MLP AG Wirtschafts-Wunder

Vom Start-up zum Dax-Konzern. Können Gründer Manfred Lautenschläger und Nachfolger Bernhard Termühlen die Erfolgsgeschichte fortsetzen?

Das Auffälligste an Bernhard Termühlen (46) ist seine Unauffälligkeit. Die Stimme ist leise, die Artikulation versinkt in gepflegter Monotonie. Beinahe zwanghaft bemüht sich der kleine, drahtige Mann um Zurückhaltung und Bescheidenheit. Der Chef des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP (Marschollek, Lautenschläger und Partner) legt es darauf an, unterschätzt zu werden.

Der bedächtige Herr Termühlen ist das Ergebnis geschickter Inszenierung und perfekter Selbstkontrolle. Denn hinter der Fassade des sorgsam gepflegten Understatements verbirgt sich einer der zielstrebigsten und ehrgeizigsten deutschen Manager.

Mitte der 80er Jahre als promovierter Ingenieur eher zufällig zu MLP gestoßen, schaffte es Termühlen binnen drei Jahren vom Verkäufer zum Vorstandsmitglied. Heute ist er nicht nur die Nummer eins des Unternehmens, sondern obendrein Großaktionär und Milliardär. Ein Aufstieg, der wohl nur in einer Wachstumsfirma wie MLP möglich ist. Die hat es innerhalb von gut 30 Jahren immerhin vom Start-up zum Dax-Konzern gebracht.

Der Chef personifiziert den Erfolg des Hauses. Kaum ein Unternehmen verfolgte seine Strategie in den vergangenen Jahren ähnlich konsequent. Kaum eines glänzte dauerhaft mit ähnlich hohen Wachstumsraten. Und kein anderer Konzern wurde von der Börse so gefeiert wie MLP.

Auf diesem Erfolg ausruhen, das kann sich der MLP-Primus nicht leisten. Mit dem lang ersehnten Aufstieg in den Dax beginnt für Termühlen, der dem Mitgründer, Hauptaktionär und Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger (62) vor zwei Jahren an der Spitze nachfolgte, erst die eigentliche Arbeit.

Seine Ziele sind ehrgeizig. Bis zum Jahr 2010 soll sich die Zahl der Verkäufer mehr als vervierfachen, die Zahl der Kunden fast verfünffachen und der Gewinn gar um den Faktor 19 steigen.

Das zu schaffen wird nicht leicht. Der Wettbewerb wird sich in den kommenden Jahren drastisch verschärfen. Und MLP muss sich vom Mittelständler zum internationalen Konzern wandeln.

Georg Jakobs/Dietmar Palan


MLP AG
Warum die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte für den Finanzdienstleister ein Kraftakt wird

Verwandte Artikel