Forum Leserbriefe

Echter Mehrwert
Firmengründungen: Business Angels helfen mit Rat und Kapital (mm 11/1998)

Eine intensive persönliche Betreuung junger Firmen ist unerläßlich und kaum neben einer anderen Linienmanagementfunktion zu leisten; bei den vielen Vorgängen muß seitens des "Business Angels" praktisch ein eigenes Beteiligungsbüro unterhalten werden.

Die besten Chancen bestehen, wenn das Projekt schon einige Zeit von den Gründern verfolgt worden ist, weil damit die langen Vorlaufzeiten schon abgeleistet sind. Nur mit einer blanken Idee zu starten ist ausgesprochen mühsam.

Wir rechnen mit zwei Millionen Mark pro Projekt aufwärts. Sieht man es realistisch, ist dieser Beitrag erst mal weg: sei es bei einem Flop, aber auch bei einem Erfolg, weil dann durch Wachstum sehr schnell zusätzliches Eigenkapital erforderlich wird.

Ich habe gute Erfahrungen mit dem Co-Investment von Freunden, die allerdings erfahrene Profis sein müssen und mehr als nur Kapital mitbringen sollten. Insbesondere sind die mitgebrachten Kontakte äußerst wertvoll für die jungen Unternehmen.

Dr. Helge B. Petersen
Frankfurt





Ihr Artikel über Business Angels hatte neben dem informativen Aspekt einen echten Mehrwert. Neben den von Ihnen aufgeführten Kontaktadressen möchte ich jedoch eine wichtige ergänzen. Unser Unternehmen - als Start-up mit allen geschilderten Problemen bei der Finanzierung konfrontiert - hat neben Kontakten zu Venture-Capital-Gesellschaften einen kompetenten und engagierten Partner in der Unternehmensbeteiligungs-Agentur der Deutschen Ausgleichsbank gefunden. Diese verfügt über einen großen Datenpool an beteiligungsgebenden Privatpersonen und Beteiligungsgesellschaften.

Kontaktadresse: Deutsche Ausgleichsbank, Unternehmens-Beteiligungs-Agentur, Sarrazinstraße 11-15, 12159 Berlin, Telephon 0 30/ 8 50 85-2 71, Telefax 0 30/8 50 85-2 20, url .

Konrad Singer,
Vorstandsvorsitzender
expertise Gesundheitsmanagement AG
Berlin





Unerfahrene Prüfer
HypoVereinsbank: Vorstandschef Albrecht Schmidt legte sich mit allen an (mm 12/1998)

Die Offenheit, mit der Albrecht Schmidt die Immobilienverluste mitteilt, verdient Respekt. Er war - im Gegensatz zu seinen Kollegen - offensichtlich nicht bereit, die Verschleierungs- und Vertuschungspolitik in der fusionierten Bilanz der HypoVereinsbank AG mitzutragen.

Die Immobilienverluste der Hypobank können nicht erst seit 1998 bekannt sein. Sie betreffen auch nicht nur die Jahre 1998 und 1997. Die Verluste waren ohne jeglichen Zweifel schon in ihren heutigen Ausmaßen spätestens ab 1995 für jeden, der mit den wirtschaftlichen Verhältnissen am deutschen Immobilienmarkt vertraut ist, absehbar. Wenn es die Hypothekenbanken nicht wußten, wer hätte es dann wissen sollen?

Wer den Fall der Mauer im Jahr 1989 und die anschließende Euphorie am Immobilienmarkt-Ost miterlebt hat, erinnert sich gut an das Wort unseres Herrn Alt-Bundeskanzlers Kohl von den "blühenden Landschaften" im Osten Deutschlands. Die Ost-Investitionen erfolgten geradezu unter politischem Zwang.

Versuchen wir daher die Sache auch einmal positiv zu sehen: Die Verluste sind Teil des staatlichen und privaten Kapitaltransfers vom Westen in die neuen Bundesländer, ohne den ein Aufschwung Ost gar nicht denkbar gewesen wäre. Diese Verluste sind deshalb sinnvolle Investitionen in die Zukunft des wiedervereinigten Deutschlands.

Es muß aber die Tatsache kritisiert werden, daß die Immobilienverluste bei den Betroffenen schon ab 1995 zwar bekannt waren, in den Bilanzen aber nicht zeitnah ihren Niederschlag gefunden haben.

