Commerzbank Gefangen im Netz des Vorgängers?

Kohlhaussens Netz der "Wahlverwandtschaften" einfach zerreißen - das wird Müller kaum wagen.

Der Vorgänger ist jetzt schließlich Chef des Aufsichtsrats. Müller und Kohlhaussen beteuern zwar, der alte werde dem neuen Chef nicht hineinregieren. Ganz frei aber wird Müller, der Kohlhaussens Wahl für den Chefsessel war, kaum agieren können.

So bleibt es wohl auch beim Strategiepapier CB 21, das maßgeblich Müllers Werk ist und die Blaupause für eine zaghafte Neuorientierung sein soll: ein paar mehr Privatkunden, ein bisschen mehr Mittelstand, ein bisschen mehr europäisch, ein bisschen weniger global. Nach wie vor strebt die Commerzbank "die kritische Größe in allen Teilmärkten" an. Das heißt: Sie will Universalbank bleiben. Die Gelben träumen weiter von einer Zukunft als "großer europäischer Finanzkonzern" und investieren tapfer in diese fragwürdige Vision - immer in der Gefahr, sich zu übernehmen.

Analysten, Berater und Investmentbanker sind sich einig, dass es mit einer Strategiereform à la CB 21 nicht getan ist. Sie empfehlen einen Radikalumbau. Die Bank solle sich von etlichen Aktivitäten trennen und auf ihre wahren Stärken beschränken. Die lägen vor allem auf dem Heimatmarkt.

Die hausinternen Zweifler am Universalbankprinzip denken ähnlich. Zurückstutzen des Investmentbankings auf die Bedürfnisse des Mittelstands, totale Öffnung des Filialvertriebs für Produkte fremder Anbieter, Ausbau des Private Banking, Abgabe der Adig, solange sie noch gutes Geld wert sei - so die Empfehlungen.

Georg Jakobs

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Commerzbank
Der neue Chef und sein schweres Erbe

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