BMW Nach dem Rover-Schock mit neuer Stärke

Vergeben, vergessen. Die Hauptversammlung im Mai sah den neuen Milberg. Einen Manager ganz nach dem Geschmack deutscher Aktionäre: ein Sachwalter, der glanzlos glänzende Resultate präsentiert.

Im jüngsten Börsenbarometer von manager magazin belegt er Platz eins. Die Anleger trauen ihm unter Deutschlands Topchefs am ehesten zu, den Unternehmenswert zu steigern.

Den Rover-Schock hat BMW verblüffend folgenlos verkraftet. Dem Unternehmen geht es besser denn je. Das alte Selbstbewusstsein - allein gegen Mercedes und den Rest der Welt! - ist wieder da.

Dem Konzernchef ist ein Neuanfang gelungen. Im Führungskreis hat er sich Respekt verschafft. Mitte Mai vergangenen Jahres entließ er drei Vorstände, eiskalt, ohne erkennbare Vorwarnung. Sie hatten an seinem Kurs gekrittelt und allzu offen erkennen lassen, dass sie ihn für eine Fehlbesetzung hielten.

Bei den Mitarbeitern hingegen verzichtet der Chef wohlweislich darauf, sich übermäßig Respekt zu verschaffen. Ein autoritärer Vorgesetzter hätte bei den stolzen Fachleuten keine Chance.

Milberg hat eine Vorwärtsstrategie eingeschlagen, die gut ist, weil sie rückwärts gerichtet ist - hin zu den Wurzeln der weißblauen Marke. Seine so genannte "Premiumstrategie" meint (um Ausschmückungen bereinigt): BMW baut exquisite Autos, die sich zu deutlich höheren Preisen verkaufen lassen als Allerweltsgefährte. Und BMW will sie ein bisschen schlauer bauen als die Konkurrenten - mit Milbergs Methoden.

Gewiss, der Verdienst für die aktuelle Hausse gebührt ihm nur zum Teil. Er profitiert von der Arbeit seiner Vorgänger. Sie haben alle Modelle angestoßen, die jetzt auf den Markt kommen. Sie haben den glücklichen Beschluss gefällt, BMW in der Formel 1 mitfahren zu lassen.

Nach dem Vorstand in den Aufsichtsrat?

Die Bewährungsprobe des Professors kommt erst noch, in fünf bis sieben Jahren, wenn seine Modelle in die Schauräume rollen.

Gut möglich, dass er die Stunde der Wahrheit nicht mehr bei BMW erlebt. Vorstandsverträge bei dem Münchener Konzern enden in der Regel mit dem 60. Lebensjahr, bei Milberg also in rund zwei Jahren.

Gut möglich aber auch, dass Milbergs Aufstieg weitergeht. "Ich habe mich nie in eine Position gedrängt", erklärt er das Muster seiner Karriere, "sondern es hat sich so ereignet." Er fühle sich gar als "Glückspilz".

Hält die Strähne an, dann wird sein Vertrag 2003 ausnahmsweise um ein paar Jahre verlängert. Anzeichen gibt es schon.

Anschließend könnte er in den Aufsichtsrat wechseln. Ein Vertrauter könnte den Vorstandsvorsitz übernehmen, zum Beispiel Produktionsvorstand Norbert Reithofer (45), der Milberg schon an der Uni zur Seite stand.

Eine kleine Ära wäre das, auf die man später gern zurückschaute. Man würde sich genau erinnern: an schöne Autos, an Verkaufsrekorde, vielleicht auch an ein paar Triumphe in der Formel 1.

Nur die Erinnerung an den Kopf der großen Zeit ... wie hieß der noch? ... bliebe merkwürdig blass.

Michael Machatschke

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.