Kamps Meister Backwahn

Der Düsseldorfer Backkonzern steckt in der Klemme. Den einstigen Börsenstar drücken hohe Schulden ­ Preis der überhasteten Expansion. Dem Gründer bleibt womöglich keine andere Wahl, als sich mit dem Nudelmacher Barilla zu verbünden.

Heiner Kamps (46) ist nicht der erste Unternehmer, der dem Charme der Größe erlag. Der Mächtigste in der Backbranche zu sein, in Deutschland, in ganz Europa sogar, das hat schon was.

Und noch mehr Spaß macht das Akquirieren und Expandieren, wenn andere das Nachsehen haben. Gleich zweimal hat der fixe Westfale beim Kampf um Brotfabriken den italienischen Nudelmacher Barilla weggebissen: beim Kauf des deutschen Industriebäckers Wendeln und beim Erwerb der französischen Harry's-Gruppe.

Die Brüder Guido, Paolo und Luca Barilla hatten beide Male das Nach-sehen. Zumindest vorerst. Denn nun neigt sich Kamps' Erfolgssträhne dem Ende entgegen.

Wie so viele, die ganz hoch hinaus wollten, spielte Bäcker Kamps auf alles oder nichts. Jetzt, da er bereits nahezu alles hatte, droht das Nichts. Kamps der Große hat sich kräftig verspekuliert. Der Bäcker-König baute sein Imperium mit Krediten auf; die Schuldenlast wiegt so schwer, dass sie ihn erdrücken könnte.

Kamps wollte mehr, als die elterliche Bäckerei fortzuführen

Derzeit scheint es nur einen einzigen Ausweg zu geben, und der ist für ihn der denkbar schlimmste: das Zusammengehen mit den Erzrivalen aus Italien.

Noch ärger: Die Führungsfrage stellt sich bei einer solchen Verbindung gar nicht erst. Ein Zusammenschluss von Gleichen kommt nicht in Frage. Die Barillas wollen das Kamps-Imperium schlucken. Zunächst nur ein Viertel, später dann möglicherweise sogar den Rest.

Was hat den Höhenflug des Bäckers so jäh gestoppt? Machte Kamps handwerkliche Fehler? Oder bekommt er ganz einfach die Quittung für Raffgier und Größenwahn?

Schon frühzeitig wollte Heiner Kamps mehr, als die elterliche Bäckerei in Bocholt fortzuführen. Jung ging er auf Wanderschaft. Er studierte Betriebswirtschaft, ehe er dann 1982 in Düsseldorf sein erstes eigenes Geschäft eröffnete. Bald kam die erste Filiale hinzu, zehn Jahre später besaß Kamps bereits 20 Backshops, die einen stattlichen Umsatz von 22 Millionen Mark einspielten.

Das Filialgeschäft beherrschte Kamps wie kein Zweiter. Aus dem Bäckergesellen wurde einer der erfolgreichsten Unternehmer im Lande. 1992 verkaufte er seine Brötchenkette an die amerikanische Borden-Gruppe, doch 1996 holte er sich seine Firma mit Hilfe einer Investorengruppe unter Führung der Beteiligungsgesellschaft Apax Partners sowie der BHL Beteiligungsgesellschaft des Bankhauses Lampe zurück.

Beharrlich bereitete Kamps den großen Schlag vor. Im April 1998 war es so weit. Der Börsengang brachte dem Unternehmen 166 Millionen Mark ein - genug Geld, um den Generalangriff auf Deutschlands Backstuben zu fahren. Kamps übernahm die Filialisten Thoben in Berlin, Klems im Ruhrgebiet und Weltin in Heilbronn.

Die Analysten applaudierten ("Die Story stimmt"); und mit jedem Zukauf kletterte der Aktienkurs in neue Höhen. Binnen eines Jahres, bis April 1999, stieg das Papier auf das Dreieinhalbfache des Ausgabekurses.

Vom eigenen Erfolg getragen, bereitete es Kamps keine Mühe, die Aktionäre im Herbst 1999 für eine Kapitalerhöhung zu gewinnen, die seinen nächsten Coup möglich machte: seinen Schritt vom Handwerksmeister zum Industriemagnaten.

Für 2,1 Milliarden Mark kaufte Kamps den Industriebäcker Wendeln. Aus der Ladenkette mit 821 Millionen Mark Umsatz wurde über Nacht ein Drei-Milliarden-Mark-Konzern - ein verhängnisvoller Irrweg, wie sich alsbald zeigen sollte.

Petra Schlitt

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