VW II Bayerische Duftmarke

Der designierte VW-Chef Chef Bernd Pischetsrieder plant bereits für die Zeit nach Piëch. So mancher Vorstandsstuhl gerät ins Wanken.

Lange hatte Klaus Liesen (70), der Aufsichtsratschef von VW, über den richtigen Zeitpunkt für die Personalie nachgedacht. Ende August stand seine Entscheidung fest: VW-Vorstand Bernd Pischetsrieder (53) sollte nicht erst im November, sondern schon auf der September-Sitzung zum Vorstandsvorsitzenden berufen werden. Eine anhaltende Personaldebatte, fürchtete Liesen, würde Unternehmen und Nachfolger Schaden zufügen.

Ferdinand Piëch (64) war der Erste, den Liesen informierte. Der VW-Chef war am 30. August nach Essen gereist, um mit Liesen die nächste Aufsichtsratssitzung vorzubereiten.

Der Ratsvorsitzende nahm Piëch beiseite und fragte, ob dieser Einwände habe, den Nachfolger bereits jetzt auszurufen. Piëch verneinte; eine Woche später stimmte das Kontrollgremium Liesens Vorschlag zu.

Wenn Pischetsrieder im April 2002 in den Vorstandsvorsitz aufrückt, dürfte einer der jetzigen Vorstände dem Team womöglich schon nicht mehr angehören: Robert Büchelhofer (59).

Der Österreicher leitet den Vertrieb und ist zugleich Chefkontrolleur von Audi. In seinem Job bei der Ingolstädter Tochter hat er sich zuletzt Piëchs Unmut zugezogen.

Mit Zustimmung des Aufsichtsratschefs wollte Audi 400 Millionen Mark Gewinn weniger nach Wolfsburg überweisen als ursprünglich beabsichtigt. Das Geld sollte in die Audi-Rücklage wandern. Piëch, der den Betrag fest eingeplant hatte, tobte.

Inzwischen haben sich Büchelhofer und Audi-Chef Franz-Josef Paefgen (55) eines Besseren besonnen. Doch die Wende wird Büchelhofer nicht helfen. Zumal Pischetsrieder, der ihn noch aus BMW-Zeiten kennt, nicht allzu viel von seinen Qualitäten hält.

Ähnlich wie Büchelhofer dürfte es Paefgen ergehen. VW-Entwicklungsvorstand Martin Winterkorn (54) soll den Audi-Chef spätestens Anfang 2001 ablösen - obwohl dieser zuletzt brillante Zahlen vorlegte.

Schon seit Wochen versucht Piëch, den Rheinländer durch öffentliche Attacken zu zermürben. Dies wohl in der Hoffnung, dass Paefgen entnervt selbst aufgibt.

Gewollter Nebeneffekt der Versetzung Winterkorns nach Ingolstadt: Piëch bringt den Freund aus der direkten Schusslinie des Nachfolgers. Pischetsrieder sieht in Winterkorn einen der Schuldigen für die Qualitätsprobleme bei Golf und Passat.

Jörg Schmitt