Donnerstag, 24. Oktober 2019

Berater Das FC-Bayern-Syndrom

Sind Consultants ihr Geld wert, fragte mm in einer exklusiven Studie. Lesen Sie heute, was Deutschlands Topmanager vom Kostenkiller McKinsey halten.

Die Berater machten einen prima Job: Alles war bis ins Detail geplant, exzellent geriet die Umsetzung.Ein wenig Standard zwar: Bolschoi-Ballett, ein Vortrag des Russland-Nuschlers Gerd Ruge. Aber auch Ausgefallenes war dabei: eine opulent orchestrierte Ballnacht, ein Streifzug durch diverse Nachtklubs der russischen Hauptstadt, vorfinanziert bis zum letzten Taxi.

 McKinsey-Chef Jürgen Kluge: Ein 3 im mm-Zeugnis reichte den Mackies für den dritten Platz
[M]: Andre Zelck; mm.de
McKinsey-Chef Jürgen Kluge: Ein 3 im mm-Zeugnis reichte den Mackies für den dritten Platz
Beim Moskauer Jahrestreffen der deutschen McKinsey-Partner zu Pfingsten erntete der Organisator Lob von allen Seiten: Jürgen Kluge, Deutschland-Chef von Beruf.

Vor zweieinhalb Jahren trat der hemdsärmelige, Gemütlichkeit ausstrahlende Physiker das Erbe des verdienten Veteranen Herbert Henzler (59) an. Kluge führt die Firma in einer schwierigen Umbruchphase: Er muss sie auf Wachstumskurs halten, das "Tantchen McKinsey" (Kluge) verjüngen und dabei auch noch Qualität sicherstellen.

Endlich soll die Beratungsfirma das Etikett des rücksichtslosen Rationalisierers abstreifen. Die mm-Enquete belegt: Die Unternehmen sehen in McKinsey nach wie vor den Kostenkiller (siehe: Wie Unternehmen die Arbeit von Beratern beurteilen).

McKinsey profitiert von einem fein gesponnenen Alumnen-Netzwerk. Viele Ehemalige rückten in die Führungsetagen bedeutender Konzerne auf. Bei der Deutschen Post zum Beispiel sind vier von acht Vorständen Ex-Mackies, Chef Zumwinkel inklusive.

Kluge weiß das zu würdigen. "Auf Klaus Zumwinkel", lobte er auf dem Alumnen-Meeting Ende April in Köln, "sind wir besonders stolz."

Die Konkurrenz ist weniger begeistert. Am Zentraleinkauf vorbei, klagt sie, würde McKinsey mit Post-Aufträgen nur so zugeschüttet.

Gegen den Ruf der Reizfirma muss Kluge ständig ankämpfen: Der Marktführer gilt vielen als verhasstes Neidobjekt - "FC-Bayern-Syndrom" nennen das die McKinsey-Leute.

Genüsslich weiden sich die Wettbewerber an den Schnitzern der Nummer eins: Beim Fast-Pleite-Konzern Philipp Holzmann hat McKinsey rund 40 Millionen Mark kassiert und wenig bewegt - auch, weil die Berater mit falschen Zahlen arbeiten mussten. "Vielleicht", räumt Kluge ein, "hätten wir das Engagement dort früher beenden" sollen.

McKinsey läuft Gefahr, ein Opfer des eigenen Erfolgs zu werden. Das atemberaubende Wachstum (150 Prozent seit 1995) fordert seinen Tribut: Eine normalverteilte Intelligenz unterstellt, steigt bei einer Ausweitung des Geschäfts und entsprechenden Neueinstellungen nun mal die Flopziffer genauso schnell.

Das Problem dürfte sich noch verschärfen. Schon bald wird McKinsey in Deutschland selbst bei schleppenderem Geschäftsgang die Umsatzmilliarde überschreiten.

Wolfgang Hirn/Dietmar Student

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