Den größten Vorwurf muß man dabei den Wirtschaftsprüfern machen. Sie sind nicht in der Lage, unpopuläre Bilanzierungs- und Bewertungsüberzeugungen durchzusetzen. Es ist ein gravierendes Problem des Wirtschaftsprüfer-Standes in Deutschland, daß die Abschlußprüfer viel zuwenig ihrem gesetzlich vorgegebenen öffentlich-rechtlichen Auftrag als Interessenvertreter der Aktionäre, der Gläubiger und der Öffentlichkeit gerecht werden.

Die Wirtschaftsprüfer sind zu sehr auf den Vorstand der zu prüfenden Gesellschaften als "faktischen" Auftraggeber für das Prüfungsmandat fixiert. So werden zu viele unerfahrene "Prüfer" als Umsatzträger bei großen Prüfungsaufträgen zum "abhaken" eingesetzt, was selbstverständlich schiefgehen muß, auch bei WP-Gesellschaften mit großen Namen.

Die unerfahrenen Prüfer sind den gewieften Bilanzstrategen in den Konzernbilanzabteilungen mit ihren vielfältigen Verlust-Verschleierungsstrategien fachlich nicht gewachsen.

Über die Art und Weise, wie die Herren Schmidt und Martini an die Öffentlichkeit getreten sind, kann man sich streiten. Für seine Offenheit und seine überzeugende Aufrichtigkeit allerdings hat Albrecht Schmidt von den Aktionären und von der Öffentlichkeit Dank verdient. Sein Verhalten ist eine Aufforderung an alle betroffenen Vorstandsetagen der Wirtschaft, seinem Beispiel zu folgen.

Georg Wengert
Wirtschaftsprüfer
Wengert AG
Singen





Eherne Gesetzestafeln
Professor Klaus Backhaus über Corporate Identity (mm 11/1998)

Der Aufsatz trifft das Problem: Wofür ein Unternehmen steht, muß nach innen kommuniziert werden. Viele Chefs haben das eigentlich auch begriffen und in den 80er Jahren mit der Implantierung von Leitsätzen, Unternehmensvisionen oder -philosophien versucht, diesem Anspruch gerecht zu werden. Leider gerann kurz nach deren Formulierung die kollektive Vision zu ehernen, daher als nicht beachtungspflichtig eingeschätzten Gesetzestafeln. Wie das mit zehn Geboten nun mal so ist.

Nowin Kandera
panroyal Agentur für Absatzkommunikation
Wuppertal





Moralischer Schaden
Herlitz: Der Niedergang des Berliner Traditionsunternehmens (mm 11/1998)

Allen direkt und indirekt Betroffenen und Beteiligten wäre in hohem Maße damit gedient, wenn die Familie Herlitz sich zum Verkauf ihrer Anteile so schnell wie irgend möglich entschließen könnte. Insbesondere würde weiterer massiver wirtschaftlicher und moralischer Schaden abgewendet werden für die Familie selbst, für alle anderen Aktionäre, für Belegschaft und auch für die Berliner Wirtschaft.

Der Größenwahn, wie Sie schreiben, gipfelte in der Folge in erschütternden (im dopptelten Wortsinn) personellen Weichenstellungen. So war der erste Verkaufschef nach Heinz Herlitz, der ein begnadeter Verkäufer war, ein Controller. Als "Erbsenzähler" hatte er zwar alles im Griff, nur leider nicht den Verkauf.

Klaus Burkel
Hohen Neuendorf





Reservearmee
Ingenieurausbildung: Studiengänge nur für Frauen (mm 11/1998)

Es ist doch auffällig, daß immer dann der Ruf nach "mehr Frauen" laut wird, wenn das Angebot an Arbeitskräften für die Industrie knapp wird oder ist. War doch vor nicht allzu langer Zeit noch die "neue Mütterlichkeit" Trumpf. Wie man sieht, bleibt doch alles beim alten: Die Frauen werden als die industrielle Reservearmee behandelt. Ich wünsche mir, daß es in absehbarer Zeit "normal" wird, als Frau im Ingenieurbereich tätig zu sein.

Christina Schmidt
Karlsruhe





Ich studiere an der Fachhochschule Gießen-Friedberg Produktionstechnik - ein von Männern dominierter Studiengang. Auch wir haben, wie der deutsche Durchschnitt, eine Frauenrate von 8 Prozent. Von Geschlechterkampf, Inakzeptanz und Vorurteilen keine Spur (weder von Professoren noch Kommilitonen). Im Gegenteil, das harmonische Verhältnis zwischen Männlein und Weiblein ist geprägt durch Anerkennung, Respekt und Gleichberechtigung aus und in allen Reihen.

Christina Füting
Friedberg



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