Freitag, 18. Oktober 2019

30 Jahre manager magazin Was macht eigentlich Leo Brawand?

"Das müssen Sie unbedingt schreiben", sagt Leo Brawand (76) und diktiert dem mm-Redakteur folgende Sensation in den Notizblock: "Die Altherrenmannschaft (70 plus) des Rahlstedter HTC ist in die Oberliga aufgestiegen."

Also, lieber Leo Brawand, weil dieses Blatt Ihnen so viel zu verdanken hat, wollen wir Ihren sportlichen Mannschaftserfolg hier exklusiv vermelden. Und viele Leute wollen ja auch wissen, was Leo Brawand, der Chefredakteur der ersten mm-Dekade, heute so treibt.

Er spielt also Tennis und mit dem ehemaligen "Spiegel"-Chefredakteur Johannes Engel zweimal in der Woche Golf (Handicap 28).

Fit sieht Leo Brawand aus und - faltenbereinigt - fast wie früher: Buschiger Schnauzer und nach hinten gegeltes Haar. Das war in den 70er Jahren das Gesicht von mm. Ob in Emil Obermanns Pro & Contra oder in Werner Höfers Frühschoppen, der liberale Brawand trat als eloquenter Verfechter der sozialen Marktwirtschaft und gar nicht stummer Verkäufer von manager magazin im Fernsehen auf.

mm war Brawand und umgekehrt. Er gab mm sein unverwechselbares Profil: personenbezogene Artikel mit dem nötigen Schuss Kritik, möglichst in "spiegeliger Schreibe". In den Anfangsjahren musste Brawand das verlustreiche Blatt heftig verteidigen - auch gegenüber dem Mutterhaus. Oft wurde er in der "Spiegel"-Kantine von Kollegen angepflaumt: "Na Leo, wie viele Millionen hast du schon wieder verbraten?"

Zusammen mit Verlagsdirektor H. D. Becker verschleierte er seinem Duzfreund Rudolf Augstein trickreich, wie es wirklich um mm stand. Als Brawand 1981 ausstieg, war manager magazin immer noch nicht profitabel.

Danach schrieb er wieder. Und zwar Bücher. Sein Bestseller: "Manager sind auch nur Menschen". Gerade entsteht sein sechstes Buch, in dem er seine vielen Reisen verarbeitet.

Ein Buch über mm plant er nicht. Er hätte viel zu schreiben. Vor allem schöne Anekdötchen.

Nur eines zum Schmunzeln: Brawand war zur traditionellen Bremer Schaffermahlzeit eingeladen. Sein Tischpartner war ­ oh Schreck - der Dresdner-Bank-Vorstand Christoph von der Decken, den mm kurz vorher des Missmanagements bezichtigt hatte. Die beiden Herren schafften es, den ganzen Abend weder Blicke noch Worte zu wechseln. Brawand: "Das war das längste Abendessen meines Lebens."


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