Berater Die Netzwerker

Sind Consultants ihr Geld wert, fragte mm in einer exklusiven Studie. Lesen Sie, was Deutschlands Topmanager vom Münchener Ratgeber Roland Berger und seinen Partnern halten.

Kaum ein Deutscher verfügt in Wirtschaft und Politik über solch ein Beziehungsgeflecht wie Roland Berger (63). Er trifft sich mit Gerhard Schröder und dessen potenziellem Herausforderer Edmund Stoiber. Er verkehrt mit vielen Vorständen und Firmenchefs, auch privat.

In über 30 Jahren baute er sein Netzwerk auf. "Es gründet auf persönlichem Vertrauen, und deshalb bin ich stolz darauf", sagt der Unternehmensgründer aufgeräumt in seinem Berliner Büro, nach einem Spargelessen mit dem Bundeskanzler.

Der charmante, gelegentlich auch eitle Berger kann sich verkaufen - und sein Unternehmen. "Er ist ein genialer Vermarkter", urteilt ein ehemaliger BCG-Berater.

Gern hilft bei der Akquisition auch die Deutsche Bank, bis 1998 Mehrheitsgesellschafter von Berger. Manchmal mit etwas unsanften Mitteln. Beispiel Tengelmann. Ein Vorstandsmitglied der Deutschen Bank soll die Mülheimer Einzelhändler gar aufgefordert haben: Entweder sie ließen sich von Roland Berger prüfen, oder die Bank würde die Kreditlinie nicht mehr verlängern. Tengelmann wollte Berger nur, wenn die Deutsche Bank ihn bezahlte, und verlor den Kredit.

Bergers Unternehmensberatung bietet alles an, ist nahezu ein Vollsortimenter. Wer so viel macht, macht natürlich auch Fehler. Wie bei keinem anderen Consultant, das zeigt die manager-magazin-Umfrage, streuen bei Berger die Noten: Es gibt Spitzenwerte, aber auch etliche Ausreißer nach unten.

Ein Manager des Hamburger Modeunternehmens Wünsche klagt über die "Abzocker" aus München, sie hätten "Zahlen verglichen, die nicht vergleichbar waren" und dem Unternehmen strategisch nicht weitergeholfen.

Bei einer Tochter der Essener RAG (früher: Ruhrkohle) versuchte sich eine Berger-Truppe als Berater für Fusionen und Übernahmen. Erfolglos. "Die haben nicht einen einzigen Interessenten angeschleppt, den wir nicht schon vorher kannten", ereifert sich ein RAG-Manager, "die hatten überhaupt keine Ahnung."

Berger weiß inzwischen, dass sein Beratungsunternehmen als Gemischtwarenladen nicht richtig aufgestellt ist. Er hat deshalb eine Neupositionierung verordnet. Im neuen Firmenlogo steht jetzt Strategy Consultants.

Noch zwei Jahre will Roland Berger den Wandel Richtung Strategieberatung mitgestalten, dann will er in den Aufsichtsrat wechseln.

Eine neue Führungsstruktur soll den Übergang von der One-Man-Show zu einem Unternehmen ohne den Strahlemann Berger erleichtern. Oben stehen drei geschäftsführende Partner: Berger, der Hamburger Büroleiter Burkhard Schwenker und der Frankfurt-Chef Karl Wilhelm Vogel. Darunter arbeitet ein vierköpfiges Management Committee: der Sanierungsexperte Karl Kraus (Spitzname: "Die Machete"), der Düsseldorfer Bürochef Walter Hagemeier und die Jungstars Felix Hess und Dirk Reiter.

Vermutlich wird nach Bergers Abgang ein dreiköpfiges Team die Beratung führen. Primus inter Pares könnte dann Schwenker sein. Er hatte sich intern Respekt verschafft, als er im Namen der Partner über die Loslösung von der Deutschen Bank verhandelte.

Wolfgang Hirn/Dietmar Student

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