MG Technologies Trübe Gedanken

Wegen des Streits um das Rechenwerk erwägt Kajo Neukirchen einen Verkauf der Firma.

Der Mann bevorzugt die Halbbrille, dezente Einreiher und versteht sich auf leise Töne. Helmut Werner (65), Exchef von Mercedes und heute Oberaufseher der MG Technologies, trägt als Markenzeichen gern die ihm eigene Noblesse zur Schau. Zu der gehört, dass er in der Not treu zu seinen Freunden steht. Zum Beispiel zu MG-Vormann Kajo Neukirchen (59).

Wenn allerdings, wie jetzt geschehen, herauskommt, dass Manager Neukirchen MG-Großaktionär Otto Happel (10 Prozent) mit Aktionärsgeldern beschatten ließ, dann sind möglicherweise auch für Werner die Grenzen der Loyalität erreicht. Der "Spiegel" prophezeite bereits eine bevorstehende Ablösung Neukirchens.

Bis dahin hatte Werner tapfer versucht, die Attacken Happels gegen den streitbaren MG-Chef abzublocken. Mehrfach sprach Werner mit dem Vorstandssprecher der PwC Deutsche Revision AG, Rolf Windmöller (58). Möglicher Grund: Happel hatte PwC mit einem Gutachten zur Ertragslage der MG beauftragt. Werner bestreitet jeglichen Versuch der Einflussnahme. Er habe zu keinem Zeitpunkt Empfehlungen zur Handhabung des Gutachtens gegeben, ließ der MG-Aufseher manager magazin wissen.

Was immer Werner mit Windmöller besprochen haben mag - die Expertise der Bilanzexperten (siehe "Kernaussagen") geriet zum Kummer der MG-Vertreter recht deutlich. Dann folgte der feinen Diplomatie plumpes Poltern. Das überlässt Werner gern anderen. Zum Beispiel Wienand Schruff (46), Vorstand der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Schruff, dessen Gesellschaft die MG-Bilanz geprüft und testiert hatte, bescheinigte seinen Kollegen von PwC "gesundes Halbwissen".

In einer 16-seitigen Stellungnahme kanzelte KPMG den PwC-Bericht als "untauglichen Versuch" ab, "auf die Behandlung einzelner Sachverhalte schließen oder gar deren Ordnungsmäßigkeit überprüfen zu wollen".

Der Vorwurf geht indes ins Leere. PwC stellte nicht die Rechtmäßigkeit der Bilanz in Frage, wohl aber die betriebswirtschaftliche Darstellung der Ertrags- und Vermögenslage.

Während die Experten streiten, müssen Neukirchen und die MG mit dem Verdacht leben, eine beschönigende Bilanz publiziert zu haben. Die Klärung, wer Recht hat, wird sich womöglich über Jahre hinziehen - für das Unternehmen ein unhaltbarer Zustand.

In ihrer Not denken MG-Strategen offenbar über Radikalmaßnahmen nach. Es heißt, Gepräche mit privaten Investoren fänden statt. Diese könnten das Unternehmen nach einem Kauf von der Börse nehmen und Gewinn bringend zerlegen.

Bislang hatte Neukirchen eine solche Lösung abgelehnt; zu einer Stellungnahme war er nicht bereit. Sollten die Eigentümer mitspielen, das große Geld wird damit wohl nicht zu machen sein. Einer Analyse von UBS Warburg zufolge ist die MG-Aktie nach einer Sum-of-the-Parts-Betrachtung (Bewertung der einzelnen Unternehmensteile) nur noch zwölf Euro wert.

Für sich selbst hat Neukirchen offenbar vorgesorgt. Sein neuer Vertrag soll eine so genannte Changeof-Control-Klausel beinhalten. Wird das Unternehmen verkauft, kassiert Neukirchen angeblich kräftig. Freilich wollte er auch das nicht bestätigen.

Arno Balzer/Thomas Werres

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