Dienstag, 22. Oktober 2019

LTU In fremden Händen

Wäre nur den Anteilseignern nicht flau geworden, der Aufstieg hätte wohl weitergehen können.

Doch den Erben des 1966 verstorbenen Conle war unwohl bei den steigenden Investitionen, die längst in die Milliarden gingen. Sie suchten Schutz bei einem potenten Finanzier - und dienten LTU der Westdeutschen Landesbank (WestLB) an.

 Der Großstratege: Erst päppelte WestLB-Chef Friedel Neuber die LTU auf - dann ließ er sie fallen
DPA
Der Großstratege: Erst päppelte WestLB-Chef Friedel Neuber die LTU auf - dann ließ er sie fallen
Friedel Neuber, der Chef der Staatsbank, ergriff die Gelegenheit von Herzen gern. Der Mann versteht sich nach eigenem Bekunden (wie viel zu viele Geldleute) "nicht nur als Banker, sondern auch als Unternehmer". Also kaufte die WestLB 1989 den Conle-Erben für 700 Millionen Mark gut 34 Prozent der Anteile ab - und, schlimmer noch, übernahm die Regie.

Der Bankier deklarierte die erstaunliche Expansion in die Sommerfrische als nordrhein-westfälischen Patriotismus. Es habe die Gefahr bestanden, streute die WestLB, dass LTU die Landeshauptstadt Düsseldorf verlassen würde, womöglich Richtung München. Kenner bezweifeln das. Ein Umzug habe in Wahrheit nie angestanden.

Der neue Verwaltungsratsvorsitzende Neuber hatte Monumentales im Sinn. Er wollte einen Touristikkonzern schaffen, wie ihn Deutschland noch nicht gesehen hat.

Die Mission gelang. Leider nur ohne LTU.

Zunächst hatte der Landesbank-Visionär richtig gelegen. Er erkannte, dass die LTU, allein auf sich gestellt, binnen weniger Jahre in eine prekäre Lage geraten könnte ­ die eines gepressten Zulieferers. Nur mit einem starken Reiseveranstalter im Rücken, weit stärker als die LTU-Veranstalter, würde der Ferienflieger bestehen können.

Fortan mühte sich Neuber, touristische Beteiligungen zu kaufen ­ etwa den englischen Reisedienstleister Thomas Cook oder die Rheinschifffahrtslinie Köln-Düsseldorfer, vor allem aber Anteile am führenden deutschen Veranstalter TUI.

Dabei verspritzte er allerdings so viel Bugwasser, dass er schon früh Argwohn weckte, in der Öffentlichkeit wie bei den Kartellwächtern. Und er verzettelte sich, indem er schließlich auch den niedersächsischen Mischkonzern Preussag, deren Aufsichtsrat Neuber anführte, auf Touristikkurs brachte.

1997 stellte ihn das Bundeskartellamt ultimativ vor die Wahl, sein Traumgebilde entweder bei der LTU oder bei der Preussag zu verwirklichen. Neuber entschied sich ­ Heimatliebe hin, Heimatliebe her ­ für den Standort Hannover, also für die Preussag. Die ist heute dank TUI und anderer Zukäufe zur größten Reisegruppe der Welt aufgestiegen.

LTU hingegen ließ Neuber fallen.

Die Jagd des Landesbankers nach der Großtat hat LTU um die Chance gebracht, sich in den 90er Jahren im kleineren Maßstab besser im Markt zu verankern. Zugleich verkam unter Neubers Ägide das profane eigentliche Geschäft.

Der Ferienflieger, einst für Effizienz bekannt, setzte Fett an. Besonders die Personalkosten stiegen.

Die Flugzeugflotte geriet zu einem teuren Sammelsurium. Kopflos wurden Flugzeuge von vier verschiedenen Herstellern angeschafft. Richtig wäre es gewesen, auf einen Anbieter zu setzen.

Michael Machatschke


Absturz einer traditionsreichen Fluggesellschaft

Lenker und Denker haben die einst erfolgreiche LTU gefährlich ins Schlingern gebracht. Schafft die Charter-Airline den Turn-around?

Weiter zum dritten Teil: Kann die Marke LTU gerettet werden?


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