Bücher Bewährungstest

Der Kapitalismus hat viele Ausprägungen. Durchsetzen wird sich die Variante, die den Bedürfnissen der Menschen am ehesten entspricht.

Konrad Seitz, Deutscher Botschafter in China, hat schon einmal ein Buch veröffentlicht, das sich als wegweisend herausstellen sollte. Das Thema damals: die Folgen der informationstechnischen Revolution.

Sein neues Werk handelt von etwas ganz anderem: Es befaßt sich mit den verschiedenen Spielarten des Kapitalismus.

Seitz' Fazit nach jahrelanger Erfahrung im diplomatischen Dienst: Es gibt heute fünf unterschiedliche Ausprägungen des Kapitalismus - die neoliberale angelsächsische Wirtschaftsform, die deutsche soziale Marktwirtschaft, den "kooperativen" japanischen Kapitalismus, die korporativstaatswirtschaftliche Ausprägung der Tigerstaaten und die "sozialistische Marktwirtschaft", wie sie nun in China ansteht.

Thesen:

  • Die geopolitische Karte sticht noch immer - nur gibt es künftig mindestens fünf verschiedene Spielarten des Kapitalismus.


  • Durchsetzen wird sich jene Form des Kapitalismus, die technologische, menschliche und politische Entwicklungen am innovativsten, am flexibelsten und am sozialförderlichsten bewältigt.
  • Alle bestehenden Formen des Kapitalismus haben ihre spezifischen Stärken und Schwächen.


  • Wenn Politik und Wirtschaft die Kraft zur Reform finden, hat das sozialmarktwirtschaftliche Europa die besten Chancen, den Wettbewerb um die weltwirtschaftliche Vorherrschaft für sich zu entscheiden ...


  • ... so lange, bis sich China an die Spitze setzen wird oder bis nicht mehr über die Frage diskutiert werden muß, welches das bessere System sei - nämlich dann, wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, daß die Spielarten gut nebeneinander existieren können.
Bilder für die Zukunft

Denken in Szenarien erleichtert Prognosen und Planung. Die richtige Technik ist erlernbar.

Das Unangenehme an den meisten Futurologen ist, daß sie zum Umdenken zwingen. Zu denen der Zunft, die besonders unbequem sind, gehören Professor Jürgen Gausemeier und seine wissenschaftlichen Mitarbeiter am Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn. Doch die Autoren entschädigen ihre Leser für die Anstrengungen bei der Lektüre - indem sie ihnen ein intelligentes Handwerkszeug für die Gestaltung der Zukunft anbieten.

Wohl deshalb hat sich der Hanser Verlag entschieden, das bisweilen komplizierte, weil theoretisch anspruchsvolle und schwer zu lesende Buch über Szenario-Management zum zweitenmal aufzulegen.

Was macht Gausemeiers Werk besser als die meisten anderen zum Thema? Zweierlei: Weitsicht und methodische Raffinesse. Ob er seine Strategie mit dem Szenario-Management entwickelt hat? Auszuschließen ist es jedenfalls nicht.

Thesen:

  • Strategisches Management ist nicht out - denn es war noch gar nicht in. Bislang fehlte das Instrumentarium: das Szenario-Management.


  • Planung als Versuch, der Zukunft Vorschriften zu machen, engt die Unternehmen ein.


  • Szenario-Management ergänzt die strategische Planung um die systematische Erweiterung des Blickwinkels in Richtung Chancen, aber auch in Richtung Gefahren.


  • Die strategische Sicherheit ergibt sich nicht aus der richtigen Prognose, sondern aus der richtigen Vorbereitung auf möglichst viele Eventualitäten.


  • Das Denken in unterschiedlichen Szenarien schärft den Blick für erste Anzeichen der befürchteten, der erhofften oder einer bislang überhaupt noch nicht bedachten Entwicklung.
Schöne Aussichten

Die wohl größte Zukunftsstudie belegt: Vor allem den Europäern soll es künftig gutgehen.

Die wissenschaftliche Prognose von David Mercer für das 21. Jahrhundert fällt außerordentlich positiv aus: Für die nächsten Dekaden verspricht er Frieden, Wohlstand und interessantere Arbeit durch mehr Freiräume. Am besten, davon ist der Professor der Open University Business School in Großbritannien überzeugt, wird es künftig den Europäern gehen.

Mercers Einschätzung stützt sich auf die Befragung von über 1000 Managern, Vorständen, Regierungsvertretern sowie Futurologen. Sie ist damit eines der wohl umfangreichsten Zukunftsforschungsprojekte der vergangenen Jahrzehnte.

Thesen:

  • Optimismus hilft - wenn ihn nur genügend Menschen haben, dann sind unsere Aussichten hervorragend.


  • Die materiellen, energetischen und informativen Ressourcen unserer Umwelt sind unbegrenzt und für jeden zugänglich. Wissen liegt nicht mehr nur in den Händen weniger Experten.


  • Für die Nutzung der Ressourcen bedarf es hoher Bildung und vor allem des Mutes, auch zunächst unerreichbar erscheinende Ziele zu verfolgen.
Erkenne dich selbst

Je unsicherer die Zukunft, desto wichtiger ist es, die eigenen Potentiale exakt einzuschätzen.

Die Zukunft ist wie ein Steinbruch. Um seine Schätze hervorzuholen, braucht es vor allem handfeste Steinmetze: Führungskräfte, die sich vorwagen, und zwar weit über die Grenzen des "Normalen" hinaus - und das nicht nur in angeordneten Kreativsitzungen zweimal im Jahr. Mutige also vortreten?

Der international tätige Züricher Verhaltenswissenschaftler, Professor Karl Heinz Delhees, empfiehlt: Lieber erst einmal hinsetzen und innehalten, darüber nachdenken, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen. Die Wissenschaft hat zwar etliche Führungswerkzeuge und Instrumente bereitgestellt, die sind bei aller Finesse jedoch kein Ersatz für die Selbsterkenntnis der Führungsverantwortlichen.

Delhees beschreibt in seinem Buch, was die Chefs von morgen wissen müssen: Wege zur Selbsterkenntnis, die Verfahren und Hilfsmittel, die Zukunftsorientierung leichter machen, und das Führungseinmaleins für Unternehmenswandel.

Wer also beabsichtigt, in sich und das Unternehmen der Zukunft zu investieren, für den ist dieses Buch persönliches Brevier und betriebliche Umsetzungshilfe - einschließlich Workshopkonzept.

Thesen:

  • Wer seine Mitarbeiter erfolgreich in die Zukunft führen will, muß zuerst sich selbst zur Zukunft machen.


  • Um persönliche, soziale und betriebliche Grenzen zu übeschreiten, ohne sie dabei zu zerstören, bedarf es eines ausgeprägten Fingerspitzenge fühls, sehr viel Wissens und außerdem eines gerüttelt Maßes an Methodik.


  • Visionen, Begeisterung, kluge Planung und Wandlungserfahrung müssen zusammenkommen, wenn das ehrgeizige Zukunftsprojekt tatsächlich gelingen soll.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.