Berater Gewinner ohne Glanz

Sind Consultants ihr Geld wert, fragte mm in einer exklusiven Studie. Lesen Sie, was Deutschlands Topmanager von den Strategieexperten der Boston Consulting Group halten.

Schon von "Leichenpaule" gehört? Nein? Der Mann - blass, bieder, bescheiden - betreut bei der Boston Consulting Group (BCG) die Banken und ist unter seinem jenseitigen Beinamen in der Finanzszene bestens bekannt. Für alle anderen heißt er Hans-Paul Bürkner.

Mit seinem unscheinbaren Aussehen und leisen Auftreten nimmt er den Geldvorständen die Furcht vor dem alles besser wissenden Folienmann. Die Masche zieht, Bürkner hat sich bei BCG zum Topverkäufer emporberaten. In guten Jahren, zischen Kollegen, bringe er es auf über 30 Millionen Mark Umsatz.

Bürkner offeriert kein Charisma, sondern Konzepte. Typisch für BCG. Die Bostoner pflegen ihr Image als helle Köpfe und wirken im Tagesgeschäft bisweilen wie "Harvard auf Dienstreise", sagt ein Konkurrent.

Die Klienten engagieren BCG laut mm-Studie zu 53 Prozent als Strategieberater, der mit Abstand höchste Wert unter den drei großen deutschen Consultants.

Als zahlengetriebene Durchsetzer taugen die Bostoner offenbar weniger: Nur bei einem Drittel ihrer Projekte wurden die Geschäftsergebnisse der Kunden deutlich verbessert, McKinsey und Roland Berger erzielten höhere Quoten.

Beispiel Babcock. Als der kantige Vorstandschef Klaus Lederer Anfang 1997 zum kriselnden Oberhausener Maschinen- und Anlagenbauer kam, prüfte er sofort die Arbeit der BCG-Leute. Ergebnis: Die externen Strategen hätten bilanzielle Risiken übersehen und realitätsferne Sanierungsvorschläge erarbeitet.

Der BCG-Projektleiter, mittlerweile in den Holdingvorstand von Babcock aufgerückt, musste drei Monate nach Lederers Antritt das Unternehmen verlassen; die restlichen Bostoner (zu Spitzenzeiten 50 Berater) folgten ihm nach und nach.

An Einsatz lassen es die BCG-Leute freilich selten fehlen. Zum Beispiel Antonella Mei-Pochtler. Als sich die für BCG-Verhältnisse ungewöhnlich extrovertierte Konsumgüterexpertin (die schon mal mit Pelz und roten Pumps beim Kunden präsentiert) ins Wochenbett legte, musste ihr Faxgerät mit.

Bei BCG dominiert der Teamgedanke. Dieter Heuskel (50) steht zwar seit 1998 an der Spitze eines fünfköpfigen deutschen Managementgremiums. Doch der zurückgenommene, freundlich-distanzierte Leiter des Düsseldorfer Büros führt am langen Zügel. "Bei BCG", mokiert sich ein Ehemaliger, gehe es zu "wie in einem Debattierklub".

Eine schwerfällige Basisdemokratie, so die Kritik, verhindere rasche Entscheidungen. Der Einstieg ins E-Business etwa sei viel zu spät erfolgt: "Die Konzepte waren da, es fehlte die Entschlossenheit, sie umzusetzen."

Immerhin, seit Jahresanfang hat sich das Führungsteam neu organisiert: Der Marketingposten wurde gestärkt, Partner Martin Koehler (43) soll BCG nun offensiver verkaufen.

"Leichenpaule", so viel steht zu erwarten, wird dennoch seinem stillen Stil treu bleiben.

Wolfgang Hirn/Dietmar Student

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