Sonntag, 15. Dezember 2019

LTU Am Boden zerstört

Sie war ein Pionier, Inbegriff des Ferienflugs. Doch Banker und Großstrategen brachten die Charter-Airline zum Absturz. Gibt es jetzt noch Rettung für die Marke?

Sten Daugaard (43) ist Däne, also ein Mann fürs Schnörkellose. Ohne Umschweife erzählt der Chef des Ferienfliegers LTU von den Nöten seines Unternehmens, von Versäumnissen der Vergangenheit und von dem neuen Sinn für Sparsamkeit.

 Unlösbare Aufgabe? Die LTU-Flotte steht still
DPA
Unlösbare Aufgabe? Die LTU-Flotte steht still
Nur bei der Frage, mit welchen Verbündeten er im beinharten Reisegeschäft bestehen will, wird Daugaard vage. LTU habe einerseits eine Anlehnung an die Touristiksparte des Handelshauses Rewe und andererseits "eine gewisse Freiheit am Markt".

Vogelfrei, könnte man auch sagen.

Die Fluggesellschaft LTU steht auf verlorenem Posten. Während neu formierte Touristikgiganten wie Preussag (TUI) und Thomas Cook (Condor, Neckermann) den Markt aufrollen, sackt das Düsseldorfer Unternehmen immer weiter ab.

LTU fehlt nahezu alles, was heute zum Erfolg im Ferienschacher nötig ist: ein schlagkräftiger Konzernverbund, zahlungsfähige und zahlungswillige Eigentümer und vor allem: eine verlässliche Perspektive.

Die Folgen sind verheerend. Umsatz und Marktanteil sinken, die Verluste wuchern. Die wirtschaftliche Basis droht wegzubrechen.

Der Fall LTU ist ein Lehrstück für den Niedergang eines großen Namens. Er zeigt, was passiert, wenn sich fehlgeleitete Investoren mit unfähigen Managern verbünden. Und wohin es führt, wenn eine Traditionsmarke zum Spielball von Großstrategen wird.

Allein der Name scheint noch unbeschädigt. "Wir wissen aus Umfragen", tröstet sich Daugaard, "dass LTU nach wie vor zu den angesehensten Marken in der Touristik zählt". Das "Lufttransport-Unternehmen" (wie LTU mit vollem Namen heißt) zehrt von einer großen Vergangenheit.

1955 von einem Engländer gegründet (der eigentlich nur schneller an britische Zeitungen kommen wollte) und bald darauf vom Duisburger Bauunternehmer Kurt Conle übernommen, verblüffte die Fluglinie über Jahrzehnte hinweg Kenner und Kunden. Als erste Chartergesellschaft setzte sie Düsenflugzeuge ein, als erste brach sie mit Großraumjets zu Urlaubszielen in aller Welt auf.

Zum Wohl der Kunden schreckten die LTU-Manager nicht einmal davor zurück, Gesetze zu unterlaufen. Seit Anfang der 70er Jahre verkauften die Düsseldorfer billige Tickets auch an Reisende, die keine Pauschaltour antreten wollten. Nach dem damals strengen Reglement der Lüfte hätten sie eigentlich die teuren Linien-Preise zahlen müssen.

Ende der 80er Jahre stand die Marke in ihrer höchsten Blüte. LTU war zur zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft nach der Lufthansa aufgerückt. Die Flotte steuerte auf über 30 Jets zu. Und im Verbund mit den eigenen Reiseveranstaltern (Tjaereborg, Jahn, Meier's Weltreisen) bildete die Airline den ersten wahren Reisekonzern in Deutschland.

Michael Machatschke


Absturz einer traditionsreichen Fluggesellschaft

Lenker und Denker haben die einst erfolgreiche LTU gefährlich ins Schlingern gebracht. Schafft die Charter-Airline den Turn-around?

Weiter zum zweiten Teil: LTU in fremden Händen


LTU und die Top Drei der deutschen Reisekonzerne

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