann zu Flowers' Team.

Sofort wurde Pöhl aktiv, nahm Kontakt zu Bundesregierung und Bankenaufsicht auf. Als der US-Investor Berlins Finanzsenatorin Christiane Krajewski (52) Anfang September seine Vorstellungen für die krisengeschüttelte Bankgesellschaft erläuterte, war Pöhl an seiner Seite.

Noch wenige Monate zuvor hätte niemand erwartet, dass einer wie Flowers überhaupt ins Rennen gehen könnte. Alles andere als eine öffentlich-rechtliche Lösung für den heruntergewirtschafteten börsennotierten Bankkonzern mit der Landesbank und der Berliner Sparkasse unter seinem Dach galt als kaum vorstellbar.

Doch seit dem Auftreten des Amerikaners stellen sich viele im Sparkassenlager bange Fragen: Droht in Berlin der Sündenfall? Oder kann Dietrich Hoppenstedt (61), Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), die Privatisierung noch verhindern?

Fest steht: Berlin ist seiner Mehrheitsbeteiligung am zehntgrößten deutschen Geldhaus überdrüssig. Mit Hilfe von Schroder Salomon Smith Barney sucht der Senat einen Käufer.

Klar ist auch, dass die Miteigentümerin NordLB, die von Goldman Sachs beraten wird, ihren Einfluss in Berlin ausbauen möchte. Sie hat zudem ein Vetorecht, wenn das Land an einen Privaten verkaufen will.

Die Mission von Flowers, der sich die Dienste von Credit Suisse First Boston und Deutscher Bank gesichert hat, ist dennoch nicht aussichtslos. Dutzende von Experten hat der gewiefte Banker nach Berlin geschickt, um das sanierungsreife Institut zu durchleuchten: Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche, Juristen und Immobilienfachleute.

Solche Gründlichkeit macht Eindruck. "Flowers ist seriös, kompetent und von allen Interessenten am besten vorbereitet", schwärmt ein Aufsichtsrat der Anteilseignerseite.

© manager magazin 10/2001
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